Eine Zeitreise durch Prenzlauer Berg

Dauerausstellung »Gegenentwürfe« des Museumsverbundes Pankow

  • Von Nissrine Messaoudi
  • Lesedauer: 3 Min.
Museumsleiter Bernd Roder vor einem Ausstellungsstück zur Oderbergerstraße
Museumsleiter Bernd Roder vor einem Ausstellungsstück zur Oderbergerstraße

Wer ans heutige Prenzlauer Berg denkt, hat sofort Mütter und Väter vor Augen, die ihr kleines Baby vor dem Bauch hertragen, die »Hippen« und »Schicken«, die in Röhren-Jeans die Kastanienallee rauf und runter laufen, oder die vielen Bioläden, die in den letzten Jahren aus dem Boden geschossen sind.

Der Verlust an sozialer Mischung ist in diesem Kiez besonders spürbar. Prenzlauer Berg der Inbegriff von Gentrifizierung? Keine leicht zu beantwortende Frage. Die am Donnerstag eröffnete Dauerausstellung »Gegenentwürfe – Der Prenzlauer Berg vor, während und nach dem Mauerfall« des Museumsverbundes Pankow widmet sich diesem und anderen Themen, die den Stadtteil bewegen.

Anhand von sieben ausgewählten Stationen verfolgt die Ausstellung die Entwicklung des Kiezes von den 70er Jahren bis in die Gegenwart. »Viele der kontrovers ausgetragenen Konflikte zu Themen wie Mitbestimmung, Stadtsanierung, Erziehung, Umweltschutz und soziale Verantwortung haben eine lange Geschichte im Kiez«, erklärt Bernd Roder, Leiter des Museums. Mit Fotos, Videos, Dokumenten und einzelnen Biografien begibt man sich auf eine kleine Zeitreise durch Prenzlauer Berg.

Exemplarisch für die Gentrifizierung und die Sanierungsprozesse wurde der Helmholtzplatz ausgewählt. »Die Häuser, die Menschen und der Wandel«, heißt diese Station. Auch der Kollwitzplatz wird unter dem Thema »Freiraum nutzen« näher betrachtet. Hier steht besonders die Künstler- und Literatenszene im Blickfeld des Betrachters. Aber auch der erste unabhängige Kinderladen ist hier zu Hause.

Die den einzelnen Stationen zugeordneten Biografien verleihen der Geschichte ein Gesicht und verhelfen der Ausstellung zu mehr Authentizität. So beschreibt Ulrike Poppe, die seit den 70er Jahren am Kollwitzplatz wohnt, wie sie die Veränderungen ihres Kiezes erlebt hat und noch erlebt. »Wirtschaft und Alltag – Der VEB Treffmodelle Greifswalder Straße 212« rückt die Geschichte von Frank Luft, Sohn eines ehemaligen Funktionärs, in den Mittelpunkt. Luft, der in der DDR aus dem Arbeitsalltag ausgestiegen ist, hat in verschiedenen Hinterhöfen Schlafsäcke zusammengenäht, damals Mangelware.

»Die Dauerausstellung ist keineswegs zeitlich begrenzt. Wenn wir noch mehr Material zwischenzeitlich bekommen, werden wir die Ausstellung erweitern«, sagt Bernd Roder. Je mehr Quellen zusammenkommen, desto besser, denn wie der Name »Gegenentwürfe« schon ahnen lässt, wolle man eine facettenreiche Geschichtsdarstellung fördern. »Jeder Besucher soll sich sein eigenes Bild machen.«

Bereits im vergangenen Sommer hat der Museumsverbund Pankow in Kooperation mit dem Berliner Geschichtsverein Nord-Ost ein Projekt auf die Beine gestellt, das in blauen Containern Kurzfilme über die Entwicklung des Bezirkes zeigte. »Wie haben so viel Material angehäuft, das wir gar nicht zeigen konnten. So ist die Idee zu ›Gegenentwürfe‹ entstanden«, sagt Roder. Eine Ausstellung, die sowohl Alteingesessene als auch Zugezogene interessieren dürfte.

»Gegenentwürfe«, im Kultur- und Bildungszentrum Sebastian Haffner, Prenzlauer Allee 227/228, Mo.-Fr., 10-18 Uhr, Eintritt frei.

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