Unsere Frauen

  • Von Mathias Wedel
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

Wo man hinguckt, erhebt die Hausfrau keck ihr zumeist schönes Haupt. Damen, die an der Flasche hängen und ihre sechs Kinder längst der Behörde gewidmet haben, geben nicht mehr »Gewohnheitstrinkerin« als Profession an, sondern Hausfrau. Straßenarbeiterinnen, die in traditioneller Berufsbekleidung die Nachtschicht auf dem Bordstein verbringen, nennen sich »Hausfrau mit geringfügigem Zuverdienst« und haben immer ein kleines Strickzeug im Tanga. Und Mädchen, die in der 8. Klasse ihr großes Aha-Erlebnis hatten – »Aha, die Schule findet auch ohne mich statt!« – lassen sich von ihren verdutzten Müttern zeigen, wie man Wasser kocht. In meiner Gemeinde drängen Hausfrauen an die Macht. Musste man bisher Handwerksmeister, Wirt oder Bootsstegbesitzer sein, um in den Gemeinderat zu kommen, so genießen heute Hausfrauen das höchste Sozialprestige: Die wissen, wie man eine Hose ändert, wie man Sellerie im Garten anbaut, wie man aus zwei ge...


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