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In der Innenstadt wird's teuer

Günstige Wohnungen sind in Bezirken wie Friedrichshain-Kreuzberg kaum zu bekommen

Wer in Charlottenburg-Wilmersdorf, Friedrichshain-Kreuzberg oder Steglitz-Zehlendorf eine Wohnung sucht, muss gut bei Kasse sein: Unter fünf Euro pro Quadratmeter netto/kalt ist hier kaum ein Quartier anzumieten. Während in ganz Berlin durchschnittlich noch jede fünfte Wohnung für diesen Preis zu haben ist, sind es in diesen drei Bezirken weit weniger als zehn Prozent. Dies geht aus dem gestern vorgestellten Wohnungsmarktbericht der Investitionsbank Berlin (IBB) hervor.

Die preiswertesten Wohnungsangebote findet man vorwiegend in den Großsiedlungen. In Spandau, Reinickendorf, Neukölln sind deshalb noch mehr als 30 Prozent aller Wohnungen für weniger als fünf Euro pro Quadratmeter zu haben, in Marzahn-Hellersdorf sogar mehr als 50 Prozent. Die höchsten Angebotsmieten weist der Bericht dagegen in einem »Gürtel« von Prenzlauer Berg über das Regierungsviertel und die City-West bis nach Dahlem aus. Besonders teuer ist es in Charlottenburg-Wilmersdorf, wo 40 Prozent der Offerten über sieben Euro pro Quadratmeter liegen, sowie in Steglitz-Zehlendorf, Pankow und Friedrichshain-Kreuzberg, wo jeweils rund 30 Prozent der Angebote diese Regionen erreichen. Im Durchschnitt werden Wohnungen in Berlin für 5,82 Euro pro Quadratmeter angeboten. Sie sind damit etwa einen Euro teurer als vermietete Wohnungen.

Zwar sind Wohnungen in Berlin deutlich preiswerter als in anderen Großstädten oder sogar Rostock, was Thomas Brand von der Stadtentwicklungsverwaltung als deutlichen Standortvorteil pries. Doch die Einkommensentwicklung hält mit der Miete kaum Schritt. Während die Mieten in Berlin seit 1999 jährlich im Schnitt um 2,1 Prozent gestiegen sind (in den vergangenen zwei Jahren allerdings nur um jeweils 0,8 Prozent), legten die Einkommen lediglich um 1,1 Prozent zu. Dennoch spricht Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) weiterhin von einer moderaten Mietentwicklung, und von einer angespannten Marktlage könne keine Rede sein. Der IBB-Bericht zeigt jedoch, dass es in einigen Bezirken kaum noch Mietangebote für Normalverdiener gibt.

Damit belegt er eine weitere sozialräumliche Polarisierung, wie der Berliner Mieterverein kritisiert. Besonders für Friedrichshain-Kreuzberg sieht er Probleme. »Trotz unterdurchschnittlicher Einkommen sind hier die günstigsten Mietangebote schon deutlich teurer als die durchschnittlichen Preise freier Wohnungen in Spandau, Neukölln und Marzahn-Hellersdorf«, so Geschäftsführer Reiner Wild. Die hohen Neuvertragsmieten würden über den Mietspiegel aber auch die bestehenden Mieten beeinflussen. Wild beklagt, dass die Senatsverwaltung ihren eigenen Bericht nicht ernst nehme. Statt Lösungen für den deutlichen Anstieg der Mieten bei neuen Verträgen zu finden, interessiere man sich für die Abwerbung zuzugswilliger Gutverdiener.

Immerhin will der Senat auf Antrag der Koalitionsfraktionen prüfen, ob per Bundesratsinitiative die derzeit elfprozentige Kappungsgrenze bei Modernisierungen und die Möglichkeit zur 20prozentigen Mieterhöhung innerhalb von drei Jahren weiter begrenzt werden können.

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