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Faster-Than-Light

Die Wucht der Bilder

  • Von Volkmar Draeger
  • Lesedauer: 3 Min.

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Eigentlich, sagt Volker Eisenach, hätte er gern die Musik von Sergej Prokofjew verwendet. Aber die wäre zu teuer gewesen. So läuft sein Tanztheater »Romeo und Julia« zum originalen Soundtrack des Films mit Leonardo DiCaprio. An rasante Szenen und Schnitte in Video-Ästhetik erinnert man sich da, an Kämpfe hitziger Gangs, und all das in Kontrast zum Shakespeare-Text. Wie qualitätvoll die Filmmusik ist, vom südamerikanischen Rhythmus auf der Capulet-Party über lyrisches Klavier in den Szenen der Liebenden bis zum gesungenen Requiem für die Toten, macht Eisenachs Inszenierung so recht bewusst. Rund 50 Tänzer setzt er dazu ein und legt eines seiner überzeugendsten Stücke für die Faster-Than-Light-Dance-Company vor.

Auf eine Stunde verdichtet er die Geschehnisse und ist dabei insofern an die Aufnahme gebunden, als sie über die Musik gesprochene Teile enthält. So ist auch DiCaprio bisweilen im Boot, wenigstens per Stimme. Am Ende hat der Zufall Eisenach in die Hand gespielt, entspricht doch der Soundtrack wohl eher dem Empfinden der jungen Amateure als die Ballettpartitur mit ihrem hohen Anspruch. Was auch an dieser Aufführung wieder besticht, ist das Talent des Choreografen, große Gruppenbilder zu stellen, seine Tänzer darin gut aussehen zu lassen und die Möglichkeiten des Raums, hier des Fontane-Hauses, ideal zu nutzen.

Durch die Gassen des Saals ziehen sie auf, Gelb die Montagues, Violett die Capulets. Und stürzen sich, kaum haben sie die Bühne erreicht, in fast akrobatische Konfrontation. Besonders durch rasche Wechsel und flinke Läufe erzielt die Choreografie Tempo und eine die ganze Szene ausspannende Dynamik. Flitterstreifen wie Cheerleader schwingt man unter Masken auf der heißen Capulet-Party, die so stimmungsvoll Romeo und Julia zusammenführt: Über die Körper seiner Freunde sucht er sie zu erreichen, die mit ihren Freundinnen auf einer Balustrade hoch über der Bühne wartet. Rankende Arme der Mädchen oben, auf dem Saalboden still lagernde Jungen rahmen das Liebesduett.

In den Begegnungen der Liebenden geraten die Darsteller tanztechnisch an ihre Grenzen, punkten indes mit Natürlichkeit. Höhepunkte der Inszenierung sind die oft in Zeitlupe gestellten, teils fulminanten Massenkämpfe, die gegenläufige Prozession der verfeindeten Familien mit ihren Toten Mercutio und Tybalt, die im Schmerz so gleichen Klagen mit betend erhobenen Händen, die Formationen zu sinfonischem Klang. Wagners Liebestod der Isolde scheint über dem Schlussbild kurz aufzuwogen, wenn sich hinter dem geopferten Paar zu spät die Clans aussöhnen.

Zwei Besetzungen für die Hauptpartien hat Eisenach einstudiert. Mit ihren 15 Jahren entspricht Gina Braumann Julias Alter bei Shakespeare. Seit knapp zwei Jahren erst gehört die Schülerin zur Gruppe, tanzt nun ihre erste große Rolle. Leicht fiel es ihr nicht, sich in sie hineinzuversetzen, selbst wenn in Jeans agiert wird. Ebenfalls zwei Jahre ist der 18-jährige Abiturient Anatol Berg dabei, sucht den Part des Mercutio durch Eigenes auszufüllen und fühlt sich dabei von der Emotion der Musik getragen. Erst im Oktober stieß Tim Czerwonatis zum Team und verfügt mit seinen 20 Jahren bereits über Schauspielerfahrung. Die tragische Liebe seines Romeo blieb ihm bislang gottlob erspart.

18./19.3., 19.30 Uhr, Fontane-Haus, Wilhelmsruher Damm 142c, Tel.: 50 91 44 48

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