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Biosprit-Boom bedroht Erdklima

Studie: Indirekte Folgen des Energiepflanzen-Anbaus ignoriert

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Biokraftstoffe galten lange als klimaneutrale Alternative zu fossilen Brennstoffen, weil beim Verbrennen nur so viel CO2 entweicht, wie beim Wachstum aus der Luft aufgenommen wurde. Doch dabei habe man Nebenwirkungen des Energiepflanzenanbaus unterschlagen, sagt eine neue Studie.

Der zunehmende Anbau von Biokraftstoffen droht die Erdatmosphäre massiv mit Treibhausgasen zu belasten, das jedenfalls sagt eine im Fachjournal »Science« veröffentlichte Studie (online, DOI: 10.1126/science.1180251). »Der Fehler ist zwar gravierend, aber korrigierbar«, sagt Timothy Searchinger von der Universität Princeton, Koautor eines Begleittextes im gleichen Blatt (Bd. 326, S. 527).

Mit der Verknappung fossiler Brennstoffe wird der Druck zur Nutzung von Energiepflanzen massiv steigen. Zum Ende des Jahrhunderts, so prognostizieren Forscher um Jerry Melillo vom Marine Biological Laboratory Woods Hole (US-Bundesstaat Massachusetts), werde die Anbaufläche für Biokraftstoffe größer sein als für Lebensmittel.

Die Wissenschaftler berechnen detailliert, wie sich der Boom von Biokraftstoffen in diesem Jahrhundert auf die Emissionen von Treibhausgasen auswirken wird. Dabei berücksichtigen sie nicht nur den direkten Anbau der Energiepflanzen, sondern auch indirekte Folgen – etwa wenn der Lebensmittelanbau auf Flächen verdrängt wird, die eigens dafür abgeholzt werden. Gerade bei der Rodung von Wäldern kommt sehr viel Kohlendioxid in die Erdatmosphäre. Durch diese Verdrängung könne doppelt so viel Kohlenstoff freigesetzt werden wie beim Anbau der Energiepflanzen selbst, betonen die Forscher. »Große Treibhausgas-Emissionen durch diese indirekten Veränderungen der Landnutzung sind unabsichtliche Konsequenzen eines weltweiten Biokraftstoff-Programms«, warnt Melillo. »Wenn Wälder oder andere Pflanzen für Bioenergie geerntet werden, muss der dabei frei werdende Kohlenstoff auch als Emission berechnet werden. Geschieht das nicht, wird der Einsatz von Bioenergie das Treibhausgas-Problem eher verschärfen als lösen.«

Ein noch größeres Problem birgt die zunehmende Stickstoffdüngung. Das dabei entstehende Treibhausgas Distickstoffoxid (N2O) werde bis zum Ende des Jahrhunderts die Erdatmosphäre stärker belasten als CO2. Und mehr als die Hälfte der N2O-Emissionen wird den Forschern zufolge aus dem Anbau von Energiepflanzen stammen.

»Eine globale Politik zu Treibhausgas-Emissionen, die die Wälder schützt und die beste Anwendung von Stickstoffdünger fördert, kann die mit dem Biokraftstoff-Anbau verbundenen Emissionen drastisch senken«, schreiben die Forscher. Sollte diese Korrektur ausbleiben, malt Searchinger ein düsteres Bild: Dann könnte es sich für Unternehmen oder Staaten lohnen, große Waldflächen abzuholzen.

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