Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Die Wischerinnen wischten falsch

Deutsche Curlingteams verpassen Halbfinale

  • Von Oliver Händler, Vancouver
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Enttäuschung war Melanie Robillard ins Gesicht geschrieben, und auf Interviews hatte sie eigentlich gar keine Lust mehr. »Das tut ziemlich weh. Wir waren dran am Halbfinale, haben es aber knapp nicht geschafft«, sagte die in Kanada geborene, aber jetzt für Deutschland spielende Curlerin. Viel besser hätte sie das olympische Abenteuer der deutschen Mannschaft im Vancouver Olympic Centre nicht beschreiben können.

Die deutschen Frauen und Männer waren nicht als Favoriten angetreten, hatten aber beide bis zum letzten Tag Chancen, in die Runde der besten vier Teams einzuziehen. Doch ausgerechnet gegen die direkten Konkurrenten wurden die entscheidenden Punkte verpasst. Während die Männer gegen das schottische Team verloren, unterlagen Robillard und ihre Kolleginnen vom SC Riessersee den Schweizerinnen mit 2:4. Bei einem Sieg hätte man mit den Eidgenossinnen gleichziehen können, doch am Schluss jubelten die Falschen aus deutscher Sicht.

In einem spannenden Spiel hatte Deutschland im sechsten End die Chance drei Punkte zu machen, doch die Wischerinnen wischten nicht gut genug, die Schweiz übernahm die Führung. »Den Stein haben die Mädchen verschlafen«, kritisierte Trainer Rainer Schöpp. Auch für seine Schwester, Skip Andrea Schöpp, war das der Wendepunkt der Partie. »Danach habe ich mich sehr geärgert. Ich habe dann nur noch Mist gespielt«, nahm die Spielführerin die Schuld von ihren jüngeren Kolleginnen. Die 7:8-Niederlage danach gegen Schweden hatte keine Bedeutung mehr.

»Uns hat in dem Turnier leider das Glück gefehlt. Ganz oft fiel die Entscheidung mit dem letzten Stein, und meistens fiel sie gegen uns. Ohne Glück kommst du in so einem Turnier nicht weiter«, sagte eine enttäuschte Andrea Schöpp, die noch im Dezember mit der Goldmedaille bei den Europameisterschaften an fast vergessene Erfolge aus den 90er Jahren anknüpfen konnte.

In der Tat verlor die deutsche Mannschaft bei drei von sechs Niederlagen mit nur einem Punkt Unterschied, zweimal mit nur zwei Punkten. Es habe aber nicht immer nur an einem Stein gelegen, stellte Melanie Robillard klar. »Dazu haben wir einfach zu viele Fehler gemacht.« So hatte Andrea Schöpp ihrerseits mit ihrem letzten Stein im neunten und vorletzten Durchgang die Chance, der Schweiz einen Punkt zu stehlen, doch fehlte auch hier die letzte Präzision, und die Schweizerinnen zogen davon.

Dabei waren auch die Curlerinnen aus dem Nachbarland nicht frei von Nervenflattern. »Bei meinen letzten Steinen haben mir ganz schön die Beine gezittert«, meinte die 32-jährige Schweizerin Carmen Küng. »Zum Glück haben meine Kolleginnen das noch rausreißen können.«

»So ist das nun mal im Curling. Die Spiele sind offen, Kleinigkeiten machen den Unterschied«, sagte der deutsche Trainer Schöpp. Die Leistung seiner Spielerinnen im gesamten Turnierverlauf sei aber in Ordnung gewesen. Immerhin war die Mannschaft mit zwei Siegen gestartet, hatte dann aber gegen alle späteren Halbfinalisten verloren. »Wir haben schon an den Tagen vor dem Schweiz-Spiel das Heft aus der Hand gegeben«, resümierte Schöpp.

Währenddessen dürfen die Fans der Gastgeber weiter jubeln, denn beide kanadischen Mannschaften hielten bislang dem Erwartungsdruck stand und erreichten jeweils als Erste der Vorrunde das Halbfinale. Dort treffen Kanadas Frauen auf die Schweiz. Carmen Küng sollte ihr Beinezittern also schnellstens in den Griff bekommen.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln