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Superstromnetz für Windparks

Neun Nordsee-Anrainer planen milliardenschwere Kooperation

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Eine Energiewende hin zu den Erneuerbaren braucht neue Formen, Energie zu speichern. Im Stromsektor sollen jetzt größere Schritte getan werden.

Berlin (AFP/ND). Deutschland und andere Nordsee-Anrainer wollen bis zum Jahresende ihre milliardenschwere Kooperation für Windstrom aus der Nordsee besiegeln. Dann solle eine gemeinsame Erklärung über den Bau eines hochmodernen Stromnetzes unterzeichnet werden, das Windenergie künftig besser auf dem Kontinent verteilt, teilte das Bundeswirtschaftsministerium am Dienstag mit. Gespräche unter den Staaten sollen im ersten Halbjahr aufgenommen werden.

Mit dem Projekt in der Nordsee wollen neun Anrainerstaaten den Ausbau erneuerbarer Energien voranbringen. Das neue Netz soll einem Bericht der »Süddeutschen Zeitung« zufolge bis zu 30 Milliarden Euro kosten. Hochspannungs-Unterseekabel sollen künftig unter anderem Windparks auf hoher See vor der deutschen und britischen Küste mit Wasserkraftwerken in Norwegen verbinden. Auch Gezeitenkraftwerke oder Wind- und Solaranlagen auf dem europäischen Festland könnten angeschlossen werden.

Vorteil des neuen Netzes ist, dass künftig Strom aus Windenergie bei zeitweiser wetterbedingter Überproduktion leichter von einem Land an ein anderes abgegeben werden kann. Auch wird es möglich, Strom zur Speicherung etwa nach Norwegen zu schicken, wo die Energie mittels Pumpspeichern mit einem gewissen Verlust konserviert werden kann.

Zu den Gründern der Initiative zählen Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Dänemark, die Niederlande, Irland, Luxemburg und Norwegen. Bereits im Dezember einigten sich die Länder grundlegend auf eine Kooperation. Die Staaten hoffen, innerhalb von zehn Jahren ein solches Hochspannungsnetz umsetzen zu können, zitierte die »SZ« Regierungskreise. Neben dem Stromnetz-Projekt arbeitet auch eine Reihe deutscher Unternehmen an der Umsetzung des länderübergreifenden Wüstenstromprojekts Desertec, das Wind- und Solarstrom im Norden Afrikas erzeugen will.

Martin Pehnt, Fachbereichsleiter beim Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg, hält die Schaffung eines länderübergreifenden Stromnetzes für Energie aus der Nordsee insbesondere wegen des wachsenden Anteils der Windenergie für notwendig. »Hier ist kurzfristig am meisten Zuwachs zu erwarten«, sagte Pehnt. Herausforderung an der Windenergie ist, dass die Produktion im Tagesverlauf stark schwanken kann. Deswegen sei eine Vernetzung über möglichst viele Staaten sinnvoll, um die Energie besser verteilen zu können.

Heute könnten Schwankungen in der Stromerzeugung durch konventionelle Kraftwerke ausgeglichen werden, sagte Pehnt. Wenn der Anteil der Erneuerbaren weiter ansteige, werde der Ausgleich schwieriger. Deswegen werde es auch wichtiger, den Strom zum Speichern in andere Länder schicken zu können. Ein großteils verlustfreier Transport werde dadurch möglich, dass die Energie von Wechselstrom in Gleichstrom umgewandelt und über Hochspannungsleitungen verschickt werde.

Der SPD-Energieexperte Hermann Scheer kritisierte hingegen das Projekt. Einige große Stromkonzerne wollten sich die Zukunft der erneuerbaren Energien so zurechtschneiden, dass sie wieder das Angebotsmonopol hätten, sagte Scheer dem Radiosender »MDR Info«.

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