Werbung

Mit dem Lasso etwas Realität einfangen

Niederländische Designerin Liesbeth Bos will zu Spaß und Spannung inspirieren auch ohne Bildschirm

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Ganoven jagen mit Lassos, die über dem Spielplan geschwungen werden, und vor allem Regelmuss rangiert der Spaß: In der jüngsten Produktion »Larry Lasso« aus der Ideenwerkstatt der Niederländerin LIESBETH BOS (41) sind Geschicklichkeit und Treffsicherheit gefragt. Ihr Konzept, in ein simuliertes Szenario reale Handlungen zu integrieren, erläutert die gelernte Designerin, die in der Stadt Bunde bei Maastricht wohnt, dem ND-Autor RENÉ GRALLA.
Liesbeth Bos: Erst das Spiel, dann die Regeln.
Liesbeth Bos: Erst das Spiel, dann die Regeln.

ND: Sie bringen symbolisches Brettgeschehen und Aktionen in Echtzeit zueinander. Ist das nicht schwierig zu regeln?
Bos: Wie sieht denn ein gutes Spiel aus, frage ich Sie? Das macht bereits Spaß ohne Regeln. Bei »Larry Lasso« fängst du gleich an zu spielen, ohne vorher die Anleitung zu lesen, und darfst dich ein bisschen wie der Sheriff fühlen.

Erklären Sie uns trotzdem bitte die Regeln!
Billy Bandito und seine Gaunerbande sind aus dem Gefängnis von Western Town ausgebrochen. Aber zum Glück halten sich auch Larry Lasso und seine Freunde in der Stadt auf und helfen dem Sheriff, die Knackis wieder zu kriegen. Und das funktioniert so: Die Flüchtigen – dargestellt von verschiedenfarbigen Steinen – werden in der Mitte des Spielplans platziert. Die Teilnehmer besitzen Schlingen, um die Gang einzufangen.

Über die korrekte Handhabung der Lassos wird streng gewacht.
Na ja, streng ... Das Wichtigste ist, dass man die Lassos wirft und nicht einfach den betreffenden Ganoven umwirft. Deshalb dürfen die Hände niemals über das Brett gehalten werden. Dass du tatsächlich werfen musst, ist der Witz des Spiels.

Wollen Sie die neuzeitlichen Computerkinder, die Spielhandlungen, selbst wenn jene die Wirklichkeit eins zu eins spiegeln sollen, nur noch aus der Virtualität kennen, wieder an die Sinnlichkeit körperlich greifbarer Objekte heranführen? Nur, indem Lassos, wenn auch in deutlich verkleinerter Form, von den Anwesenden durch den Raum geschleudert werden?
Da haben sie ja weit ausgeholt! Eigentlich hatte ich darüber so nicht nachgedacht, vielleicht aber dennoch im Hinterkopf die Vorstellung, dass unsere Zeit nach Aktionsspielen verlangt. Jedenfalls finde ich es wichtig, dass du nicht nur am Computer, sondern vor allem in der realen Welt spielst. Also am Brett mit echten Leuten. Und bitte, wenn es geht: Spiele draußen! Klettere, renne und entdecke!

Ihre Produktionen verbinden Sie gerne mit pädagogischen Absichten, ein Beispiel ist »Funny Domino«, eine Ihrer früheren Veröffentlichungen. Was lernen die Kinder jetzt bei »Larry Lasso«?
Konzentration und Geschicklichkeit. Sind die Farbwürfel gefallen, ist es entscheidend, blitzschnell zu erkennen, wo sich die Ganoven in der betreffenden Farbe gerade befinden.

Was macht ein gutes pädagogisches Spiel aus?
Es muss Spaß bringen, sonst spielt man das nicht. Und ich kann nicht richtig rüberbringen, was ich gleichzeitig vermitteln möchte.

Sie haben sogar eine eigene Schachvariante namens »Quameleon« kreiert ...
Ja, das war überhaupt das erste Spiel, das ich realisiert habe. Und zwar in Zusammenarbeit mit meinem inzwischen leider verstorbenen Vater, der ein richtiger Schachfanatiker war.

Was unterscheidet »Quameleon« vom Normalschach?
Die Figuren ändern ihre Stärke, also ihre Manövrierfähigkeit, sobald sie bestimmte Felder besetzen. Landet ein Läufer auf einem Turmquadranten, dann muss er, wenn er wieder an der Reihe ist, fortan wie ein Turm ziehen, und so weiter und so fort. Das zwingt beide Spieler, ihr taktisches Denken komplett neu zu erfinden.

Sie sind eine renommierte Spieleautorin. Und das vor dem Hintergrund, dass in der Szene weitgehend die Männer dominieren. Werden Frauen in der Branche etwa stillschweigend ausgegrenzt?
Das glaube ich nicht. Klar, es gibt mehr Autoren als Autorinnen. Aber auf der Verlagsseite liegt das Verhältnis bei 50 zu 50.

Oder sind Frauen zu vernünftig, um wertvolle Zeit zu verdaddeln mit Spiel im Erwachsenenalter?! So dass Frauen eher selten auf den Gedanken verfallen, dass Spieleerfinden eine berufliche Option sein könnte?
Sie nehmen doch nicht etwa an, dass ich Ihnen widersprechen werde, wenn Sie meinen, dass Frauen oftmals vernünftiger sind als Männer (lacht).

»Larry Lasso« ist geeignet für zwei bis vier Spieler ab 5 Jahren und erschien im Verlag Selecta; Preis: ca. 27 Euro

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen