Ein Novum für den Kirchentag

Die Planer des Ökumenischen Treffens im Mai wollen das Thema Sexueller Missbrauch nachträglich ins Programm nehmen

  • Von Rudolf Stumberger, München
  • Lesedauer: 4 Min.
Der 2. Ökumenische Kirchentag findet vom 12. bis 16. Mai in München statt, zu dem Christentreffen werden mehrere hunderttausend Teilnehmer erwartet. Ursprünglich sollte das Thema Kirche und sexueller Missbrauch keine Rolle spielen.

»Damit ihr Hoffnung habt« – so heißt das Leitwort des 2. Ökumenischen Kirchentages im Mai in München. Dass es auch um das Thema Kirche und sexueller Missbrauch gehen wird, ist dem bisher vorliegenden Programm noch nicht zu entnehmen.

»Ich gehe davon aus, dass wir dazu ein eigenes Forum einrichten werden. Wir wollen das aufgreifen, das ist ein wichtiges Thema«, so Theodor Bolzenius, der katholische Pressesprecher des Kirchentages. Schon in nächster Zeit soll über ein derartiges Forum entschieden werden. »Das Thema ist natürlich an uns herangetragen worden«, so der Sprecher. Mittlerweile ist auch das bayerische Benediktinerkloster Ettal mit Missbrauchsfällen am dortigen Internat konfrontiert, der Abt des Klosters ist zurückgetreten. Der Kirchentag, zu dem vom 12. bis 16. Mai mehrere hunderttausend Besucher in der bayerischen Landeshauptstadt erwartet werden, wird so thematisch durch ein brisantes Thema erweitert.

3000 Veranstaltungen

Neben zahlreichen Gottesdiensten hat sich der Kirchentag ein breites Spektrum an Themen vorgenommen. Es soll Foren und Podien zu »Armut und Reichtum«, zu »Frieden und Sicherheit«, zu »Angst und Fundamentalismus« oder auch über »Wege aus der Krise« geben. Rund 3000 Veranstaltungen und Kulturangebote stehen auf dem Programm.

Die Vorbereitungen dazu laufen in der bayerischen Landeshauptstadt auf Hochtouren. Ein Team von 80 Mitarbeitern sitzt in den Büroräumen in der Nähe des Hauptbahnhofes und plant und organisiert. Ein paar Kilometer entfernt ist am Glockenturm der St. Mathäuskirche am Sendlinger Tor ein Hinweis auf das Kommende zu sehen. Ein großes Plakat zeigt zwei Mädchen, die über die Wasseroberfläche des Chiemsees laufen, im Hintergrund die Berge. Das Motiv, das von einer Münchner Werbeagentur entworfen wurde, soll das Leitwort des 2. Ökumenischen Kirchentages versinnbildlichen.

Die Veranstaltungen des Kirchentages sind in München über die ganze Stadt verteilt. Auf zentralen Plätzen wie dem Marienplatz sollen Open-Air-Bühnen aufgebaut werden. Die Auftaktveranstaltung findet auf der Theresienwiese statt, wo ansonsten im Herbst die Bierzelte des Oktoberfestes aufgestellt werden. An die 400 000 Besucher werden zu der Eröffnung des Kirchentages erwartet. Auf dem zentral gelegenen Odeonsplatz werden am 14. Mai an 1000 Tischen rund 10 000 Menschen an der gemeinsamen ökumenischen Vesper teilnehmen. Dafür suchen die Veranstalter noch 1000 Betreuer.

Weitere 6000 ehrenamtliche Helfer sollen überhaupt erst die Organisation und den Ablauf des Kirchentages ermöglichen. Sie helfen bei den Aufbau- und Abbauarbeiten, kontrollieren die Eintrittskarten oder sind als Dolmetscher oder Fahrradkuriere unterwegs.

Kosten: 26 Millionen Euro

Der Kirchentag ist nicht nur eine spirituelle Veranstaltung, sondern hat natürlich auch ein ökonomische Seite. Der Etat für das Großereignis beträgt rund 26 Millionen Euro. Der Bund trägt dazu mit 1,55 Millionen Euro bei, der Freistaat Bayern mit weiteren fünf Millionen. Auch die Landeshauptstadt München ist mit 3,65 Millionen mit dabei. Die katholische und die evangelische Kirche geben jeweils 2,5 Millionen Euro, der verbleibende Restbetrag von etwa 10,8 Millionen Euro soll durch Teilnehmerbeiträge, Spenden und Sponsoring aufgebracht werden.

Für die Stadt München stellen die Kirchentagsbesucher einen nicht unerheblichen Wirtschaftsfaktor. Dabei wird ein Großteil der Übernachtungen garnicht in den Hotels stattfinden. Rund 70 000 Schlafplätze stehen in den 280 Schulen in München und den angrenzenden Landkreisen zur Verfügung.

Eingeplant sind auch 15 000 Privatquartiere, in denen vor allem Ältere, Familien oder Behinderte unterkommen sollen. Bisher wurden 3000 Unterkünfte gemeldet – es muss also noch geworben werden. Zur Finanzierung beitragen soll auch der Verkauf von Kirchentags-Artikeln. Das Angebot reicht dabei vom Babylätzchen über das T-Shirt in Orange für Frauen bis zu Silberring und Edelstahlkreuz. »Umweltschutz und Nachhaltigkeit werden bei uns groß geschrieben«, betonen die Veranstalter. »Deswegen achten wir darauf, dass unsere Produkte unter möglichst ökologischen, sozialverträglichen und fairen Bedingungen hergestellt werden.«

Brotbrett »Dreifaltigkeit«

Auch etwas bayerisches soll dabei sein: »Dreifaltigkeit« nennt sich ein dreieckiges Brotzeitbrett, das in Fürstenfeldbruck in einer Behindertenwerkstätte der Caritas hergestellt wird. Das Buchenholz kommt aus dem Spessart, auf dem Brett ist der Segenskreis sowie der Satz »Die Hoffnung nähren« eingraviert. Der Sechserpack kostet allerdings 40 Euro.


Razzia im Kloster

Ettal (epd/ND). Nach der Durchsuchung des bayerischen Klosters Ettal am Dienstag hat die Abtei ihren Willen zur Aufklärung der Missbrauchsvorwürfe bekräftigt. Man habe der Staatsanwaltschaft am Dienstag »aus freien Stücken« Unterlagen zu den Vorwürfen ausgehändigt, teilte eine Sprecherin der Abtei am Mittwoch mit. Es gehe um sechs Fälle, über die die Justiz bereits vergangene Woche informiert worden sei. Darüber hinausgehende Vorwürfe gegen das Kloster oder einzelne Patres gebe es nicht, hieß es weiter. Am Dienstag hatte die Staatsanwaltschaft München II in dem Kloster Akten zu dem Missbrauchsverdacht gegen mehrere Patres sichergestellt. Der von der Abtei beauftragte Sonderermittler und Münchner Anwalt Thomas Pfister will an diesem Freitag seinen Bericht veröffentlichen.

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