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Dicker Scheck in letzter Minute

Die Erwerber der Spielbanken in Sachsen-Anhalt erweisen sich als Meister der Verzögerung

  • Von Hendrik Lasch, Magdeburg
  • Lesedauer: 3 Min.
Fast war der Verkauf schon abgeschrieben: Nachdem es mit Mühe gelungen war, die drei Spielbanken in Sachsen-Anhalt an ein zyprisches Unternehmen zu veräußern, blieb der Kaufpreis aus. Am Montag wurde die Million doch gezahlt – per Scheck.

Wäre Stefan Sadeh Krimi-Autor, könnte man ihm attestieren, elegante Spannungsbögen zu schlagen. Darüber, ob die Schaffung von »suspense«, also der größtmöglichen Verzögerung eines sehnlich erwarteten Ereignisses, auch im Geschäftsleben als besondere Qualität gilt, ist man in Magdeburg allerdings geteilter Ansicht. Sadeh jedenfalls schaffte es, zumindest das Finanzministerium in große Spannung zu versetzen – und diese erst in letzter Minute aufzulösen.

Las Vegas in Vockerode

Sadeh ist deutscher Landesmanager bei der Sybil Group aus Zypern. Die erhielt per 1. Januar den Zuschlag als neuer Eigentümer der drei Spielbanken des Landes Sachsen-Anhalt. Das Land hatte diese veräußert, weil die Casinos nicht Geld in die Landeskassen brachten, sondern zuletzt drei Millionen Euro Zuschüsse benötigten. Der Verkauf stand unter keinem guten Stern: Ein favorisierter Käufer sprang ab, ein anderer wollte ein Brautgeld; am Ende blieb nur Sybil übrig.

Die Firma rühmt sich auf ihrer Homepage, sie besitze die »einzigartige Fähigkeit zum Erkennen und Realisieren von kommerziellem Potenzial auf strategischen Grundstücken«. In Deutschland betreibt sie bislang nur das strategisch eher unbedeutende »City Forum« in Weißwasser, hat aber atemberaubende Pläne. Als neuer Inhaber der Spielbank-Lizenz will sie in dem ehemaligen Kraftwerk Vockerode an der Autobahn Berlin – München eine Art »Las Vegas« des Ostens errichten, ein Entertainmentparadies mit Hotels und Läden vom Feinsten sowie einem Yachthafen. Die Kosten sollen 300 Millionen Euro betragen. Bevor es los geht, waren aber noch ein paar Kleinigkeiten zu erledigen, so das Begleichen des Spielbanken-Kaufpreises. Sybil hatte zwar Sicherheiten von 2,3 Millionen hinterlegt. Auf die im Januar fällige Kaufsumme von einer Million hatte das Land aber vergebens gewartet. Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) hatte schließlich eine Frist bis zum Montag dieser Woche gesetzt und bereits angedroht, die Spielbank-Lizenz einzuziehen.

Während aber eine überregionale Zeitung dem Land schon »Pech mit dem Glücksspiel« bescheinigte, erwies sich Sybil-Manager Sadeh als »Master of Suspense«, ein Titel, wie ihn einst Alfred Hitchcock trug: Am Montag gegen halb fünf, so die »Mitteldeutsche Zeitung«, erschien er im Ministerium und übergab die Million – per Scheck. Man sei »etwas überrascht« gewesen, räumte Sprecher Rainer Metke auf Anfrage ein. Üblicherweise würden derlei Beträge per Überweisung erledigt: »Im Nahen Osten ist das offenbar etwas anders.« Jetzt würde die Zahlung geprüft; dann ist der Verkauf aus Landessicht perfekt.

LINKE skeptisch

Ob sich die Erwartungen an den Käufer erfüllen, bleibt abzuwarten. Gerald Grünert ist skeptisch. Zum einen sei zunächst »nur ein Stück Papier übergeben worden«, sagt der Linksabgeordnete. Unklar sei zudem, ob das Land Fördergelder für das Projekt in Vockerode zugesagt habe. Wird dieses umgesetzt, könnten, so befürchtet Grünert, die drei Casinos in Wernigerode, Magdeburg und Halle zur Disposition stehen. Grünert hält es auch nicht für ausgeschlossen, dass sich das ambitionierte Projekt vom kleinen Las Vegas zu einem »Rohrkrepierer« entwickelt. Der Spannungsbogen, den Sybil so gut beherrscht, kann im Happy End münden – oder im Ableben von Protagonisten.

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