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Illegal in der Schweiz

80 Prozent der ausländischen Anlagen sind steuerliches Schwarzgeld

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 3 Min.
Ein Argument, das gegen den Kauf der Schweizer Steuer-CD ins Feld geführt wird, lautet: Sie enthält in großer Mehrzahl die Daten unbescholtener Anleger. Dies freilich kann ausgeschlossen werden, wie eine aktuelle Studie aus der Schweiz zeigt.

Eine aktuelle Studie zeigt, woher das viele Schwarzgeld auf Schweizer Bankkonten stammt. Die Diskretion ist vor allem seinen Nachbarn lieb und häufig vor allem teuer: Bislang soll über eine halbe Billion Euro Schwarzgeld in die Schweiz geflossen sein. Der größte Brocken kommt aus Deutschland.

Insgesamt lagerten Kunden aus der EU in der Schweiz 862,7 Milliarden Franken ab, rechnet der Genfer Finanzdienstleister Helvea vor. Und durchschnittlich 80 Prozent der privaten ausländischen Anlagen sollen »nicht deklariert« worden sein, sind also Schwarzgeld. Eine überraschend hohe Zahl – bisher hatte man in Anlehnung an den rechtspopulistischen Privatbankier Konrad Hummler von von 30 bis 50 Prozent gesprochen.

Folgt man der neuen Studie der Finanzmarktkenner, haben EU-Bürger 725 Milliarden Franken Schwarzgeld in der schneereichen Alpenrepublik deponiert; das sind mehr als 500 Milliarden Euro. Davon entfallen etwa 130 Milliarden Euro auf deutsche Steuerhinterzieher, 126 Milliarden auf Italiener und 62 Milliarden auf Franzosen. Die Studie zeigt ferner, dass auch andere Steueroasen wie London und Wien im großen Stil von der Steuerflucht in die Schweiz betroffen sind. 40 Milliarden Euro legten Briten im monetären Bermudadreieck Basel-Zürich-Genf an, 12 Milliarden Österreicher. Auch von weither wird die Anonymität des Finanzplatzes gesucht: Über 16 Milliarden Euro legten Griechen in der Schweiz auf die hohe Kante.

Öffentlich wurden die heiklen Helvea-Zahlen durch die Westschweizer Zeitung »Le Matin«. In Kenntnis dieser Zahlen werde es verständlicher, dass Deutschland, Italien oder Frankreich die Schweiz angreifen würden, um ihre Steuern einzutreiben, schreibt das Blatt mit Blick auf diejenigen Schweizer Bürger, die ihr Land zu Unrecht an den internationalen Pranger gestellt sehen.

Profiteure der Steuerflucht sind die Großbanken Crédit Suisse und UBS sowie andere Privatbanken – nicht die Sparkassen und Genossenschaftsinstitute. Die Verwaltung der Offshore-Vermögen aus dem Ausland trägt rund drei Prozent zum Schweizer Bruttoinlandsprodukt bei, schätzte die Bankiervereinigung in Zürich für 2006.

Die Verwaltung der Gesamtsumme ausländischer Vermögen von 2600 Milliarden Franken beschäftigt heute 35 000 Menschen und bringt dem Fiskus in einem guten Jahr rund drei Milliarden Franken ein. Zwei Drittel der Gelder sind Vermögen von institutionellen Kunden – vielfach Stiftungen, hinter denen wieder private Interessen stecken.

Der linke Publizist und Volkswirt Rudolf Strahm schätzt die Wertschöpfung der Schweizer Banken auf 6 bis 8 Prozent des BIP. Mit einem Ende des Bankgeheimnisses würde dieser Anteil lediglich auf 5 bis 7 Prozent sinken. Die Bedeutung des Sektors werde im In- und Ausland »maßlos überschätzt«, so Strahm. Die Realwirtschaft mit Maschinenindustrie, Pharmaunternehmen und Tourismus sei viel wichtiger für das Land.


Lexikon

Der englische Begriff offshore bedeutet: vor der Küste. Er hat auch eine juristische Dimension und meint: außerhalb der Rechtshoheit. Im britischen Kolonialreich etablierten sich Dependencen wie die Kanalinseln oder Kolonien etwa in der Karibik, ebenfalls kleine Inseln, als Offshore-Finanzplätze. Heute zählen auch Zentren auf dem Festland wie die Schweiz dazu. Sie bieten Ausländern extrem niedrige Steuersätze, Verschwiegenheit und Rechtssicherheit. Die Anleger müssten ihre Offshore-Zinseinkünfte eigentlich zuhause versteuern, was sie oft nicht tun. Dank des Bankgeheimnisses bleiben sie vom Fiskus unentdeckt. ND

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