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Zuviel Harmonie ist ungesund

Jessica Schwarz über ihre Rolle als als Romy Schneider

* Die frühere Viva-Moderatorin Jessica Schwarz spielt die Rolle ihres Lebens: die der Schauspielerin Romy Schneider. Zu sehen ist »Romy« heute um 20.15 Uhr im Ersten
* Die frühere Viva-Moderatorin Jessica Schwarz spielt die Rolle ihres Lebens: die der Schauspielerin Romy Schneider. Zu sehen ist »Romy« heute um 20.15 Uhr im Ersten

ND: Frau Schwarz, wird man als Schauspielerin von einer Rolle wie Romy Schneider nicht förmlich erdrückt?
Schwarz: Schon, deshalb muss man dahinter erkennbar bleiben.

Statt wie sonst hinter der Rolle zu verschwinden.
Genau. Bei so einer Figur hat man von Medienberichten über Tagebucheinträge und Bildbände bis hin zu Zeitzeugen einen Wust an Informationen, aus dem man die Schauspielerin, die ich schon früh als Vorbild hatte, auf ein filmverträgliches Maß reduzieren muss. Das lässt sich am Ehesten über die eigene Persönlichkeit bewerkstelligen. Gerade weil ich ein Jahr nichts anderes getan habe, als mir ihre Stimme anzueignen, musste ich meinem Leben dahinter Geltung verschaffen.

Haben Sie da Parallelen zwischen sich und ihr entdeckt?
Wir haben keine lineare Ausbildung genossen, ohne Schauspielschule, das technische Equipment zur Annäherung an eine Rolle. Deshalb müssen wir vieles spüren. Und wenn man dann noch wie ich aus einem Unterhaltungsbereich wie dem Sender Viva kommt, wegen dem man einem handwerklich nicht viel zutraut, muss man härter als andere kämpfen, um ernstgenommen zu werden. Zudem ähnelte ich Romy während der Dreharbeiten auch optisch. Dieser kleine spitze Haaransatz in der hohen Stirn, ihre Löwennase, die Brauen – alles an mir wurde Romy. Das Visuelle hat es mir enorm erleichtert, in sie hineinzugehen.

Konnten Sie abends auch leicht hinaustreten?
Nein, die haftet eine Weile. Nach den Dreharbeiten wollte ich deshalb alles in eine große Tonne werfen, aber das ist mir nicht sonderlich gut gelungen. Ich hatte während des Drehens mal einen allergischen Ausschlag. Als ich viel später mit dem Regisseur meines nächsten Filmes über Romy sprach, kam er wieder. Ich habe sie körperlich verinnerlicht.

Das ist viel Nähe. Gibt es etwas, das Sie an dieser vergötterten Figur ablehnen?
Manchmal hätte ich mir gewünscht, ihr Harmoniebedürfnis zugunsten eigener Wünsche und Vorstellungen zurückzustellen. Zu viel zu gute Stimmung kann auf Dauer nicht gesund sein. Sie hätte öfter mal Nein sagen sollen. Einem so vorurteilsfreien, offenen Menschen, darin sind wir uns ähnlich, hätte ich mehr Durchsetzungsvermögen gewünscht.

Auch gegenüber der Klatschpresse, an der sie letztlich zerbrochen ist.
Zerbrochen wäre sie früher oder später an ihrer Naivität. Gerade weil sie die Türen schon zu einer Zeit aufgemacht hat, als das noch gar nicht üblich war, weil sie die Presse so nah an sich herangelassen hat, wie vor ihr vielleicht kein anderer, musste sie irgendwann entdecken, dass sie selbst etwas falsch gemacht hat im Leben.

Empfinden Sie Mitleid mit ihr?
Eher Anteilnahme, denn sie hat das Leben bei all der Schwere unglaublich genossen. Ich habe mit Leuten geredet, die davon berichtet haben, wie ehrlich, herzerfrischend, ansteckend, echt ihr Lachen war. Es gab zu viele glückliche Momente für Mitleid, aber es stimmt mich noch heute traurig, dass sie so früh gehen musste, weil sie noch so viel zu geben hatte. Spätestens, als sie das Bild ihres toten Sohnes auf den Titelseiten sah, hat sie ihre Mitverantwortung erkannt. Daran ist sie doppelt zerbrochen.

Ist der Film, so gesehen, eine Medienkritik? Die wichtigste Nebenrolle spielen ja die vielen Paparazzi.
Natürlich. Und ich bin sehr dankbar, noch nicht von denen dauerbelagert zu werden. Gerade wenn man sieht, was in Amerika passiert, wo viele Kollegen deswegen schon früh ausgelaugt in die Reha-Klinik müssen. Über die öffentliche Suche nach Fehlern Prominenter vergisst man oft, dass es sich hier um Menschen handelt. Da wird man schnell zur Gejagten, was nicht nur für labile Personen gefährlich wird.

Sie sind nicht gefährdet?
Ich werde auf Veranstaltungen fotografiert, aber vor meinem Haus sitzt noch niemand. Vielleicht auch, weil mein Privatleben nicht allzu spannend ist und ich es gut genug schützen konnte. Außerdem bin ich dem großen Publikum noch nicht so bekannt, kann ich mich also frei auf der Straße bewegen, ohne ständig angeguckt zu werden. Das genieße ich sehr.

Wenn Sie jetzt zurückblicken – können Sie nach dieser Rolle noch Sissi-Filme sehen?
Nicht mehr so einfach wie früher, weil ich die große Lüge, die damit in Zusammenhang steht – sowohl auf Sissi als auch Romy bezogen – nicht mehr einfach so verdrängen kann. Selbst Romys eigener Versuch, diesen Abschnitt ihrer Karriere filmisch ins rechte Licht zu rücken, ist ja gescheitert. Mir ist jetzt klarer, warum sie die angebotene eine Million Mark für einen vierten Teil nicht angenommen hat. Interview: Jan Freitag

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