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  • Frauen-Geschichte(n)

Mathilde Anneke

  • Von Martin Stolzenau
  • Lesedauer: 2 Min.

Sie war 1,80 Meter groß, sehr hübsch und sehr gebildet. Dieses Bild ist von Mathilde Franziska Anneke überliefert, die als Aktivistin des Vormärz und der 48er Revolution in Deutschland sowie Frauenrechtlerin und Kämpferin gegen die Sklaverei im US-Exil Aufsehen erregte.

Die ungewöhnliche Frau wurde 1817 als Mathilde Franziska Giesler auf dem elterlichen Gut Oberleveringhausen (Hiddinghausen), das heute zu Sprockhövel gehört, nahe Hattingen an der Ruhr geboren. Sie war die älteste Tochter von 12 Kindern eines wohlhabenden Guts- und Bergwerksbesitzer, der seinen Kindern eine vielseitige Bildung ermöglichte – bis er in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Da kam der Antrag des reichen Mühlheimer Weinhändlers Alfred Philipp Ferdinand von Tambouillet um Mathilde Franziska gerade recht. Die 1836 geschlossene Vernunftehe hielt nur ein Jahr. Der Scheidungsprozess dauerte Jahre.

Ab 1841 mit ihrem Kind in Münster lebend, gehörte sie zum Freundeskreis um Annette von Droste-Hülshoff und griff selbst zur Feder, veröffentlichte einen Gedichtband sowie ein Künstlerdrama. Schließlich lernte sie den preußischen Artillerieleutnant Fritz Anneke kennen, einen Offizier, der wegen der Verweigerung eines Duells und progressiver Vormärzansichten den Dienst hatte quittieren müssen. Das Paar hatte Kontakte zu Karl Marx, Friedrich Engels, Ferdinand Lassalle, Georg Herwegh sowie zu Moses Hess und gründete im Sommer 1848 die progressive »Neue Kölnische Zeitung«, die für die Revolution sowie mehr Frauenrechte agitierte und daher dann verboten wurde. Fritz Anneke wurde verhaftet und gerichtlich freigesprochen. Während der Reichsverfassungskämpfe in der Pfalz sowie in Baden befehligte er die Artillerie der Volkswehr; seine Frau stand ihm als Ordonnanz zur Seite.

Nach der Niederlage der Revolution flohen beide mit ihren Kindern in die USA, wo die Westfalin in Artikeln für das Stimmrecht für Frauen warb und ab 1852 die erste »Deutsche Frauenzeitung« herausgab sowie eine progressive Mädchenerziehungsanstalt gründete. Sie starb am 25. November 1884 in Milwaukee. In deutschen Städten sind Straßen nach ihr benannt. Im Kölner Rathausturm erinnert eine Skulptur sie.

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