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Cowgirl am Fjord

Die norwegische Sängerin Solveig Slettahjell im Gespräch

Die Verbindung von amerikanischem Jazz und skandinavischem Songwriting ist das Markenzeichen von Solveig Slettahjell. Am heutigen Mittwoch präsentiert die norwegische Sängerin ihr aktuelles Album »Tarpan Seasons« in Berlin. Mit dabei ist das sechsköpfige Slow Motion Orchestra, dessen nordisch-melancholische Klänge dem Bandnamen alle Ehre machen. Mit Solveig Slettahjell sprach Antje Rößler.
Solveig Slettahjell
Solveig Slettahjell

ND: Was ist denn ein Tarpan? Eine Art Dinosaurier?
Slettahjell: Nein, aber Sie liegen gar nicht so falsch. Der Tarpan ist eine alte, längst ausgestorbene Wildpferderasse mit langem Fell. Aber durch Rückzüchtungen gibt es heute wieder einige lebende Exemplare; unser Schlagzeuger besitzt eins.

Was hat das mit Ihrem neuen Album »Tarpan Seasons« zu tun?
Auf der Platte geht es um die Musik, mit der ich aufgewachsen bin: Gospel, Soul, Country, traditioneller Jazz – amerikanische Klänge also. Als ich die Songs schrieb, fühlte ich mich, als würde mir ein Cowboy über die Schulter gucken, der mich inspiriert. Ein Cowboy braucht natürlich auch ein Pferd. Aber ein gewöhnliches Pferd sollte es halt nicht sein, daher der Tarpan.

Was unterscheidet die Platte von Ihren früheren Aufnahmen?
Hier finden sich nur Eigenkompositionen, keine Standards oder Cover-Versionen wie früher. Das ist für uns ein großer Schritt nach vorn. Acht Stücke stammen von mir; eins vom Trompeter Sjur Miljeteig und eins vom Schlagzeuger Oddvar Johansen.

Wie gehen Sie beim Songschreiben vor?
Meistens fällt mir zuerst die erste Zeile ein – Melodie und Text zusammen. Von diesem Punkt aus arbeite ich mich wie bei einem Pingpongspiel weiter voran: Mal geht es mit der Musik vorwärts; dann schreibe ich wieder ein Stückchen Text.

Welches Mitspracherecht hat die Band?
Ich stelle das Gerüst der Songs bereit, also Text, Melodie, Harmonie, Rhythmus und Tempo. Aber wie das Stück letztendlich klingt; also Klangfarben, Besetzung, Arrangement – daran tüftelt die gesamte Band.

Seit wann existiert das Slow Motion Orchestra?
Wir spielen seit neun Jahren zusammen. »Tarpan Seasons« ist unser sechstes gemeinsames Album. Ich bin wirklich froh, so enthusiastische, gute und gut aussehende Musiker um mich zu haben. (lacht)

Sie haben auch Texte von Emily Dickinson vertont. Warum gerade diese amerikanische Dichterin aus dem 19. Jahrhundert?
Emily Dickinson inspiriert mich sehr, weil sie große Themen mit schlichten Worten einfängt; und sie verwendet strenge Reime. Das entspricht meiner eigenen Herangehensweise: Ich mag es klar, einfach und konkret.

Große Themen, was heißt das?
Zum Beispiel Liebe, Familie, Verlust. Aber auch vermeintliche Kleinigkeiten wie ein Parkspaziergang oder die morgendliche Tasse Tee. Ganz schlichte, alltägliche Dinge eben, die aber das menschliche Leben ausmachen.

Häufig finden sich in Ihren Texten Naturschilderungen.
Hier handelt es sich um Metaphern, um Sinnbilder für Veränderungen oder das Leben als solches. Jahreszeiten etwa können auch für die Abschnitte des menschlichen Lebens stehen. Beim Singen wird diese Doppeldeutigkeit der Worte besonders deutlich, denn durch die Musik kommt auch das Ungesagte, der emotionale Gehalt eher zum Vorschein.

Die Nummern auf der Platte sind Songs mit festen Strukturen. Werden Sie im A-Trane auch improvisieren?
Wir betrachten uns als eine Jazzband: Auf der Bühne sind wir offen für einander und für das, was gerade in diesem Augenblick passiert. Ein Rahmen steht zwar vorher fest. Aber der wird immer wieder anders ausgefüllt und enthält auch Raum für Improvisationen.

Konzert: 24.2, 22 Uhr, A-Trane; CD: Solveig Slettahjell »Tarpan Seasons« (Emarcy/ Universal)

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