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Schräg

Katharina Schüttler erhält den Ulrich-Wildgruber-Preis der Nordmetall-Stiftung

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: 2 Min.

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Ihre »Hedda Gabler« an der Berliner Schaubühne 2007, Regie: Thomas Ostermeier, war erregendes Theater. Und es war ein Musterbeispiel für den Auf- und Durchbruch einer jungen Schauspielergeneration, die etwas Raues, Ruppiges, bewusst Antikulinarisches hat (Fritzi Haberlandt, Milan Peschel, Peter Kurth).

Die Schüttler als Ibsens Hedda Gabler: Bild einer Jugend, die nicht mal mehr eine Idee braucht, um unerträglich zu sein. Das Verbrechen am jeweils anderen ist das Produkt einer geistlosen Langeweile. Schüttler exerzierte ein monotones Desinteresse, als kreiste sie, abgeschnitten von allem Menschlichen, wie ein kleiner kalter Planet durch die modernen Wohnwelten. Ein räudiges Kind, das nur Machtgier hat und seine Zerstörungsliebe als graue, farblose Unverdorbenheit lebt.

Sie wurde 1979 in Köln geboren, in einer Schauspielerfamilie. Mit elf Jahren bekam sie ihre erste Kinorolle, im Jugendfilm »Die Lok«. In Hannover studierte sie Schauspiel, spielte in »Das weiße Rauschen«, »Die innere Sicherheit«, »3 Grad kälter«, erhielt Förderpreise. In ihrer Art zu spielen – »Ich wurde oft als Sozialopfer besetzt« –, in diesem Schlingern und Schlenkern des Gemüts lebte irgendwie auch das Spiel jenes Mannes, nach dem ein Preis benannt ist, den Schüttler Ende Januar erhält: Ulrich Wildgruber. Er war Peter Zadeks Lieblingsschauspieler, wegen seiner Lust am Ungebändigten, am Unschönen, wegen seiner Freude am Beschmutzen der Tempel.

Es ist ein Spiel der aufkratzenden Unangepasstheit, des schrägen Unbereinigten. Was die Schüttler so beherrscht: die Produktion von Störungen. Sie bleibt ein turnerischer, fast noch pubertär stänkernder Kobold. Noch einmal die Gabler als prototypisches Beispiel: Sie demolierte, wenn man es so paradox sagen könnte: mit flinkestem Phlegma jeden atmosphären Ansatz, mit einer blechernen Stimme, die zur Säge tendierte; mit einem bedächtigen Ganzkörper-Flunsch. Und zugleich immer: der traurige Zauber des Menschleins, das man doch auch bemitleiden muss.

Bereits 2006 bekam die Schüttler einen Bühnenpreis: Sie wurde Schauspielerin des Jahres.

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