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Umstrittenes EM-Silber

Sawtschenko/Szolkowy als Europameister entthront – Sieg an Kawaguti/Smirnow

  • Von Andreas Frank (SID), Tallinn
  • Lesedauer: 3 Min.

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Zum Kinoklassiker »Jenseits von Afrika« liefen Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy mitten hinein in die diesseitige Enttäuschung. »Wir haben zu schlechte Wertungen bekommen, dürfen uns jetzt aber nicht runterziehen lassen«, sagte Szolkowy, als die fest eingeplante Goldmedaille plötzlich an die russischen Meister Yuko Kawaguti und Alexander Smirnow ging.

Rückenwind für die Olympischen Spiele von Vancouver hatten sich die Paarlaufweltmeister bei den EM erhofft, doch in Tallinn schlug den beiden Chemnitzern passend zur Großwetterlage über Estland eine fast arktische Kälte entgegen. Was dazu führte, dass die erste Enttäuschung bei Trainer Ingo Steuer schnell in eine tiefe Verärgerung umschlug.

»Aljona und Robin hätten Gold statt Silber verdient gehabt. Das, was gewertet wurde, ist nicht das, was gezeigt wurde. Die neuen Europameister können doch nicht plötzlich das Eislaufen gelernt haben«, sagte der Trainer, dem schon nach dem Kurzprogramm am Dienstag, das seine beiden Schützlinge noch knapp für sich entschieden hatten, Böses schwante: »Da war mir irgendwie schon klar, dass es gegen uns läuft.«

In der Tat war für viele neutrale Beobachter nicht nachvollziehbar, warum die Titelverteidiger nur mit einem minimalen Vorsprung von 0,2 Punkten in die Entscheidung gehen mussten. Mit einer fehlerfreien Kür hätten die Juroren nicht an den Vorjahressiegern vorbeigehen können, doch Sawtschenko landete den dreifachen Wurf-Flip auf zwei Füßen und drehte den Salchow nur doppelt statt dreifach. Dem stand nur ein kleiner Stolperer von Kawaguti beim dreifachen Toe-Loop entgegen.

Klar ist dennoch: Liefen die beiden Sachsen in den vergangenen beiden Jahren praktisch in einer eigenen Liga, ist ihnen nun im Kampf um den Olympiasieg starke Konkurrenz erwachsen. Nicht nur durch die neuen Europameister aus St. Petersburg, sondern auch durch die Ex-Weltmeister Shen Xue und Zhao Hongbo aus China, die bei ihrem Comeback bislang ungeschlagen geblieben sind.

Auf ihre einwöchige grippebedingte Trainingspause jedenfalls wollte Sawtschenko die unerwartete Niederlage nicht schieben. »Ich bin wieder gesund, es ist alles in Ordnung«, versicherte die 26-Jährige, die fast schon trotzig nach vorn blickte: »Der nächste Wettkampf ist der Wichtigste meines Lebens, nur noch daran denke ich. Vielleicht ist es ja gut, dass das alles jetzt passiert ist und nicht im nächsten Monat.«

Was den entthronten Europameistern bleibt, ist die Angst, dass die Juroren auch in Kanada die Stellschrauben in die falsche Richtung drehen und eher den Rivalen aus China und Russland gewogen sind. Ein Restrisiko, das das neue Wertungssystem nur minimieren, aber nicht gänzlich ausmerzen kann.

Die Eiskunstläufer begegnen derlei Unwägbarkeiten mit einer gehörigen Portion Fatalismus. Ingo Steuer brachte sein ganz persönliches Credo in der Saku Suurhall so auf den Punkt: »Preisrichter, das ist wie Regen oder Tod – darauf hat man keinen Einfluss.«

Ergebnisse, Paare

1. Kawaguti/Smirnow (Russland) 213,15 Punkte

2. Sawtschenko/Szolkowy (Chemnitz) 211,72

3. Muchortowa/Trankow (Russland) 202,03

9. Hausch/Wende (Oberstdorf) 142,76

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