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Sprachenstreit entzweit Finnland

Verwaltungsreform drängt das Schwedische ins Abseits

  • Von Gregor Putensen
  • Lesedauer: 3 Min.
In Finnland wird derzeit ein Streit geführt, dessen zugespitzte Austragung für das Land ungewöhnlich ist. Vor dem Hintergrund massiver Rationalisierungsbestrebungen auf regionaler Verwaltungsebene, die vor allem mit finanziellen Kürzungsplänen verbunden sind, hat sich ein heftiger Konflikt um den Stellenwert der Finnland-schwedischen Sprache entwickelt.

Finnland-Schwedisch ist ein Resultat der Großmachtzeit Schwedens, zu dem dereinst auch der größte Teil des heutigen Finnland gehörte. Finnland-Schwedisch, von knapp 300 000 Menschen (5,6 Prozent der finnischen Gesamtbevölkerung) als Erstsprache genutzt, erlangte 1919, zwei Jahre nach Erringung der staatlichen Unabhängigkeit, den Status einer neben dem Finnischen gleichberechtigten Nationalsprache. Diese gegenüber anderen nationalen Minderheitssprachen herausgehobene Rolle sicherte seither ein eigenes schwedischsprachiges Bildungswesen und zugleich eine umfassende kulturelle Autonomie.

Das Finnland-schwedische Schulsystem hat sich bisher weitgehend bewährt. Dies wurde u. a. auch mehrfach durch die herausragenden Ergebnisse Finnlands im Rahmen der internationalen PISA-Tests untermauert. Dennoch zeigen sich nicht nur Bildungspolitiker und –fachleute zunehmend beunruhigt. Obwohl die arbeitsplatzbedingte Emigration der 60er und 70er Jahre vor allem schwedisch-sprachiger Finnen nach Schweden längst gestoppt und kompensiert worden ist, gilt die Besorgnis sicherlich nicht ganz grundlos der Erosion der Rolle des Schwedischen als identitätsschaffender Faktor. Man sieht ihn durch eine wachsende Tendenz zur Bilingualität in Frage gestellt. Sowohl die privaten als auch gesellschaftlichen Kontakte und Beziehungen (Familie, Heirat, Arbeit, Institutionen u.s.w.) führen dazu – so entsprechende Forschungen – dass zweisprachige Institutionen über kurz oder lang zur Einsprachigkeit neigen. Verstärkt wird dieser Trend auch durch den an den Hochschulen spürbaren Rückgang solider Schwedisch-Sprachkenntnisse. Die akademische Jugend wendet sich statt einer obligatorischen zweiten Nationalsprache lieber der Perfektionierung ihrer Englischkenntnisse zu.

Nicht zuletzt sorgt die angelaufene Gebiets- und Verwaltungsreform, welche die bisherige Länderstruktur in größeren Territorialeinheiten mit erhöhter Bevölkerungszahl auflösen soll, vor allem in der Finnland-schwedischen Bevölkerung für Unruhe. Wechselseitige Beschuldigungen und Vorwürfe erschweren es den Parteien, den Konflikt in unaufgeregtere Bahnen zu bringen. Zumal mit der bürgerlich orientierten Schwedischen Volkspartei auch eine Regierungspartei sich dazu genötigt sieht, die Interessen der schwedischsprachigen Bevölkerung gegenüber den Politikern der Zentrumspartei und Konservativen zu vertreten. Im Kreise der letzteren werden gegenüber den Vertretern eines unveränderten Sprachbestandsschutzes selbst Vorwürfe eines »Sprachrassismus« nicht gescheut.

Die Sprachverteidiger begegnen den Angriffen und der Logik der Reformer, wonach die »Wirtschaftlichkeit Vorfahrt vor Schwedisch« habe, mit dem Alarmruf, offenbar stehe nun generell die Finnland-schwedische Sprache »unter Beschuss«. Ganz abwegig scheinen die Befürchtungen nicht zu sein, wenn sogar Präsidentin Tarja Halonen eine stärkere Berücksichtigung des schwedischen Sprachfaktors im Zuge der Verwaltungsreform fordert.

Im bisherigen Streitgeschehen wurden in der Tat bereits Forderungen nach gänzlicher Abschaffung des obligatorischen Schwedisch-Unterrichts laut. Besonders gravierend sind in diesem Kontext weit gediehene Kürzungspläne im Bereich der elektronischen Medien. Die landesweit in Finnland-Schwedisch empfangbaren Programme des Fernsehens und Rundfunks YLE sollen auf eingeschobene Programm-»Fenster« innerhalb der sonstigen finnischsprachigen Sendungen zusammengestrichen werden. Es bleibt abzuwarten, ob den enttäuschten Zuschauern und Hörern der Verweis auf eine landesweite Empfangsgarantie mehrerer Vollprogramme aus Schweden hinreichenden Trost für bislang Gewohntes bieten wird.

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