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Immer den Wellen nach

Der neue Donausteig führt über 450 Kilometer von Bayern nach Österreich. Mindestens 1,5 Millionen Euro wird er kosten

  • Von Rainer Funke, Passau
  • Lesedauer: 4 Min.

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Beginnen wird er am Bahnhof Passau, enden soll er im österreichischen Grein. Am Donausteig, der am 3. Juli eröffnet werden soll, bereitet man sich auf die erste Saison vor.
Der neue Weitwanderweg an der Donau soll 41 Haltepunkte haben. 1,2 Millionen Euro werden zur Vermarktung bereitgestellt.
Der neue Weitwanderweg an der Donau soll 41 Haltepunkte haben. 1,2 Millionen Euro werden zur Vermarktung bereitgestellt.

Zum Logo wurden stilisierte Donauwellen auserkoren. Derzeit sind die beteiligten Firmen emsig dabei, das nötige einheitliche Wege-Mobiliar zu fertigen. Es handelt sich um Tische und Bänke, Gabionen mit Steinen, Geländer, Hinweis- und Übersichtstafeln. Im März soll jede der beteiligten 48 Ortschaften damit ausgestattet sein. Am 3. Juli soll der Donausteig bei großem Aufgebot der Politik in vier Gemeinden zugleich offiziell eröffnet werde. Der 450 Kilometer lange Wanderweg an den Ufern beiderseits des Flusses beginnt im bayerischen Passau – am Europaplatz vor dem Hauptbahnhof, wo sich auch die Touristinformation befindet – und führt über das oberösterreichische Linz bis nach Grein. Auf deutscher Seite sind auch Thyrnau, Untergriesbach und Obernzell dabei.

Von 41 Haltepunkten führen jeweils sogenannte Rundrouten weitere 480 Kilometer durch die Donaulandschaft. 70 Gastro- und Nächtigungsbetriebe wurden geschult, damit die Donausteig-Wirte die Wanderer fachkundig beraten und begleiten können.

Wie Petra Riffert, Geschäftsführerin der in Linz ansässigen Werbegemeinschaft Donau Oberösterreich, gegenüber ND sagt, kam 2006 die Idee auf, im Donauraum neben dem Radweg langfristig ein zweites Standbein für den Tourismus zu schaffen, nämlich den Weitwanderweg Donausteig. Es kam darauf an, Vorhandenes wie den etwas in die Jahre gekommenen Höhenweg zwischen Passau und Linz auszubauen. Für die Wandersleut soll regional Interessantes, vor allem auch Natur, neu entdeckt und inszeniert werden.

Zaudernder Grafensohn

»Wir nahmen uns den Rheinsteig zum Vorbild, analysierten auf einem Exkurs dessen Erfolgsrezept, ohne es kopieren zu wollen. Das Projekt zwischen Bonn und Wiesbaden lockte innerhalb von zwei Jahren immerhin 250 000 Wanderwillige an«, sagt Riffert.

Für das Projekt wird mit dem Slogan »Sagenhafte Donau« geworben. Und das hat durchaus einen hintergründigen Sinn. Denn an 135 Plätzen des Donausteiges – vor allem an solchen mit Panoramablick oder in der Nähe von Gemeinden – sollen überlieferte Sagen auf Tafeln zu lesen sein.

In Passau wird es die Nibelungensage und das dazugehörige Lied sein, sagt Christa Tausch, Leiterin Stadtmarketing. Man rechnet sich die örtliche Urheberschaft zu für »Uns ist in alten maeren wunders vil geseit…« und die darauf folgenden Zeilen von anno 1200.

Zwei andere Gemeinde – Pupping und Hartkirchen, am Fuße der Schaunburg gelegen – stellen auf dem dortigen Panoramaplatz eine Mär aus der eigenen Historie vor. Kurz gefasst: Wunderschöne Müllerstochter liebte burgansässigen Grafensohn, der aber durfte sie nicht freien, was ihn fix und fertig machte. Warum, so fragen die Erzähler, ging er nicht einfach fort mit ihr? Er jedenfalls wurde Klosterbruder und starb als solcher nach Jahren und von aller Welt längst vergessen. Bis eines Tages eine verhutzelte Frau, nämliche einstige Müllerstochter, auf seinem Grab drei Kerzen entzündete. Wäre es nicht doch besser gewesen, philosophieren die Märchenschreiber, mit ihr in jungen Jahren durchzubrennen?

Der Wanderer von heute

1,5 Millionen Euro wurden für das Projekt kalkuliert. Zum erheblichen Teil handelt es sich um Fördermittel der EU. Weitere 1,2 Millionen sind vorgesehen, den Donausteig zu vermarkten. Die beteiligten Gemeinden haben sich verpflichtet, diese Summe selbst zu tragen. Sie kümmern sich vor allem um die Panoramen und Aussichtsplätze auf dem jeweiligen Gemeindegrund, auch mit einem Obolus an der Beschilderung, sagt Christa Tausch. Die bayerischen Ortschaften hätten auf diese Weise einmalig etwa 4500 Euro zu berappen, der Landkreis Passau helfe dabei.

Petra Riffert ist sich sicher, dass der Donausteig viel Zuspruch bekommen wird. Tatsächlich misst die Marktforschung dem Wandern zunehmende Bedeutung bei. Der einstige, vielleicht ein wenig elitäre Akteur mit kariertem Hemd und Kniebundhose gehört eher der Vergangenheit an. Heute wandert der ganz normale Bürger. Bekleidungsausstatter haben inzwischen reagiert, Anbieter von Reisen für das Wandervölkchen erfreuen sich seit Längerem guter Zuwachsraten. Namhafte Verlage geben in diesem Frühjahr gleich vier Donausteig-Wanderbücher heraus. Und Touren auf der neuen Donauroute befinden sich bereits in vielen Katalogen.

www.donausteig.com

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