Christen fordern gerechten Frieden

Kritik an Militärpolitik der Bundesregierung

  • Von Peter Liebers
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.

Unter dem Motto »Streit um den Frieden« beschäftigte sich am Wochenende in Erfurt die Christliche Friedenskonferenz (CFK) in der Bundesrepublik mit dem Verhältnis von »alter« Friedensbewegung und »neuen« Kriegen.

Der angeblich neue Krieg gegen den Terrorismus sei nur die Fortsetzung des alten Krieges mit neuen demagogischen Verschleierungen, betonte der Kasseler Politikwissenschaftler Peter Strutynski. Die Friedensbewegung sollte wieder zum Stichwortgeber der öffentlichen Debatte werden. Das Mitglied des Kasseler Friedensratschlags wertete das Bischofswort zum gerechten Frieden als wichtigen Anstoß. Es sei bedeutungsvoll, dass die Kirchen damit von der Akzeptanz gerechter Kriege zur Forderung nach einer gerechten Friedensordnung umgeschaltet hätten. Strutynski beklagte, dass es der Friedensbewegung, die in Gestalt vieler lokaler Bündnisse flächendeckend in Deutschland präsent sei, zu wenig gelingt, ihre alternativen Lösungen wirksam in die Öffentlichkeit zu bringen. Ihr fehle derzeit der »einheitliche Punkt«, den einmal der Vietnamkrieg oder die Raketenrüstung gebildet hätten. In der Debatte wurde ein »absoluter Rückgang« der politischen Aktivität der mittleren Generation konstatiert. Die Öffentlichkeit habe sich an »alternativlose« Militäreinsätze gewöhnt, stellte Strutynski fest. Das sei das Ergebnis einer systematisch betriebenen absoluten Entmündigung der Bürger. Jahrzehntelang habe sich das Regierungshandeln permanent gegen die Mehrheit der Bevölkerung gerichtet. Das sei heute auch noch so, stellte Annelies Schult fest und verwies darauf, dass die neuen militärpolitischen Richtlinien für die Bundeswehr ohne Beteiligung des Parlaments beschlossen wurden. Was sei das denn für eine Demokratie, fragte die Heidelbergerin rhetorisch. Der Berliner Historiker Klaus Erler, der acht Jahre im Prager Stab der internationalen CFK gearbeitet hat, verwies darauf, dass seine Organisation immer auf den Zusammenhang von Frieden und ökonomisch-sozialer Befreiung hingewiesen hat. Im Zusammenhang mit »unerledigten Aufgaben« der CFK erinnerte er an Prager Thesen von 1958, in denen postuliert worden war, die Gemeinde Jesu Christi schulde der Welt das Zeugnis, dass Massenvernichtungsmittel »Sünde gegen Gott« sind. Die CFK müsse »Widerstand ansagen«. In Erfurt blieben allerdings keine Zweifel, dass das ein hartes Stück Arbeit ist. Die wachsenden Alltagssorgen der Jugend förderten deren Abstinenz von Politik. Das sei im Osten Deutschlands besonders ausgeprägt. Hier seien die jungen Menschen entmutigt und deshalb weniger politisch engagiert, hieß es in der Debatte. In der älteren Generation gebe es dagegen mehr Bewusstsein für weltpolitische Zusammenhänge als im Westen. Warum dürfe denn nicht über positive Erfahrungen der Bürger mit dem Sozialismus gesprochen werden, fragte Lydia Kuhnt aus Erfurt und betonte: »Wir müssen doch helfen, dass unsere Enkel in einer besseren Welt leben können.« Sozialökonomische Alternativen zum Kapitalismus seien »out«, entgegnete ihr Strutynski, betonte aber, solche Alternativen müssten entwickelt werden. Sonst würden den Mensche...

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