Werbung

»Giftpott« ankert vor Alang

Größter Schiffsfriedhof der Welt in Indien ist wieder in den Schlagzeilen

  • Von Hilmar König, Delhi
  • Lesedauer: 3 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Vor der Küste des westindischen Unionsstaates Gujarat ankert wieder ein verseuchter Ozeanriese, der in Alang, dem größten Schiffsfriedhof der Welt, abgewrackt und entsorgt werden soll.

Diesmal erregt die Gemüter der Umweltschützer sowie der Regierung in Delhi das einstige Schiff der US-amerikanischen Marine »SS Independence«, das inzwischen mehrmals den Namen gewechselt hat und nun als »Platinum II« registriert ist. Der 207 Meter lange 18 500-Tonner soll mit giftigem PCB-Kunststoff (Polychloriniertes Biphenyl) verseucht sein. In den USA wurden Anfang des Jahres die damaligen Schiffseigentümer mit einer Strafe von 518 000 Dollar belegt, da sie den Giftkahn verhökern wollten. Das ist laut US-Gesetz verboten. In etlichen Industriestaaten stehen PCB-Materialien auf dem Index. Doch mit einem Trick lotsten die Schiffseigner den Pott aus US-Gewässern. Sie gaben an, ihn für kommerzielle Zwecke einzusetzen, verkauften ihn jedoch tatsächlich im Ausland. Er wurde als »SS Oceanic« in dem Pazifikstaat Kiribati registriert und von einer Firma »Platinum Investment Services Ltd. Corporation«, die ihren Sitz im westafrikanischen Liberia hat, erworben. Ihr kaufte das indische Unternehmen »Leela Ship Recyclers Pvt. Ltd.« das inzwischen »Platinum II« getaufte Schiff ab. Klares Ziel war, es in Alang zu zerlegen. Dort existiert ein ganzer Abwrack-Industriezweig.

Bevor die »Platinum II« die gujaratische Küste ansteuern konnte, soll sie Zwischenstation in Dubai gemacht haben, weil zu Hause wohl noch nicht alle Genehmigungsformalitäten erledigt waren. Am 7. Oktober tauchte das Schiff dann vor Alang auf und erhielt nach einer Inspektion seitens der gujaratischen Behörde zur Kontrolle von Umweltverschmutzung (GPCB) die Erlaubnis zum Ankern.

Die GPCB fand außer »einigen gefährlichen chemischen Anstrichen«, die man ohne Probleme entsorgen könne, nichts zu beanstanden. Es gebe kein Material, das die Gesundheit der Abwracker gefährden würde.

Da schlugen die Umweltschützer Alarm. Die Nichtregierungsorganisation Indische Plattform zur Abwrackung (IPOS), eine Koalition aus Umwelt-, Gesundheits-, Arbeits- und Menschenrechtsgruppen, ging mit schockierenden Zahlen an die Öffentlichkeit: Auf der »Platinum II« befänden sich in Anstrichen und Kabeln, Ventilationsdichtungen und Beleuchtungsanlagen ungefähr 212 Tonnen PCB sowie in den Aufbauten 250 Tonnen Asbest. IPOS hatte diese Angaben von einer US-amerikanischen Nichtregierungsorganisation erhalten. Stimmen diese Informationen, dann verstößt der Aufenthalt des Schiffes gegen die Baseler Konvention. Sie verbietet Mitgliedstaaten wie Indien, Giftmüll zu entsorgen, der aus Ländern stammt, die wie die USA die Baseler Konvention nicht unterzeichnet haben. Ganz abgesehen davon, dass es laut »Times of India« in Alang an der Technologie zur umweltverträglichen Entgiftung von PCB mangelt.

Nicht zuletzt deshalb hat sich in der vorigen Woche Umweltminister Jayram Ramesh eingeschaltet und eine Untersuchung verfügt. Das Team dafür wurde am Wochenende gebildet. Bis dessen Erkenntnisse vorliegen, wird der Giftpott nicht auf dem Schiffsfriedhof von Alang festmachen. Im Jahre 2006 musste nach einer heftigen Kontroverse zwischen der einflussreichen Abwracklobby, Umweltschützern und der Regierung um das mit 500 Tonnen Asbest verseuchte einstige französische Kriegsschiff »Clemenceau« der Höchste Gerichtshof Indiens intervenieren. Er ordnete an, die «tickende Umweltbombe« zurück nach Frankreich zu schicken.

ND-Karte: Wolfgang Wegener

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Schenken Sie schon, oder rätseln Sie noch?

Verschenken Sie das »nd«

Klare Worte, Kritische Debatten und mutiger Journalismus von Links: Das »nd« wird Sie bewegen.

Jetzt verschenken oder sich selbst beschenken