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Roslyn Brock auf Martin Luther Kings Spuren

Generationswechsel im bedeutendsten Bürgerrechtsverband der USA / NAACP sucht neues Profil

  • Von John Dyer, Boston
  • Lesedauer: 3 Min.

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Mit der 44-jährigen Roslyn Brock führt erstmals jemand den Bürgerrechtsverband der Afroamerikaner, der die Rassentrennungsgesetze selber nicht mehr erlebt hat. Die Kinder der Träume von Martin Luther King übernehmen die Verantwortung.

Die bedeutendste Bürgerrechtsgruppe in den USA hat die jüngste Vorsitzende ihrer Geschichte gewählt und damit einen Wechsel von großer gesellschaftlicher Bedeutung vollzogen. Zum ersten Mal stehen an der Spitze der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) Persönlichkeiten, die nicht mehr selber unter den Gesetzen zur Rassentrennung gelitten haben. »Wir sehen einen Generationswechsel in unserer Gemeinschaft«, sagte die 44 Jahre alte Roslyn Brock jetzt in New York, nachdem sie von den Vorstandsmitgliedern zur Vorsitzenden des »Nationalen Verbandes für die Förderung Farbiger« gewählt worden war. Der Verband habe auf der Weisheit jener aufgebaut, die in vergangenen Jahrzehnten vor schwierigen Herausforderungen standen. »Jetzt wird die Jugend unsere Bewegung zu zukünftigen Erfolgen führen.« Auch NAACP-Geschäftsführer Benjamin Jealous ist erst 37 Jahre alt.

Die verjüngte Führungsspitze will dem 101 Jahre alten Verband wieder zu mehr Einfluss verhelfen. Seine Bedeutung war in den vergangenen Jahren gesunken, weil die Erinnerung an die Erfolge der Bürgerrechtsbewegung in den 1960er Jahren langsam verblasste. Unter Martin Luther King und anderen wichtigen Bürgerrechtlern war die NAACP die Speerspitze der Bewegung zur Überwindung der Rassentrennung. Sie organisierte Streiks, Demonstrationen und Verfahren vor dem Obersten Gerichtshof, um Apartheidgesetze im tiefen Süden der USA zu beseitigen. Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte die Gruppe gegen die damals übliche Lynchjustiz in den USA protestiert. »Diese historische Wahl zu Beginn des zweiten Jahrhunderts unserer Verbandsgeschichte zeigt einen Generationswechsel in der Bürgerrechts- und Menschenrechtsbewegung«, betonte auch Jealous. »Roslyn Brock tritt entschieden für soziale Gerechtigkeit ein, sie stellt sich der Krise von heute und wird die Siege von morgen erringen.«

Die neue Vorsitzende arbeitet seit 25 Jahren für die NAACP. Nun will sie die Aktivitäten des Verbandes nicht nur auf Afroamerikaner beschränken, sondern auch die Latinos in den USA erreichen. »Es ist ein Missverständnis, dass die NAACP eine Organisation der Schwarzen sei. Das ist sie nicht. Sie ist eine multirassische, multiethnische Organisation«, sagte Brock. »Wir sprechen von farbigen Personen, also jenen, die durch den Rost einer reichen Gesellschaft gefallen sind.« Der Verband werde sich auf wirtschaftliche und andere Fragen konzentrieren, die diese Gemeinschaften in den USA derzeit bedrängen. So würden inzwischen ein Drittel aller männlichen Afroamerikaner von den Behörden überwacht – sie sitzen entweder im Gefängnis oder sind lediglich auf Bewährung frei. Die meisten dieser Männer leben in den ärmsten Vierteln US-amerikanische Städte.

»Wir sind gleichsam die Kinder eines Traums«, sagt Geschäftsführer Jealous und bezieht sich damit auf das berühmte Wort von Martin Luther King. »Uns wurde gesagt, dass alles gerecht zugehe und wir nur hart arbeiten müssten. Für viele hat das geklappt, aber allen ist klar, dass wir Teil einer Generation sind, in der die meisten Morde in diesem Lande geschehen und die die höchste Häftlingszahl auf diesem Planeten aufweist.«

Die neue Verbandsführung wird viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. Viele weiße US-Amerikaner glauben angesichts der Siege der Bürgerrechtler in den 1960er Jahren und des Einzugs von Barack Obama ins Weiße Haus nicht mehr, dass die Schwarzen Opfer weit verbreiteter Diskriminierung seien. Die Wahl junger Spitzenleute sei der beste Weg, sich an die neuen gesellschaftlichen Gegebenheiten anzupassen, meint die Professorin für Politische Wissenschaften Andra Gillespie von der Emory University in Atlanta. »Noch ist offen, welche Bedeutung die NAACP künftig haben wird. Aber dies ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung. In einer Zeit gesetzlich festgeschriebener Gleichheit und mit einem schwarzen Präsidenten muss man entscheiden, was eigentlich auf der Tagesordnung der Bürgerrechtsbewegung stehen soll.« Jealous hat schon einen ersten Erfolg für sich verbucht. Vor zwei Jahren, bei seinem Amtsantritt, war das Geld so knapp, dass ein Drittel der NAACP-Mitarbeiter entlassen werden musste. Seither haben Spenden und Finanzen jedoch einen deutlichen Aufschwung genommen.

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