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Spurensuche in Niedersachsen

In der Göttinger Lokhalle wird eine Ausstellung über NS-Zwangsarbeit in der Region eröffnet

  • Von Kai Böhne, Göttingen
  • Lesedauer: 2 Min.
Ab 15. Januar 2010 wird in Göttingen eine Ausstellung mit dem Titel »Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit. Südniedersachsen 1939-1945« gezeigt. Sie verknüpft die Lebensgeschichten polnischer, niederländischer und italienischer Zwangsarbeitender und wurde unter Beteiligung von Wissenschaftlern aus diesen Ländern erarbeitet.

Angehörige aus mindestens 16 Nationen leisteten während des Zweiten Weltkriegs in Südniedersachsen Zwangsarbeit. Im Mai 1944 befanden sich offiziell 8091 ausländische Arbeitskräfte im Bereich des Arbeitsamtes Göttingen und 17 314 im Bereich des Arbeitsamtes Northeim. Die Göttinger Geschichtswerkstatt geht sogar von 50 000 bis 60 000 Zwangsarbeitenden im Gebiet der heutigen Landkreise Northeim und Göttingen aus.

»Die ausländischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter arbeiteten in nahezu allen denkbaren Wirtschaftsbereichen«, erläutert der Göttinger Kulturwissenschaftler Günther Siedbürger. »Sie wurden in Gaststätten und Hotels, Bäckereien, kirchlichen Einrichtungen, Kommunen und Privathaushalten eingesetzt.«

Menschen aus fünf Ländern

Zwangsarbeiter wirkten in der Mühle, im Krankenhaus oder in der Munitionsfabrik. Sie waren sowohl in der Forst- und Landwirtschaft als auch im Friseurgewerbe oder als Molkereiwagenfahrer anzutreffen.

Siedbürger hat in den vergangenen Jahren zur Zwangsarbeit im Landkreis Göttingen geforscht. Seine Recherchen sind als Dokumentation im Mecke Verlag, Duderstadt, erschienen. Als Mitarbeiter der Geschichtswerkstatt Duderstadt gehört er zu einer internationalen Projektgruppe, die die Ausstellung »Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit – Südniedersachsen 1939-1945« vorbereitet hat. Die Ausstellung zeigt in dreizehn thematischen Stationen das Ausmaß und die Vielfältigkeit von Zwangsarbeit am regionalen Beispiel Südniedersachsen. Im Mittelpunkt stehen die Biografien ehemaliger Zwangsarbeitender aus fünf europäischen Ländern. Um den Stellenwert dieser Erfahrung im Leben der Betroffenen kenntlich zu machen, werden ihre gesamten Lebensläufe, weit über den Abschnitt der Zwangsarbeit in Deutschland hinaus, dargestellt. Die Spur der Lebensgeschichten ermöglicht einen Blick auf die europäische Dimension der NS-Zwangsarbeit.

Die Ausstellung ist interaktiv und multimedial. Neben Texten, Bildern und historischen Dokumenten zeigt sie in Schubladen und Vitrinenfenstern Objekte, die mit dem Thema verbunden sind. Multimediastationen stellen weitere Dokumente zur Verfügung. In zahlreichen lebensgeschichtlichen Filminterviews berichten ehemalige Zwangsarbeiter anschaulich von ihren Erfahrungen.

Ein Jahr Vorbereitung

Auch Lisa Grow, Historikerin der Göttinger Geschichtswerkstatt, gehört zum Vorbereitungskreis. »Während der einjährigen Vorbereitungszeit haben wir intensiv mit Partnern aus Polen, Italien und den Niederlanden zusammengearbeitet«, erklärt Grow. Auch die Fachhochschule Hannover und die Universitäten Hannover und Erlangen-Nürnberg beteiligten sich an den Vorbereitungen. Grow freut sich besonders, »dass es uns gelungen ist, Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zum Tag der Eröffnung einzulanden«.

Die Ausstellung öffnet am 15. Januar um 16.00 Uhr in der Göttinger Lokhalle. Sie wird dort bis zum 14. Februar zu besichtigen sein.

Informationen im Internet unter www.lokhalle.info

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