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Am Kaisersockel auf dem Schlossplatz
Am Kaisersockel auf dem Schlossplatz

Günter Nooke in seiner Funktion als Beauftragter der Bundesregierung für menschenrechte möchte gern ein Freudenmal. Es soll an die erregenden Wochen unmittelbar vor dem Mauerfall, die Jubelstimmung danach und die vor 20 Jahren noch ziemlich umstrittene, heute aber umso mehr gefeierte deutsche Einheit erinnern. Ein schöner Gedanke. – Einer unter vielen. – Dass die 1998 von Nooke, dem letzten DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizière, dem früheren ARD-Hauptstadtstudio-Leiter Jürgen Engert und dem einstigen Chef des Bundesamtes für Raumordnung, Florian Mausbach gestartete Initiative, die wegen der parallel stattfindenden Debatte um das Holocaustmahnmal zwischenzeitlich auf Eis gelegt war, in diesem Sommer ziemlich kläglich gescheitert ist, ficht Nooke wenig an. »Ich weiß, dass das Denkmal gebaut werden wird. Ich weiß nur nicht, wann«, sagte er während einer Podiumsdiskussion in der Galerie am Gendarmenmarkt in Berlin.

Die Galerie beherbergt zur Zeit eine Ausstellung des Bremer Bildhauers Waldemar Otto, der sich als einer von insgesamt 540 Teilnehmern am im Sommer abgebrochenen Wettbewerb beteiligt hatte. Otto hat seine Idee mit einem Triumphbogen, der in zwei mit narrativen Reliefs bedeckten Sockeln ausläuft, weiter bearbeitet. Figuren von einzelnen Demonstranten sind nur herausgelöst. Inmitten dieser schwankenden Plastiken gab Nooke zu, von der geringen Resonanz der Bevölkerung nachdenklich gestimmt worden zu sein. »Im Kreise von Politikern hatten wir viele positive Reaktionen. Aber schon bei manchen Künstlern und Architekten, die mit dem Wettbewerb zu tun hatten, waren Vorbehalte zu spüren«, sagte er. Deshalb hält Nooke den Abbruch des Wettbewerbs, der im Sommer für viel Häme gesorgt hatte, auch nicht für tragisch, sondern für einen Ausdruck der realen Verhältnisse.

Nooke will weiter eine Diskussion um dieses Denkmal führen. Er darf sich dabei trotz der Pleite sogar auf der sicheren Seite fühlen: Der Bundestag hält an dem Entschluss, auf dem Sockel des früheren Reiterstandbildes von Kaiser Wilhelm I. solch ein Denkmal zu errichten, fest. Andreas Apelt von der Deutschen Gesellschaft, die dieses Projekt federführend betreut, gab als neue Zielmarkierung für einen erfolgreichen Wettbewerb das 20. Jubiläum der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2010 aus. Ein ehrgeiziger, sicher zu ehrgeiziger Zeitplan.

Die Debatte in der Galerie am Gendarmenmarkt machte einmal mehr die Probleme dieses Projekts deutlich. Die frühere grüne Bundestagsabgeordnete Franziska Eichstädt-Bohlig kritisierte den Standort. Der Kaisersockel sei kein authentischer Ort der 89er Revolution. »Wer die Ereignisse von 1989 feiern will, geht zum Brandenburger Tor, zur Bornholmer Straße und zu anderen historischen Ereignisorten«, meinte sie – und erhielt mit ihrer Standortkritik den lebhaftesten Beifall des Abends. Nooke lehnt allerdings einen Ort in der Nähe der ehemaligen Grenzbefestigung mit dem Argument ab, dann könne man nicht nur feiern, sondern müsste auch der Mauertoten gedenken. Am Platz auf der Schlossfreiheit, einstmals die Loge der Stadt Berlin, will er festhalten.

Anmerkung aus dem Publikum: Ein Denkmal als ein räumliches Gebilde müsse ja in Beziehung zu seiner Umgebung treten. Diese aber – das Schloss vielleicht – muss allerdings erst errichtet werden. Abwarten also mit der Installierung eines Denkmals!

Der Kunsthistoriker Helmut Börsch-Supan gab bei einer kurzen Analyse des Wettbewerbsvorschlags vom Waldemar Otto einen Vorgeschmack auf die Debatten, die der kaiserlich geprägte Ort auslösen dürfte. Ottos Bogen würde sich in Sichtachse mit dem Schlossportal befinden, das seinerseits einen Triumphbogen für die Hohenzollern-Feldzüge enthalte und von der Kuppel der einstigen Schlosskapelle gekrönt sei. In Zukunft werde man in diesem ehemals sakralen Raum wohl Kaffee trinken, vermutete Börsch-Supan ironisch.

Auf Kritik des Publikums stieß auch die Verbindung der beiden nicht so leicht zu harmonisierenden und erst recht nicht leicht darstellbaren Elemente Freiheit und Einheit. Der Verlauf der Diskussion legt den Gedanken nahe, sowohl beim Schloss als auch bei der ihm vorgelagerten Denkmalsgestaltung erst dann zur Tat zu schreiten, wenn eine überzeugende Idee für den Inhalt gefunden ist. Das dürfte bei beiden Projekten die Suche nach der geeigneten Form erleichtern.

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