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Shoppen für mehr Lohn?

Heike Gerstenberger über eine ungewöhnliche Aktion zum Equal Pay Day / Gerstenberger ist Gleichstellungsbeauftragte im Berliner Bezirk Pankow

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Fragwürdig: Shoppen für mehr Lohn?

ND: Frauen verdienen in Deutschland durchschnittlich immer noch 23 Prozent weniger als Männer. Entwickelt sich Deutschland nicht weiter?
Gerstenberger: Die Ursachen für diese 23 Prozent sind sehr vielfältig. Wir haben zum einen die Tendenz, dass Frauen oft in Jobs sind, die schlechter bezahlt werden, z. B. verdient ein Straßenbauarbeiter mehr als eine Altenpflegerin. Hier ist es dringend notwendig, dass man eine Umbewertung der Berufe bzw. der Eingruppierung vornimmt. Zum anderen arbeiten Frauen häufiger in Teilzeit oder steigen zeitweise wegen der Kinder aus dem Beruf aus. Wenn bessere Rahmenbedingungen geschaffen würden, auch durch ausreichende Kindertagesstätten, wäre das eine Verbesserung. Aber wir haben natürlich auch das Phänomen, dass in einem Unternehmen der Koch und die Köchin unterschiedlich verdienen.

Hier sind also politische und strukturelle Veränderungen unbedingt gefordert. Wir müssen darauf achten, dass Unternehmen und Gewerkschaften in die Pflicht genommen werden und sogenannte Frauenberufe eine andere Bewertung bekommen.

Der 26. März ist dieses Jahr der Tag der Lohngleichheit. Wieso gerade dieses Datum?
Am 26. März 2010 erreichen Frauen in Deutschland das durchschnittliche Jahreseinkommen der Männer im Jahr 2009. Das wird statistisch berechnet. Im letzten Jahr war es, glaube ich, der 23. März.

In Berlin haben sich die bezirklichen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten zum 26. März eine etwas ungewöhnliche Aktion einfallen lassen.
In Kooperation mit dem FrauenComputerZentrumBerlin e.V. und dem Business and Professional Women Club Berlin rufen wir Unternehmen dazu auf, den Frauen am 26. März 23 Prozent Rabatt einzuräumen für einen Artikel oder eine Dienstleistung innerhalb ihres Geschäftes. Diese Aktion ist schon in Mannheim und in Trier gelaufen und war sowohl für die Frauen als auch für die Unternehmen sehr erfolgreich. Auf der Website www.23-prozent.de sind schon über 100 Unternehmen, die sich bereit erklärt haben mitzumachen. Darunter sind beispielsweise Schuhläden, Restaurants, aber auch der Autoanmeldedienst Formel 1.

Was versprechen Sie sich von dieser Aktion?
Wir versprechen uns davon in erster Linie eine Sensibilisierung für das Problem, denn ich glaube, es ist vielen noch gar nicht so präsent, dass dieser große Lohnunterschied besteht. Ich glaube, wir erreichen so mehr Frauen, als wenn wir eine Diskussionsveranstaltung machen würden.

Wollen Sie die Männer nicht auch sensibilisieren?
Natürlich wollen wir auch Männer auf dieses Problem aufmerksam machen. Wir haben ja auch Unternehmer, die sich an der Aktion beteiligen. Männer bekommen allerdings an diesem Tag keinen Rabatt.

Shoppen gehen – ist das nicht ein wenig klischeehaft?
Es sind ja auch Cafés und Restaurants beteiligt. Und es geht dabei auch gar nicht ums Einkaufen, sondern darum, dass Frauen zusammentreffen und über Lohngleichheit ins Gespräch kommen.

Was hat es mit der roten Tasche auf sich, die die Frauen zur Aktion mitnehmen sollen?
Den Equal Pay Day gibt es jetzt zum dritten Mal. Beim Debüt 2008 haben wir uns für die rote Tasche als Symbol entschieden. Sie steht für die leere Geldbörse der Frauen.


Fragen: Nissrine Messaoudi

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