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Kosmetische Flussverbesserungen

Bundesländer an der Elbe wollen etwas weniger Nährstoff ins Wasser lassen

  • Von Benjamin Haerdle
  • Lesedauer: 3 Min.
Europas Fließgewässer sollen bis 2015 in einem guten Zustand sein – das heißt möglichst schadstofffrei, mit nur wenigen Wehren und mit naturnahen Ufern ausgestattet. So will es die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), die im Jahr 2000 in Kraft trat.

Die Umwelt- und Agrarminister aus zehn Bundesländern haben endlich, wie von Brüssel gefordert, einen Bewirtschaftungsplan für die Elbe vorgelegt. Die Maßnahmen sollen den mit mehr als 720 Kilometern zweitlängsten Fluss Deutschlands und seine Zuflüsse in dem 97 000 Quadratkilometer großen Einzugsgebiet ökologisch fit machen.

Mit dem auf der Elbe-Ministerkonferenz verabschiedeten Plan, der Ende März kommenden Jahres der EU-Kommission vorgestellt wird, wollen die Länder vor allem den Nährstoffeintrag reduzieren. So soll bis zum Jahr 2017 der Eintrag von Stickstoff im Vergleich zum Jahr 2006 um fünf Prozent, der von Phosphor um sieben Prozent gesenkt werden. Bis zum Jahr 2027 visieren die Minister ein weiteres Nährstoff-Minus von 24 Prozent an.

Für den Landesgeschäftsführer des BUND Hamburg, Manfred Braasch, ist die von den Ministern vereinbarte Reduktion von Stickstoff und Phosphor nur ein »schlechter Witz«. Über die Elbe gelangten schon jetzt 25 Prozent aller Nährstoffe in die Nordsee und beschleunigten dort das Algenwachstum. Den Hauptschuldigen für den »faulen Minimalkonsens« (Braasch) sieht der BUND im niedersächsischen Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP). »Während andere Bundesländer respektable Einzelbeiträge liefern, will Sander seine Landwirte und vor allem die industrielle Tierhaltung schonen«, erklärt Heiner Baumgarten vom BUND Niedersachsen.

Ungenügend seien auch die Pläne, die Elbe und ihre Zuflüsse für Wanderfische wie Lachs und Stör passierbarer zu machen. Zwar sei das Konzept zur Herstellung der biologischen Durchgängigkeit in den überregionalen Vorranggewässern zu begrüßen, lobt das Ökonetzwerk Grüne Liga. Für Tobias Schäfer, den Wasserexperten der Organisation, gehen die Maßnahmen aber nicht weit genug: »Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, schließlich zählt das Einzugsgebiet der Elbe mehr als 11 000 Querbauwerke«. Ernüchternd ist laut Schäfer zudem, wenn auf nur 14 Prozent der Fließgewässerstrecke bis 2015 der gute Zustand erreicht und auf 86 Prozent Fristverlängerungen womöglich bis ins Jahr 2027 in Anspruch genommen werden sollen.

Auch in Sachsen, wo sich die Elbe auf 179 Kilometer Länge erstreckt, hält man von den Plänen wenig: »Wenn die Maßnahmen des Bewirtschaftungsplanes so umgesetzt werden, werden 2015 nur 16 Prozent der Gewässer einen guten ökologischen Zustand haben«, moniert Johannes Lichdi, naturschutzpolitischer Sprecher der sächsischen Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen.

Der sächsische CDU-Umweltminister Frank Kupfer hatte erst Ende November angekündigt, bis zum Jahr 2013 insgesamt 651 Millionen Euro für eine saubere Elbe investieren zu wollen.

Lexikon - Stickstoff

Das Element mit der Ordnungszahl 7 ist unter irdischen Bedingungen normalerweise gasförmig, es wird erst bei –195,8 °C flüssig. Die Erdatmosphäre besteht zu reichlich drei Vierteln aus Stickstoff. Als wichtiger Bestandteil aller Aminosäuren ist das Element essenziell für alle Lebewesen. Während einige Bakterien den Luftstickstoff direkt aufnehmen können, verwerten Algen und Pflanzen anorganische Stickstoffverbindungen (Ammoniumsalze und Nitrate), etwa aus der Zersetzung von Fäkalien. Das Haber-Bosch-Verfahren erlaubt die Synthetisierung aus Luftstickstoff.

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