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Affinität zu Golf und Galabällen

Freie Universität feiert mit ihrem »Absolventenball« sich selbst und investitionsbereite Graduierte

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Für den Samstag lädt die Freie Universität Berlin (FU) erstmals seit 2001 zu einem »Absolventenball« ein. Über 4000 Menschen, die in diesem Jahr einen FU-Abschluss gemacht haben, erhielten dafür Mitte Oktober eine aufwendig gestaltete Einladung.

In sehr vielen Fällen dürfte das Schreiben aber sofort in den Müll gewandert oder zur WG-Belustigung an eine Wand gehängt worden sein. Als Eintrittspreis wurden nämlich 75 Euro angegeben. Zwar sind Essen und sogar Getränke im Preis inbegriffen – aber für diese Summe essen und trinken viele Studierende Wochenlang.

Telefonischer Selbstversuch bei der mit ausrichtenden Ernst-Reuter-Gesellschaft der Freunde, Förderer und Ehemaligen der Freien Universität Berlin e.V. (ERG), die laut Selbstdarstellung FU-Studierende bei »Forschungs- und Studienaufenthalten an Partneruniversitäten« sowie herausragende Dissertationen finanziell fördert und auch sonst sehr um die FU bemüht ist: Ich habe dieses Jahr mein FU-Studium beendet, aber noch keine lukrative Stelle gefunden – krieg ich ein zweckgebundenes Mini-Stipendium für den Ballabend? Die ERG-Geschäftsstelle, die unter der gleichen Adresse wie das FU-Präsidium firmiert und eine FU-Telefonnummer hat, muss sich von mir den Eintrittspreis sagen lassen. Ein ermäßigter Preis? Das sei eine berechtigte Frage, doch da die ERG nicht selbst mitorganisiere, werde ich an die zuständige Person im FU-Präsidium verwiesen. »Ich denke mal, die Ernst-Reuter-Gesellschaft wird da nichts dazugeben«, so die endgültige Aussage.

Weiter zu Franca Brand, im Präsidium mit der Organisation des Balles betraut. Nein, es handele sich um einen Einheitspreis. Allerdings gebe es eine neue Sponsorenzusage, so dass der Preis nun auf 50 Euro gesenkt werde (Die Korrektur ging den Eingeladenen dann auch umgehend zu). Die Beschwerde des wenig betuchten Absolventen versteht Brand völlig: »Auch ich hatte Bedenken.« Aber: »Der Ball muss sich auch finanzieren.« Und Speis und Trank seien ja inclusive.

Dass sich ein Ball im neuen Vier-Sterne-»CampusHotel« auf dem FU-Gelände, das von einer auf Wissenschaftskonferenzen spezialisierten Hotelkette geführt wird, nur durch sehr teure Eintrittsgelder finanziert, ist klar, Sponsoren hin oder her. Wenn das die Organisierenden nicht stört – bedeutet das, dass die Veranstaltung sowieso nur für Karrierebewusste bestimmt ist, die gewisse Investitionen nicht scheuen? Soll vielleicht eine grob bestimmbare Gruppe unter sich bleiben und Netzwerke bilden?

Diese Unterstellung kommentiert die FU-Pressestelle nur lapidar: »Da die Freie Universität hierfür keine Mittel ausgeben darf, muss der Eintrittspreis kostendeckend sein.«

Auf die entsprechende Frage heißt es zwar weiter, die Gewinnung von registrierten »Alumni« (vulgo: Ehemaligen) für die ERG spiele keine Rolle bei der Veranstaltung. Warum allerdings gibt dann die ERG, die doch erklärtermaßen nicht mitorganisiert, ihren Namen her?

Vielmehr passt dieser Gala-Ball zu der Image-Kampagne, die FU und ERG mittels verschiedener Alumni-Aktivitäten im In- und Ausland fahren. So gab es im September das erste FU-Alumni-Golfturnier, das jährlich wiederholt werden soll. Der Grundgedanke: Graduierte sollen auch nach dem Studium an die Uni gebunden werden, um Werbung für sie zu machen. Sie selbst profitieren von dem sich ergebenden Netzwerk. Das klappt natürlich nur dann, wenn zumindest einige von ihnen einen gewissen sozialen Status oder gar Prominenz erreicht haben.

Für Ronny Mattes vom Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der FU ist klar: »Die FU tut zwar so, als ob sie alle einlädt, aber hier soll eine Auswahl getroffen werden. Gewünscht ist der Kontakt zu Leuten, die eine Affinität zum Golfen und zu Galabällen haben.«

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