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Auf schwierigem Pfad

CHINA – VOM MITTELALTER ZUM SOZIALISMUS

  • Von Wolfram Adolphi
  • Lesedauer: 3 Min.

Der Nestor der DDR-Chinaforschung zieht am Ende seines achten Lebensjahrzehnts Bilanz. Seit über fünfzig Jahren ist die Analyse der Entwicklung der VR China sein Beruf. Als wissenschaftlicher Aspirant im Peking der 50er Jahre hat Helmut Peters, Jg. 1930, die verheißungsvollen Anfänge der jungen Volksrepublik und als Diplomat vor Ort in den 60ern die »Große proletarische Kulturrevolution« erlebt.

Als Leiter des China-Forschungsbereiches an der Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED in Berlin war er schließlich Zeuge der scharfen chinesisch-sowjetischen Auseinandersetzungen in den 60er und 70er Jahren. Aufmerksam verfolgte er die auf den Tod Mao Zedongs folgenden, von Deng Xiaoping geprägten entscheidenden Umbrüche des Jahres 1978 und schließlich dann vor allem auch das dramatische Frühjahr 1989 mit der Niederschlagung der Studentenbewegung am Tian'anmen. 1990 durch »Abwicklung« so vorzeitig wie demütigend zum Rentner gemacht, setzte er seine Forschungen auf privater Basis fort.

Zum 60. Jahrestag der Gründung der VR China legte er nun eine umfassende Darstellung der Resultate dieses lebenslangen Forschens vor. Als »solidarisch-kritische Begleitung« der Entwicklung der KP Chinas und der Volksrepublik will er sein Buch verstanden wissen, getragen von »Zuneigung« und der Erfahrung, dass »selbst politisch schwere Zeiten« nichts an seiner »Achtung vor dem chinesischen Volk« und dessen »schwer errungenen Erfolgen« haben ändern können. Mit diesem Gestus unternimmt er es, »das Besondere des Transformationsprozesses der chinesischen Gesellschaft zu erkennen«. Er ist dabei immer darauf bedacht, sich der allgegenwärtigen Versuchung, die Dinge durch eine »europäische Brille« zu betrachten, zu entziehen. Dem entspricht auch die Quellen- und Literaturauswahl.

Das Buch beruht vor allem auf der Auswertung von chinesischen Dokumenten und bisher nur in chinesischer Sprache vorliegender Erinnerungs- und Sekundärliteratur. Damit ist ein für deutsche Leserinnen und Leser höchst bemerkenswerter Neuigkeitswert verknüpft – für den allerdings auch der Preis zu zahlen ist, dass eine Auseinandersetzung mit nicht-chinesischen Arbeiten weitgehend ausbleibt. Aber gut, das ultimative »Alles in einem« kann es bei einem Thema wie diesem ohnehin nicht geben.

In vier großen Kapiteln behandelt Peters zunächst übergreifend den »Charakter des chinesischen Transformationsprozesses« insgesamt, setzt sich dann mit der Theorie und Praxis der »Neuen Demokratie« in den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts auseinander, analysiert den »Sprung in den Kommunismus« und dessen Scheitern (1949-1976) und diskutiert schließlich die Alternative der KP Chinas zum missglückten »Sprung« (1977-2008).

Die Fakten- und Zitatenfülle ist enorm, der Einblick in die Richtungsdebatten der Führung der kommunistischen Partei einzigartig. Mit immer wieder eingefügten Abschnitten unter der Überschrift »Erkenntnisse und Probleme« schlägt der Autor eine Art Lehrpfad, der zugleich ein Pfad der Selbstbefragung ist. Peters wähnt sich keineswegs im Besitze ewiger Wahrheiten. Was auch in der Antwort auf die Frage aller Fragen am Schluss des Buches zum Ausdruck kommt.

Die heutige chinesische Gesellschaft, heißt es da, habe weder »bereits sozialistischen Charakter« noch sei sie »eine bürgerliche Gesellschaft im marxistischen Verständnis«. Vielmehr befinde sie sich »in ihrem historischen Transformationsprozess objektiv in einer Etappe, die dem Sozialismus vorausgehen kann«. In ihrer »ökonomischen Basis« beruhe die Gesellschaft »auf einer besonderen Art von Staatskapitalismus«, in ihrem »politischen Überbau« werde sie »von der Macht in den Händen der KP Chinas bestimmt«. Peters resümiert: Die Intensität und Breite der Zusammenarbeit mit dem Kapital und die damit verbundene Frage »Wer – wen?« machen diese »besondere Art des Klassenkampfes« (Lenin) zu einer Gratwanderung.

Helmut Peters: Die Volksrepublik China: Aus dem Mittelalter zum Sozialismus. Auf der Suche nach der Furt. Neue Impulse Verlag, Essen. 580 S., geb., 19,80 €.

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