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Sektumtrunk nach Soldatentod?

Die DFG-VK will mit einer provokativen Feier gegen das Töten von Menschen demonstrieren

Die Deutsche Friedensgesellschaft/Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) Berlin-Brandenburg ruft unter dem Motto »Feste feiern, wie Sie fallen« zu einer Fete auf, wenn der nächste Bundeswehrsoldat in Afghanistan stirbt. Mit ihrem Sprecher Günther Schütz sprach Niels Seibert.
Anti-Kriegs-Aktion 2009: Soldat mit Schweinskopf am Ehrenmal
Anti-Kriegs-Aktion 2009: Soldat mit Schweinskopf am Ehrenmal

ND: Am Tag, an dem der nächste Bundeswehrsoldat im Kriegseinsatz umkommt, laden Sie zu einem »Schampussaufen« am Berliner Ehrenmal der Bundeswehr ein. Warum diese Provokation?
Schütz: Wir wollen symbolisch gegen das Ehrenmal protestieren, das selbst ein Symbol für den »Ruhm« des Militärs sein soll. Durch diese Art des Protests können wir herkömmliche antimilitaristische Aktivitäten ergänzen. Statt beim Tod eines Soldaten auf der Betroffenheitsschiene mitzufahren, kündigen wir jetzt schon eine entehrende und wehrkraftzersetzende Aktion an.

Finden Sie es nicht geschmacklos, anlässlich des Todes von Menschen zu feiern?
Die Geschmacklosigkeit ist am Ehrenmal selbst angelegt: Der Tod eines Soldaten wird vom Staat benutzt, seine Kriegspolitik zu rechtfertigen. Bei der Einweihung hat Bundespräsident Köhler klargestellt: Das Ehrenmal solle zeigen, dass Bundeswehreinsätze alternativlos sind. Den Soldatentod nutzen sie für ein »Weiter so«, um noch mehr Tote zu produzieren. Diese Geschmacklosigkeit drehen wir um und reiben sie der Gesellschaft unter die Nase. Gleichzeitig wollen wir dem Militär in die Parade fahren: Es gibt nichts zu heroisieren. Klar: Soldaten sind Kanonenfutter. Aber sie sind auch Täter. Sie bringen in Afghanistan Menschen um oder helfen dabei. Es gibt nichts, was am Militär gefeiert werden kann, außer seiner Abschaffung.

Glauben Sie, mit dieser Aktion Menschen für antimilitaristische Positionen gewinnen zu können?
Uns ist bewusst, dass unser Sektumtrunk auf viele Vorbehalte stoßen wird. Aber gerade das kann eine Möglichkeit sein, über Sachen nachzudenken, die man bisher ignoriert oder verdrängt hat. Der Sinn besteht also darin, Bevölkerungskreise mit Fragen zu konfrontieren, die sie sich bisher nicht gestellt haben. Ich behaupte ja nicht, dass wir uns wirklich über den Soldatentod freuen. Aber indem wir so tun, schockieren wir – mit dem Ziel, der Menschenverachtung, also dem Krieg, ein Ende zu bereiten.

Warum braucht die antimilitaristische Bewegung solche provokativen Aktionsformen?
Wir ergänzen bisherige Aktionen wie Demonstrationen, Mahnwachen Flugblattverteilen und handfestes Unschädlichmachen von Militärfahrzeugen, die alle berechtigt sind, aber natürlich eine eingeschränkte Wirkung haben. Wir wollen Wirkungen erzielen, die mit anderen Aktionsformen nicht erreicht werden. Militärrituale, dazu gehört auch der militärische Totenkult, darf man nicht nur als anachronistische Albernheit abtun. Sie haben eine kriegsfördernde Wirkung. Die Bundeswehr braucht sie für die eigene Selbstvergewisserung, aber auch, um sich des Rückhalts der Gesellschaft zu versichern. Das ist auch erklärtes Ziel des Ehrenmals. Indem wir diese Kultstätte des Militarismus symbolisch entweihen, zersetzen wir das militaristische Ritual.

Wie muss man sich Ihr »Schampussaufen« genau vorstellen?
Wenn eine Gefallenenmeldung aus Afghanistan eintrifft, werden wir 17.30 Uhr am Ehrenmal am Bendlerblock sein. Es ist für die Bevölkerung bis 18 Uhr geöffnet. Wir stellen einige Flaschen Sekt kalt, aber jeder sollte selber noch Getränke mitbringen – und angemessene Kleidung natürlich.

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