Werbung

»... aber Italien schämt sich ihrer«

Streiks, Kundgebungen und andere Aktionen ausländischer Werktätiger in Ländern Europas

  • Von Anna Maldini, Rom
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

»1. März 2010 – Ein Tag ohne uns«. Unter diesem Motto legten am Montag in Italien, Frankreich, Spanien und Griechenland ausländische Werktätige ihre Arbeit nieder. Sie protestierten so gegen ihre Ausgrenzung und den Rassismus, der in einigen Ländern – und besonders in Italien – von Regierung und Institutionen auch noch unterstützt und gefördert wird.

»Unsere Gesellschaft lebt dank der Arbeit von Tausenden von Ausländern. Italien funktioniert Tag für Tag, weil es sie gibt – aber Italien schämt sich ihrer. So versucht die italienische Gesellschaft, sie zu ignorieren, auszugrenzen, im Meer zu ertränken, wie man es mit einem zu großen Wurf von kleinen Katzen macht. Sie schämen sich unser? Gut, dann wollen wir mal sehen, was geschieht, wenn es uns einen Tag lang nicht gibt.« So heißt es in dem Manifest, dass Migranten in Italien für den »Tag ohne uns« ausgearbeitet haben.

Im Mittelmeerland leben etwa 4,5 Millionen Ausländer. Es sind in erster Linie Rumänen, Albaner, Marokkaner und Philippiner, aber auch zahlreiche Schwarzafrikaner. Sie arbeiten (meist illegal) in der Landwirtschaft, in der Stahl- und Möbelindustrie (hier mit regulärem Arbeitsvertrag) und in der Betreuung von Kindern und Alten. In einem Land, in dem es kaum Altersheime gibt, werden die alten Menschen fast immer sogenannten Badanti anvertraut, meist Frauen aus Osteuropa, die sich zu Hause rund um die Uhr um sie kümmern, manchmal mit, manchmal ohne Arbeitsvertrag.

Aber die Italiener wollen das nicht wahrhaben. Von Seiten der Regierung, der Kommunen und vieler Medien wird das Bild verbreitet, dass Ausländer etwas Böses sind, Kriminelle, Terroristen, Abschaum.

Und da wird auch kein Unterschied gemacht zwischen den regulären Arbeitnehmern und denen ohne Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung (nach Schätzungen etwa 500 000). Selbst für »bunte« Kinder ist in den Kindergärten und Schulen oft kein Platz.

Leider war aber ein wirklicher Streik außer in ganz wenigen Fällen auch am Montag nicht möglich. Die Schwarzarbeiter können ihre Arbeit nicht niederlegen – das ist klar. Aber auch die regulär Beschäftigten können das nicht. Die großen Gewerkschaften haben die Initiative zwar formal unterstützt, dann aber ihrerseits keinen Generalstreik gegen den Rassismus ausgerufen – und damit wäre jede Arbeitsniederlegung juristisch gesehen eine »Arbeitsverweigerung« und Grund für eine Abmahnung. Und kaum jemand – egal ob Italiener oder Ausländer – würde heute seinen Arbeitsplatz leichtfertig aufs Spiel setzen.

Trotzdem wurden in über 60 italienischen Städten Initiativen organisiert. Kundgebungen und Demonstrationen (wie in Rom und Mailand), aber auch »alternative Kampfformen«. In Triest zum Beispiel sind die Ausländer ausgerückt, um die rassistischen Schmierereien an Hauserwänden zu entfernen. In Palermo fand eine »schwarze Nacht« mit afrikanischer Musik statt, in Bologna eine Fotoausstellung über die »neuen Italiener«.

Neben den linken Parteien (Demokraten, Kommunistische Neugründung, Ökologische Linke und Freiheit) hatten sich auch zahlreiche Intellektuelle solidarisch erklärt, darunter Nobelpreisträger Dario Fo, die Schriftsteller Andrea Camilleri und Moni Ovadia sowie der Fotograf Oliviero Toscani.

Von Toscani stammt auch das offizielle Plakat des Tages: Ein schwarzer Giorgio Napolitano, Italiens Staatspräsident. Für Italien ist das eine echte Provokation, wenn man bedenkt, dass selbst Mario Balotelli, ein durch und durch italienischer Fußballer mit schwarzer Hautfarbe, jedes Mal Buh-Rufe ertragen muss, wenn er mit seiner Mannschaft Inter Mailand im Stadion aufläuft.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen