Die traumatisierte Stadt

Am 11. März vor einem Jahr hielt Winnenden den Atem an

  • Von Wolfgang Schmidbauer
  • Lesedauer: ca. 4.0 Min.

Im Spätherbst 2009 war ich als Vortragender in Winnenden eingeladen. Der Ort bei Stuttgart teilt mit Erfurt die Erschütterung durch einen Schul-Amoklauf mit zahlreichen Todesopfern. Mein Auftritt hatte damit nichts zu tun. In Sichtweite der durch diese Tragödie bekannten Realschule stehen hier, in einem Vorort von Stuttgart, die verschachtelten Gebäude der Paulinenhilfe, eines Berufsbildungswerkes, das von der Württemberger Königin Pauline gegründet wurde und sich auf Hörbehinderte spezialisiert hat. Ich hielt mein Referat und beantwortete viele Fragen zum Helfersyndrom, so gut ich konnte; es war ein anregender Tag. Dolmetscher für Gebärdensprache übersetzten Vortrag und Diskussion simultan.

Abends stieg ich, beschenkt mit zwei Flaschen Paulinentröpfchen vom hauseigenen Weinberg, in den Zug. Vor zwei Jahren hätte ich Winnenden vor der Einladung nicht gekannt, den Ort nachher gewiss auch bald wieder vergessen und mich nur noch an meine G...

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