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Hoffen auf Zivilgesellschaft

Potsdamer Klimakonferenz: Politik in Kopenhagen gescheitert

  • Von Steffen Schmidt
  • Lesedauer: 3 Min.
Wenige Wochen nach dem Scheitern von Kopenhagen trafen sich am Montagabend Wissenschaftler, Politiker, Umweltschützer und Vertreter aus der Wirtschaft in Berlin zur 4. Potsdamer Klimakonferenz, um die Konsequenzen aus dem Scheitern zu diskutieren.

Schon vor dem Eingang zur Brandenburgischen Landesvertretung beim Bund in Berlin wurde man auf die Hauptrichtung der Konferenz eingestimmt: Da parkten zwei nagelneue Honda-Limousinen mit Brennstoffzellenantrieb. Der japanische Autokonzern ist einer der Organisatoren und Sponsor der Potsdamer Klimakonferenzen und bekam auf der Pressekonferenz vor Veranstaltungsbeginn Gelegenheit, sein Umweltengagement ordentlich zu loben. Überhaupt hatte man bei den meisten Rednern den Eindruck, die Politik sei im Klimaschutz nun weitgehend abgeschrieben. Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), artikulierte Zweifel an der Wirksamkeit des UN-Prozesses. Er setzt darauf, dass die globale Zivilgesellschaft das leistet, was die Staatsführungen nicht hinbekommen haben. Das PIK organisiert seit 2006 gemeinsam mit Honda Motor Europe (North) und Europarc Deutschland, dem Dachverband der deutschen Nationalparks, UNESCO-Biosphärenreservate und Naturparks, die Potsdamer Klimakonferenz. Noch deutlicher weg von der Politik lenkte der hannoversche Marketing-Professor Klaus-Peter Wiedmann den Blick. Er meinte, aus Wirtschaftssicht seien die Ergebnisse von Kopenhagen prima, denn sie hätten allen vor Augen geführt, dass man selbst etwas tun müsse und sich nicht hinter der Politik verstecken könne. Zudem zeige das Scheitern, dass es keine bloß technische Lösung des Klimaproblems gebe. Echte Lösungen seien nur im Dialog zu finden, wenn alle Beteiligten mitgenommen werden.

Schellnhuber beurteilte Kopenhagen weniger positiv. Mit dem aktuellen Verhandlungsstand für die Verringerung des CO2-Ausstoßes steuere die Erde auf eine Erwärmung um drei bis vier Grad zu. Noch allerdings gebe es die Hoffnung, dass sich beim nächsten Gipfel in Mexiko etwas bewegt. Die Schwellenländer Brasilien und Mexiko hätten inzwischen Initiativen zum Klimaschutz ergriffen. Der PIK-Direktor war optimistisch, dass »wir vielleicht aus Südamerika bekommen, was wir aus China erwartet haben«. Zu dieser noch möglichen Einigung unter dem Dach der UNO sieht Schellnhuber auch die Alternative, dass kleinere Allianzen von Staaten mit genügend Gewicht einen Durchbruch schaffen.

Der Vorstandsvorsitzende der Organisation Germanwatch, Klaus Milke, forderte, dass die USA, China und die EU als Partner gegen den Klimawandel kämpfen müssten. In dem Zusammenhang forderte er ebenso wie Schellnhuber, dass Deutschland mit dem nationalen 40-Prozent-Reduktionsziel aus dem Koalitionsvertrag in die weiteren Verhandlungen geht.

Dem widersprach Marketingexperte Wiedmann. Statt sich ohne jedes Entgegenkommen der übrigen großen Treibhausgasproduzenten schon verbindlich auf eine Reduktion von 30 Prozent zu verpflichten, solle die EU die Reduktionsziele lieber mit konkreten Maßnahmen untersetzen. Dabei ließen sich Bürger und Unternehmen nicht nur leichter gewinnen, es würde sich schnell zeigen, dass weitaus stärkere Reduzierungen möglich sind. Klaus Müschen vom Umweltbundesamt unterstützte diesen Gedanken. Trotz Deutschlands Vorreiterrole beim Klimaschutz gebe es im Verkehr und beim Gebäudebestand noch genug Einsparpotenziale, um das deutsche 40-Prozent-Ziel zu erreichen. Der Germanwatch-Vorsitzende Milke erwartet, dass die deutsche Wirtschaft bei diesem Weg hin zu mehr erneuerbaren Energieträgern und besserer Energieeffizienz zu den Gewinnern zählen werde.

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