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Kein Liebling Kochs

ZDF-Verwaltungsrat bestellt Peter Frey zu neuem Chefredakteur

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Peter Frey ist nicht der Mann von Roland Koch (CDU), und die Folgen der personellen Querelen an der Spitze des ZDF können durchaus nicht im Sinne des hessischen Ministerpräsidenten sein, der als Vize-Verwaltungsratschef des Mainzer Senders fungiert. Medien-Experten fragen sich daher, was der CDU-Politiker und der von ihm geführte »Schwarze Block« mit der seit Monaten andauernden Blockadepolitik in den Aufsichtsgremien des Senders erreicht haben.

Der am Donnerstag vom Verwaltungsrat einstimmig zum Chefredakteur gewählte Peter Frey (52) ist ein ebenso unabhängiger und nicht immer bequemer Geist wie sein Vorgänger Nikolaus Brender, dessen Vertrag auf Betreiben vor allem Kochs nicht über den April nächsten Jahres hinaus verlängert wurde. Frey kommt allerdings leiser daher, bringt aber seine Meinung ebenso deutlich und klar zum Ausdruck wie der poltrige Brender. Der zielstrebige Frey hat eine exzellente Laufbahn hinter sich und kennt die Interna des Senders in und auswendig.

In den vergangenen Jahren leitete Frey das Berliner ZDF-Büro nicht vom bequemen Redaktionssessel aus – bei wichtigen Entscheidungen ging er bei Wind und Wetter mit dem Mikrofon in der Hand vor Ort, um den Zuschauer zu informieren und das aktuelle Geschehen kritisch zu analysieren. Bei aller Fairness und Sachlichkeit konnte Frey aber auch zugespitzt reagieren; als Beispiel hierfür wird immer wieder das Sommerinterview mit Oskar Lafontaine angeführt, das von beiden Seiten mit harten Bandagen geführt wurde.

Es ist kein Geheimnis, dass der Journalist nicht die Wunschlösung der rechten politischen Kaste ist; vor allem im Kanzleramt wurde seine Tätigkeit mit Argusaugen beobachtet. Warum also Frey, und warum halten sich Koch und seine Mitstreiter in diesem Fall so bedeckt? Es ist nicht ausgeschlossen, dass Koch, Stoiber und Co. ihr Pulver vorerst verschossen haben, denn die Einsicht, bei den Attacken gegen Brender über das Ziel hinausgeschossen zu sein, ist bei den hartgesottenen Politikern wohl nicht zu erwarten.

Dass im Gefolge des heftigen Streits um den Einfluss der Politik auf die Personalgestaltung nun auch die SPD das Bundesverfassungsgericht zur Klärung anrufen will, kann ebenfalls nicht im Sinne der Unionsleute im ZDF-Verwaltungsrat sein. Denn am Ende könnte die politische Macht in den entscheidenden Gremien schwinden – was vor allem renommierte Medienrechtler schon seit langem fordern.

Kurt Beck, der rheinland-pfälzische Regierungschef und Vorsitzende des ZDF-Verwaltungsrates, hat jetzt Klartext geredet: Gelingt es den SPD-geführten Ländern nicht, bei allen 16 Bundesländern eine Reform der ZDF-Gremien durchzusetzen, die den Einfluss des Staates auf den Sender reduzieren würde, dann will die SPD vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Eine entsprechende Empfehlung hat auch die Medienkommission der SPD dem Parteivorstand ausgesprochen. Ein überfälliger Schritt, den zu gehen der Mainzer Medienrechtler und Koch-Kritiker Dieter Dörr schon lange fordert. Und der einzige Weg, um dem Sender auf dem Lerchenberg journalistische Unabhängigkeit fern ab aller politischen Ranküne zu garantieren.

Frey ist seit 1983 beim ZDF und legte beim Sender eine steile Karriere hin, nachdem er zuvor in Mainz und Madrid Politik, Pädagogik und Spanisch studiert hatte. Für das »heute journal« berichtete er aus Mexiko, Spanien und Nicaragua, und von 1988 bis 1990 war er persönlicher Referent des damaligen Chefredakteurs Klaus Bresser unter anderem zuständig für die Interview-Reihe »Was nun...»? Die Abläufe in der Chefredaktion sind Frey also bekannt, was seine Wahl nur begünstigen konnte.

Nach seiner Tätigkeit für Bresser wurde Frey als Korrespondent nach Washington geschickt, von wo aus er über den Golfkrieg berichtete. Zu den wichtigen Stationen im ZDF, die der neue Chefredakteur durchlaufen hat, gehörte anschließend die Leitung des »morgenmagazins« und als Leiter der Hauptredaktion Außenpolitik die Moderation des »auslandjournals«. Seit 2001 ist er für das Hauptstadtstudio des ZDF in Berlin zuständig.

Frey steht für einen guten Mix aus Managementerfahrung und journalistischer Tätigkeit. Von Kollegen gelobt wird seine, ganz im Gegenteil zu seinem Vorgänger Brender, ausgleichende Art. Eine wichtige Eigenschaft für einen Chefredakteur an so prominenter Stelle, die Intendant Markus Schächter an Frey schätzt.

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