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Brutus Südwest

Der 43-jährige CDU-Fraktionschef will in die Stuttgarter Staatskanzlei.

Die Bundespresse war überrascht, als es hieß, Südwest-Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) verlasse sein Amt. Im Land wurde dagegen schon tagelang spekuliert, die Quelle hieß Stefan Mappus, Spitzname: Brutus.

In Baden-Württemberg, das die CDU behandelt wie die CSU Bayern, hat es Tradition, dass der Fraktionschef irgendwann am Stuhl des Ministerpräsidenten sägt. Das war zuletzt 2005 so, als der schneidige Oettinger den behäbigen Erwin Teufel verdrängte. Nach wenigen Jahren ist Oettinger nun selbst an der Reihe, und der Zeitpunkt für den Cäsarenmord könnte nicht günstiger sein: Im selbsternannten Musterländle ist die exportfixierte Wirtschaft um zehn Prozent eingebrochen. Bei der Bundestagswahl hat die CDU seit 2002 acht Prozent verloren und liegt nun kaum noch über dem Bundesdurchschnitt.

Ob freilich Mappus, der nicht Oettingers Wahl war als Nummer zwei, die Union in die Erfolgspur zurückführen kann, ist fraglich. Der 43-jährige Pforzheimer, der in Hohenheim Wirtschaft studiert hat und dessen politisch auffälligste Tat bisher der erfolglose Versuch war, einem SPD-Politiker, der ihm Rechtslastigkeit vorgeworfen hatte, gerichtlich den Mund verbieten zu lassen, steht für ein ländlich-konservatives Milieu, das im Südwesten schnell schwindet. In Konstanz, in Tübingen, in Freiburg, gerade da, wo alles noch am rechten Platz scheint, regieren inzwischen die Grünen. Und oft genug ist die FDP deren Hauptkonkurrentin – wie zuletzt bei der OB-Wahl in Mühlacker, wo Mappus selbst jahrelang zur Schule ging.

Boris Palmer, der smarte Grünen-OB von Tübingen, liegt womöglich richtig mit seinem Kalkül, Mappus an der Macht werde die Grünen stärken, auch außerhalb der Städte. Stuttgart war einst die erste Landeshauptstadt, in der mit Schwarz-Grün gespielt wurde. Sollte die aufgeblasene FDP in den anderthalb Jahren bis zur Landtagswahl einbrechen, könnte am Neckar gar eine Jamaika-Koalition nötig werden. Eine wie auch immer geartete Kooperation mit den Grünen aber ist unter Stefan Mappus kaum vorstellbar. Es ist also nicht auszuschließen, dass er sich seines Dolchstoßes nicht lange freuen können wird. Dem historischen Brutus ist es ja auch nicht so gut ergangen. Velten Schäfer

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