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Helfer zuerst – Gesunde zuletzt

Ab Montag wird gegen Schweinegrippe geimpft / »Normalverbraucher« sind in zwei Wochen dran

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Der Arzt muss mixen: Impfstoff und Verstärkerfläschchen
Der Arzt muss mixen: Impfstoff und Verstärkerfläschchen

Der Impfstoff ist da – ab kommenden Montag ist als erstes das sogenannte Helferpersonal dran, wie es Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (LINKE) gestern formulierte: Zum Beispiel Ärzte, Polizisten, Soldaten, Krisenstäbler und Feuerwehrleute sollen vorrangig eine Spritze gegen die mittlerweile in Neue Influenza umgetaufte Schweinegrippe erhalten. Das sind nach Angaben der Gesundheitssenatorin rund 130 000 Berliner.

»Wir gehen nach dem Prinzip vor Helfer zuerst, dann Hilfsbedürftige wie Menschen mit chronischen Krankheiten und zuletzt die Gesunden«, sagte dazu die Infektionsschutzbeauftragte des Landes Berlin, Marlen Suckau. »Normalverbraucher« können nach Auskunft der Medizinerin frühestens in ein bis zwei Wochen von ihrem Hausarzt geimpft werden.

Zuvor müssen die Hausärzte Vereinbarungen mit dem Land Berlin abschließen. Die sind hier allerdings sehr verschnupft. Grund ist das Impfhonorar. Deshalb sei der Vertrag der Krankenkassen mit dem Senat ohne die Kassenärztliche Vereinigung (KV) zustandegekommen, stellte die Gesundheitssenatorin verärgert fest. Die Ärztevertretung habe mehr als das angebotene Honorar von zehn Euro für die saisonale Grippeimpfung sowie die Impfung gegen die Neue Influenza gefordert. Im Gegenzug kritisierte die KV, der Senat wolle den Betrag in Einzelverträgen mit den Ärzten durchsetzen. Die Vereinigung wies auf den hohen Aufwand hin, den die impfenden Ärzte betreiben müssten. »Gerade bei der Impfung wird es gerade bei Risikopatienten einen großen Beratungsaufwand geben«, erklärte Angelika Prehn, KV-Vorstandsvorsitzende und selbst Hausärztin. Eine Impfung dauert inklusive Aufklärung rund zehn Minuten. Außerdem muss der Impfstoff täglich neu gemischt werden.« Laut Prehn müssen mindestens zehn Patienten an einem Tag geimpft werden, damit der Stoff nicht verfällt. »Notfalls müssen Praxen extra Impftage einrichten und dafür zusätzliches Personal ordern«, so Prehn weiter.

Ein Honorar von 5,50 Euro für eine solche Impfung liegt nach Darstellung der KV-Vorsitzenden aber unterhalb der Vergütung beispielsweise für die saisonale Grippeimpfung und könne den hohen Beratungsaufwand keinesfalls decken. Schon aus diesem Grund habe das Ärzteparlament, die Vertreterversammlung der Berliner KV, den Abschluss einer entsprechenden Vereinbarung abgelehnt.

Trotz der Querelen: »Die Aktion findet auf jeden Fall statt«, versicherte die Senatorin. Die ersten 64 000 Impfdosen seien in Berlin eingetroffen. »Jeder, der möchte, soll eine Impfung erhalten«, erklärte Lompscher. In der nächsten Zeit sollen dann wöchentlich rund zwei Millionen Einheiten in den Ländern verteilt werden.

»Bei der Lieferung muss die Kühlkette akribisch eingehalten werden«, erklärte dazu Marlen Suckau. Der Hersteller aus Dresden beliefert die Apotheker, die auf kleinere Einheiten umpacken, das Impfbesteck hinzufügen und den Versand an die Mediziner nach Anforderung per Rezept vorbereiten. Die Ärzte übernehmen die weitere Kühlung. Eine Impfung darf erst am Tag nach der Anlieferung erfolgen, damit die Daten überprüft werden können. Der Hausarzt mischt dann den Impfstoff mit dem Verstärker.

»Hier wird viel Panikmache betrieben«, meinte dazu Christof Schaefer von der Arzneimittelkommission. Der Impfstoff ohne Verstärker sei nicht besser als die für »Normalbürger« vorgesehene Mixtur. »Die Wahl liegt allein beim

Hersteller«, sagte Schaefer. Der Kinderarzt rät auf jeden Fall zu einer Impfung gegen die Neue Influenza.

»Man muss sich immer wieder vor Augen führen, dass man das nicht nur für sich tut, sondern auch die Mitmenschen schützt«, betonte er. Bei schwerwiegenden Folgeerscheinungen nach Impfungen haftet das Land Berlin, betonte die Gesundheitssenatorin. Die Ärzte könnten allein bei falscher Anwendung und mangelhafter Aufklärung verantwortlich gemacht werden.

Der erste Fall von Schweinegrippe in Berlin wurde nach Angaben der Gesundheitssenatorin am 13. Juni dieses Jahres festgestellt, bis heute seien 764 Fälle registriert worden.

www.berlin.de/impfen

Telefonberatung der Gesundheitsämter zur Neuen Influenza:

Charlottenburg-Wilmersdorf: 90 29-166 61

Friedrichshain-Kreuzberg: 902 98-83 67

Lichtenberg: 902 96-4900

Marzahn-Hellersdorf: 902 93-31 00

Mitte: 9018-451 23

Neukölln: 68 09-26 66

Pankow: 902 95-28 69 und 902 95-29 39

Reinickendorf: 902 94-50 30

Spandau: 90279-44 00

Steglitz-Zehlendorf: 902 99-22 33

Tempelhof-Schöneberg: 902 77-71 00

Treptow-Köpenick: 90 297-47 72

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