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Und nächstes Jahr zum Balaton

Urlaubsland Ungarn: Ein Besuch im Jubiläumsjahr der Deutschen

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Im Memento-Statuen-Park Budapest.
Im Memento-Statuen-Park Budapest.

Es gibt Orte, an denen Stille laut wird, schreiend fast. Der Memento-Statuen-Park in Budapest ist so ein Flecken. Wer das backsteinrote Eingangstor an der Balatonstraße durchschritten hat, steht erschrocken auf dem baumlosen Platz : So plötzlich ist der Besucher umringt von riesigen steinernen Sowjetsoldaten, eingekreist von überdimensionalen Abbildern der Herren Marx, Engels und Lenin, umzingelt von Helden wie Béla Kun oder Kapitän Ilja Ostapenko.

Nachdem der Sozialismus vor zwei Jahrzehnten demontiert wurde und mit ihm seine Heroen in Stein aus Bronze, haben die Budapester die vielen Standbilder an den südlichen Stadtrand gekarrt, ein Architekt hat dafür einen Park angelegt, mit viel Hintersinn. Schon nach wenigen Minuten Rundgang sind die Riesen in ihrer Wirkung zu Winzlingen geschrumpft, das Bedrohliche wandelt sich ins Zirkushafte.

Park-Führerin Orsolya Madary erzählt, dass die Besucher aus den USA über die Mächtigkeit der Kunstgattung Sozialistischer Realismus staunen, während die Gäste aus den einstigen Ostblock-Staaten schwanken: Einige legen Nelken oder Rosen vor den Statuen nieder, andere belustigen sich an Werken wie dem »Soldaten der Befreiung«, der einst auf dem Gellertberg über Budapest hinwegblickte. »Die Reaktionen sind immer heftig«, sagt Orsolya Madary.

Manchem Städtereisenden, der wegen der Fischerbastei, der Prachtstraße Andrássy út oder der Margareteninsel nach Budapest gekommen ist, wird im Memento-Park erst die wichtige politische Bedeutung bewusst, die Ungarn für Europa stets hatte, so auch für die Deutschen, vor allem in jener Zeit, als zwei deutsche Staaten existierten.

Im Schicksalsjahr 1989 spielten die Ungarn eine gewichtige Rolle, als im Sommer mehr DDR-Bürger ins Land strömten, um auf dem Gelände der bundesdeutschen Botschaft, auf Campingplätzen am Balaton oder in anderen Notunterkünften auszuharren und auf ihre Ausreise in den Westen zu pochen. Am 11. September 1989 öffnete die ungarische Regierung die Grenzen nach Österreich für die Flüchtlinge aus dem Osten. Ein Wendepunkt der deutschen Geschichte.

Bis dahin war Ungarn vor allem als Reiseland für die Deutschen interessant, in erster Linie der Balaton. Die Westdeutschen bevölkerten wegen der günstigen Preise die Hotels an der Küste des grau-grün schimmernden Plattensees, die DDR-Bürger nahmen mangels harter Währung eher mit Privatunterkünften oder einem Zelt auf dem Campingplatz vorlieb. Gleichermaßen aber begeisterten sich die Deutschen am warmen, flachen Wasser, den idyllischen Stränden und den unzähligen Thermal- und Heilbädern.

Im Jahr 1989 kamen fast 1,3 Millionen Touristen aus der DDR nach Ungarn, aus der BRD fast 1,5 Millionen. »Am Balaton begegneten sich die Deutschen aus Ost und West, sie lernten sich beim Langos-Essen im Strandrestaurant kennen oder beim Palinka in der Zeltplatz-Disco«, erzählt Eva Csaszar. »Auf dem Zeltplatz wurde eigentlich nur Deutsch geredet.«

Die 51-Jährige aus Balatonfüred am Nordufer des Sees, die heute Ferienwohnungen in ihrem eigenen Haus vermietet, arbeitete damals in den Hotels Marina und Annabella. »Oft trafen sich auch Familienmitglieder aus DDR und BRD, die sich sonst durch die Mauer nicht sehen konnten.« In manchen Hotels habe man deshalb im Restaurant von vornherein nur große Tische aufgestellt. Viele DDR-Bürger seien vor allem gekommen, weil man in Ungarn so viel besser einkaufen konnte: Levis-Jeanshosen, bac-Deospray, Fransen-Lederjacken, Pink-Floyd-Platten.

»Dabei hatten es die DDR-Leute schwer mit dem Geldausgeben, weil sie nur wenig DDR-Mark in Forint umtauschen durften. Und am Balaton war alles sehr teuer wegen der Westdeutschen.« Sie selbst habe ab und an ein Auge in Sachen Geld zugedrückt, sagt Eva Csaszar: Wenn manche Leute mit ihrer Zollerklärung täglich zu ihr an die Hotelrezeption kamen, wechselte sie ihnen eben täglich 100 Mark der DDR in Forint, auch wenn die Zollerklärung eigentlich nur einen einmaligen Umtausch gestattete. »Natürlich nur, wenn die Leute höflich waren.«

Ein unter DDR-Touristen legendäres Einkaufsparadies war der Pullovermarkt in Siófok am Südufer des Balaton. Die Mehrzahl der Gäste, die Siófok heute hat, sind Jugendliche. Sie kommen in Gruppen in die Kleinstadt, die seit 145 Jahren ein Kurort ist, nicht um einzukaufen, sondern um zu baden und zu surfen und um ein paar feucht-fröhliche Tage an den Stränden und den Strandbars zu verbringen. Ihre Attraktion in Siófok ist die lärmende Kneipenmeile, die sich parallel zur Strandpromenade hinzieht.

Nach 1990 kamen für ein paar Jahre kaum noch Besucher aus dem Osten Deutschlands, ehe sich die Zahlen Mitte der neunziger Jahre wieder stabilisierten. Doch der Markt ist durch die Billigflieger viel härter umkämpft. 2008 kamen immerhin zwei Millionen Deutsche zum Urlaub nach Ungarn. Viele sind wie einst Stammgäste. Kein Wunder, findet Eva Csaszar: »Die Gastfreundschaft der Ungarn war immer besonders, das wissen die Deutschen. Schon lange.«

  • Ungarisches Tourismusamt Berlin, Wilhelmstraße 61, 10117 Berlin, Telefon: (030) 243 14 60. www.ungarn-tourismus.de
  • Zweimal täglich fliegt die ungarische Fluggesellschaft Malev von Berlin-Tegel nach Budapest. www.malev.com. Telefon: (01805) 36 35 86 (0,14 Euro/min).
  • Memento Park, 1223 Budapest (Stadtteil Süd-Buda), Ecke Balatoni út - Szabadkai utca sarok. www.mementopark.hu.

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