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Vom Stress eines Olympiasieges

Im Massenstartlauf gewinnt Magdalena Neuner ihr zweites Gold, Simone Hauswald läuft als Dritte zur ersehnten Medaille

  • Von Oliver Händler, Whistler
  • Lesedauer: 4 Min.

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Olympiasiege scheinen eine unangenehme Angelegenheit zu sein. »Meine ersten beiden Medaillen konnte ich noch nicht genießen. Vielleicht klappt es ja mit der dritten«, sagte Magdalena Neuner, die trotz ihrer zweiten Goldmedaille dieser Spiele im 12,5 Kilometer langen Massenstartrennen noch die richtige Olympiastimmung vermisst. »Ständig zieht jemand an einem herum, ständig wird von allen Seiten auf einen eingeredet. Das ist ziemlich stressig«, meinte Neuner. Viele würden sicher gern mit der Wallgauerin tauschen.

Sie hatte gerade die Russin Olga Saizewa und Teamkollegin Simone Hauswald (Gosheim) auf der letzten Runde überholt und stehengelassen, aber die Meute der Offiziellen, Freiwilligen und Journalisten wurde sie so schnell nicht los. »Die von der Dopingkontrolle hat mir irgendeinen Text vorgelesen, während mich ein Mann in blau am Arm packte und mir erzählen wollte, was ich bei der Siegerehrung machen muss. Ich durfte mir nicht mal meine Jacke anziehen«, beschwerte sich die 23-Jährige.

»Ich wusste, was ich kann«

Ansonsten sei sie sehr froh über ihre Erfolge und bisweilen etwas überrascht, dass es für sie so gut in Whistler läuft. »Ich wusste, was ich kann, und glaube immer an mich. Aber ich hatte davon geträumt, dass ich die eine Chance nutze, die sich mir vielleicht bietet. Dass es zwei Goldmedaillen und eine silberne werden, hätte ich nicht gedacht«, so Neuner.

Wären Neuner und Hauswald nicht gewesen, wäre der Sonntag in Whistler endlich zum Tag der Russen geworden. Die einst erfolgreichste Wintersportnation bei Olympischen Spielen hatte vor dem Frauenrennen den Sieg über 15 Kilometer von Jewgeni Ustjugow und damit erst die zweite Goldmedaille dieser Spiele feiern können. Ustjugow bekam umgehend einen telefonischen Glückwunsch von Präsident Dmitri Medwedew übermittelt.

Auch für die russischen Athletinnen sah es lange gut aus. Vor dem letzten Schießen lagen Olga Medwedzewa und Saizewa vorn, nach dem Schießen nur noch Saizewa und am Ende aber Neuner. Saizewa hatte bis zur Pressekonferenz noch keinen Präsidenten-Anruf erhalten. »Ich will sowieso erst mal mit meiner Schwester, meinem Mann und meinem Sohn reden. Danach kann auch gern der Präsident anrufen«, sagte Saizewa.

Der Schlussrunde von Neuner, die als Dritte kurz hinter Hauswald aus dem Schießstand gelaufen war, hatte niemand etwas entgegen zu setzen. »Ich habe mir noch gedacht: Lena, warte, nimm mich mit«, schilderte Simone Hauswald. »Und ich dachte, bleibe schön dran, Simi«, fügte Neuner hinzu. Zwar konnte auch Hauswald zu Saizewa aufschließen, doch im Zielsprint war die Russin stärker.

Hauswalds lange Wartezeit

Trotz der Medaillenflut für die Biathletinnen seit 2002 (sechsmal Gold, siebenmal Silber, zweimal Bronze) wird es Bundestrainer Uwe Müssiggang nicht langweilig. »Die Olympischen Spiele stehen weit über allem anderen. Wenn man im Weltcup mal nicht aufs Podest läuft, kann man es schon in der nächsten Woche wieder versuchen. Bei Olympia muss man vier Jahre auf die nächste Chance warten«, erklärte er seine Freude über jede Olympiamedaille im Team.

Wie schwierig diese Warterei sein kann, weiß Hauswald besser als Neuner. Im Gegensatz zur neuen Doppel-Olympiasiegerin durfte Hauswald bei ihren ersten Spielen vor vier Jahren in Turin nur zuschauen. »Das hat mich sehr geprägt, und es war eine schwere Zeit, aber die ist längst vorbei. Ich habe so hart gearbeitet in den letzten Jahren. Jetzt habe ich es endlich geschafft. Ich wollte diese Einzelmedaille unbedingt«, so Hauswald.

Während die deutschen Frauen auch heute in der Staffel ein ziemlich sicherer Medaillentipp sind, werden es die deutschen Männer am Freitag ungleich schwerer haben, aufs Podium zu laufen. Frankreich, Österreich, Russland und Norwegen präsentierten sich bisher stärker als die Athleten von Bundestrainer Frank Ullrich. Im Massenstart kam Michael Greis als bester der vier Deutschen noch auf Rang zehn. »Zwei Fehler beim letzten Schießen waren einfach zu viel. Die gute Laufform gibt mir aber Hoffnung für das Staffelrennen. Für eine Einzelmedaille hat leider das i-Tüpfelchen gefehlt. Jetzt wollen wir uns natürlich mit einer Medaille in der Staffel verabschieden«, sagte Greis trotzig. »Im Gegensatz zu uns hatten die Männer einen unglücklichen Start«, meinte Frauencoach Müssiggang. »Da geht die Lockerheit schnell verloren. Neuner zum Beispiel konnte jetzt völlig ohne Druck laufen, und das merkt man.«

Neuners Staffelverzicht

Ja, auf der Strecke wirkte die erfolgreichste Athletin dieser Spiele wahrhaft befreit. Nun nimmt sie sich die Zeit, dieses Gefühl auch abseits davon zu spüren. Für die Staffel hat sie ihren Platz zur Verfügung gestellt. Drei Medaillen reichen ja auch. »Ich bin vom Kopf her ganz schön müde«, sagte Neuner. So werden neben Simone Hauswald auch Martina Beck (Mittenwald), Andrea Henkel (Großbreitenbach) und Kati Wilhelm (Zella-Mehlis) in ihrem letzten olympischen Rennen eine Medaillenchance bekommen.

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