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INLA beendet bewaffneten Kampf

Irische Untergrundgruppe will friedlich für sozialistische Republik kämpfen

Der Zeitpunkt war geschickt gewählt. Die irische Untergrundorganisation INLA verkündete am Sonntag das Ende ihres bewaffneten Kampfes. Am Montag sagte US-Außenministerin Hillary Clinton in Belfast den Nordiren Washingtons Hilfe bei »Vollendung« ihrer »Reise« zum Frieden zu. Die USA wollten behilflich sein, dass die Nordiren »die langen Jahre der Spaltung und des Konflikts weit hinter sich lassen«, erklärte Clinton vor dem Parlament in Stormont Castle bei Belfast.

Die Irisch-Nationale Befreiungsarmee war eine der größten Abspaltungen der IRA und verfügte über ein marxistisches Programm. Sie verknüpfte nationale Befreiung mit klassenkämpferischen Elementen. Die INLA ließ ihre Erklärung über ihren politischen Arm, die Irish Republican Socialist Party, abgeben. Man sei nach »Beratungen und intensiven Diskussionen zu dem Schluss gekommen, der bewaffnete Kampf ist vorbei«, heißt es unmissverständlich. In Zukunft werde man einzig mit friedlichen Mitteln für die Errichtung einer sozialistischen Republik kämpfen. Die INLA fordere alle Mitglieder und Unterstützer auf, den »politischen Kampf mit gleicher Kraft und gleichem Einsatz zu führen« wie zuvor den bewaffneten Kampf gegen die britische Besatzung im Norden Irlands. Rund 60 Personen hatten sich in der Stadt Bray nahe Dublin zu einer Gedenkfeier für INLA-Gründer Séamus Costello versammelt.

Vertreter der politischen Parteien begrüßten die Entscheidung, bemängelten jedoch, dass sich die INLA nicht konkret zur Entwaffnung äußerte. Gerry Adams, Präsident der irischen Linkspartei Sinn Féin, zeigte sich zurückhaltend. »Mit dem Blick auf die Geschichte der INLA bleibt zweifelsfrei Skepsis. Es ist eine begrüßenswerte Entwicklung, obwohl jetzt die nötigen Aktionen folgen müssen.« Der für Nordirlandfragen zuständige britische Staatssekretär Shaun Woodward forderte die INLA auf, Kontakt mit der Entwaffnungskommission aufzunehmen. Der Geistliche Reverend Harold Good, der die Vernichtung von IRA-Waffen begleitete, bezeichnete das Statement als äußerst gute Meldung. Die Menschen würden jetzt akzeptieren, dass »Gewalt keine Rolle mehr in der irischen Politik« spielen dürfe. Die Kommission hatte die Vernichtung der Waffen- und Sprengstoffdepots der IRA sowie der Ulster Volunteer Force, einer kleineren pro-britische Untergrundorganisation, überwacht.

Gegründet 1974, erreichte die INLA etwa 1979-83 ihren politischen Höhepunkt. Sie tötete einen engen Vertrauten der damaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher sowie mehrere britische Soldaten und Polizisten. Mitte der 80er Jahre starben zahlreiche Mitglieder der INLA bei internen Machtkämpfen und durch gezielte Tötungen der britischen Sicherheitskräfte. Die Gruppierung verlor immer mehr an Bedeutung. Im Zuge des Friedensabkommen von 1998 rief die INLA eine Waffenruhe aus. Bis zuletzt übernahm sie jedoch Verantwortung für mehrere sogenannte Strafaktionen. Tatsächlichen oder vermeintlichen Drogenhändlern wurde dabei in Arme oder Beine geschossen.

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