Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Wissenschaftler mit Bombe getötet

Iran beschuldigt USA und Israel der Verwicklung in den Anschlag in Teheran

Ein iranischer Professor der Physik ist bei einem Bombenattentat am Dienstag in Teheran getötet worden.

Teheran (dpa/ND). Nach Medienberichten war der Sprengsatz an einem Motorrad angebracht und detonierte in der Nähe des Hauses des Wissenschaftlers Massud Ali-Mohammadi. Es war zunächst nicht bekannt, ob der getötete Physiker am Atomprogramm seines Landes mitarbeitete. Teheran beschuldigte die USA und Israel, in den Anschlag verwickelt zu sein.

Nach Angaben des Teheraner Chefanklägers Abbas Dschafari Dolatabadi war Ali-Mohammadi an der Universität der Hauptstadt tätig. Dort arbeitete er nach Einschätzung westlicher Experten als theoretischer Physiker. In seinen Publikationen befasste er sich demnach überwiegend mit Kosmologie, Hochenergiephysik und Quantenphysik. Diese Arbeiten zeigen keinen direkten Zusammenhang mit dem iranischen Atomprogramm. Die internationale Atomenergiebehörde IAEA in Wien wollte sich zu dem Mord nicht äußern.

Die iranische Führung verurteilte den Bombenanschlag und beschuldigte »Söldner der Weltmächte« als Täter. Mit dieser Formulierung werden meist Angehörige der Volksmudschaheddin umschrieben. Ein Sprecher des Teheraner Außenministeriums sagte im staatlichen Fernsehen, es gebe Anzeichen dafür, dass die USA und Israel in den Vorfall verwickelt seien.

Die iranischen Volksmudschaheddin dementierten jede Verantwortung für den Anschlag. In einer Erklärung hieß es, der »in Iran regierende Faschismus« verfolge seine eigenen politischen Ziele und versuche »nicht zum ersten Mal«, dem Widerstand die Verantwortung in die Schuhe zu schieben.

Der Tatort im Norden Teherans wurde zur Spurensuche von der Polizei abgeriegelt. Anwohner berichteten, dass ihnen untersagt worden sei, vor Ende der Untersuchung ihre Häuser zu verlassen. Zunächst wurden keine Festnahmen gemeldet. Widersprüche tauchten im Zusammenhang mit der politischen Orientierung des Professors auf. Während Ali-Mohammadi von der Staatsanwaltschaft als loyal und regierungstreu eingestuft wurde, wurde auf einer oppositionellen Website behauptet, der Physiker sei Anhänger von Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi gewesen.

Noch am Morgen hatte die iranische Führung Washington vorgeworfen, den Streit um das iranische Atomprogramm eskalieren zu lassen. Sie wies Äußerungen des US-Generals David Petraeus über »Notfallpläne« für mögliche Militärschläge gegen iranische Nuklearanlagen zurück. »Das ist unverantwortlich, das Gegenteil der neuen Politik, die die neue US-Regierung verspricht, und stattdessen eine Rückkehr zu früheren Fehlern«, erklärte ein Sprecher des Teheraner Außenministeriums.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln