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»Deutschland ist ein aktiver Partner«

Namibias Botschafter Neville Gertze über das Verhältnis zur einstigen Kolonialmacht

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Namibias Botschafter in Deutschland, Neville Gertze, äußerte sich sehr befriedigt über die Entwicklung der deutsch-namibischen Beziehungen. Mit ihm sprach für ND Hans-Georg Schleicher.
Unabhängigkeit Namibias: »Deutschland ist ein aktiver Partner«

ND: 1989 erklärte der Bundestag Namibia zum »besonderen Schwerpunkt deutscher Entwicklungszusammenarbeit«. Spiegelt sich das in den bilateralen Beziehungen wider?
Gertze: Die Beziehungen haben sich sehr gut entwickelt, politisch und ökonomisch. Angesichts gemeinsamer Interessen in der Frage erneuerbarer Energien, Klimawandel und globaler Erwärmung wollen wir dort mit Deutschland auch technologisch zusammenarbeiten. Ganz wichtig ist die Armutsbekämpfung, eng verbunden mit Bildung und Ausbildung. Hier ist Deutschland ein aktiver Partner. Auch im Umweltschutz sind deutsche Technologien gefragt. Weitere Bereiche sind die Infrastruktur – Wasser, Straßen, Häfen, nicht zuletzt der Tourismus. Die Zahl deutscher Besucher in Namibia stieg auf jährlich 81 000. Aber auch Namibiern sollten Besuche in Deutschland erleichtert werden. Ökonomisch hoffen wir auf ein stärkeres Engagement der deutschen Privatwirtschaft.

Wie sieht es in der Entwicklungszusammenarbeit aus?
Das Niveau dieser Zusammenarbeit ist außergewöhnlich hoch, sie konzentriert sich auf Bereiche, in denen wir die eigene Entwicklung beschleunigen wollen. Das Gesundheitswesen bleibt dabei ein Schwerpunkt, auch der Kampf gegen HIV/Aids, wo wir wertvolle Hilfe erhalten. Bei der Unterstützung kleiner und mittelständischer Unternehmen begrüßen wir Aktivitäten der Kreditanstalt für Wiederaufbau.

Wie sehen Sie die Haltung der deutschen Regierung, aber auch gesellschaftlicher Kreise, zu Namibia? Wie stark ist Ihre Lobby in Deutschland?
Ich habe noch nie in einem Land gearbeitet, wo Namibia solch breite Unterstützung erfährt wie in Deutschland. Das erleichtert meine Arbeit. Viele zivilgesellschaftliche Organisationen unterstützen uns. Ich bin sehr zufrieden über die Kooperation mit dem Auswärtigen Amt und den anderen Ministerien. Das müssen wir allerdings noch stärker der Öffentlichkeit vermitteln – in beiden Ländern. Der regelmäßige Austausch hochrangiger Besuche ist wichtig. Unser Präsident Hifikepunye Pohamba hat Deutschland besucht, wir erwarten nun den Gegenbesuch des deutschen Staatsoberhauptes. Ich hoffe auch auf mehr gegenseitige Besuche von Ministern und Staatssekretären.

Eine andere Beziehungsebene sind menschliche Kontakte. Welche Rolle spielen sie?
Eine größere Rolle, als man oft glaubt. Durch die damalige Solidarität vor allem in Ostdeutschland mit Namibias Befreiungskampf gibt es viele persönliche Bindungen. Denken wir an die namibischen Kinder, die in der DDR aufgewachsen sind, sie sind eine wichtige Brücke. Wir können diese Solidarität nie vergelten, haben aber die Befriedigung, dass viele Menschen weiter eng mit Namibia verbunden sind. Ihr Engagement ist eine wichtige Unterstützung. Ich möchte unsere tiefe Dankbarkeit für die damalige Unterstützung für die SWAPO und die Befreiung Namibias ausdrücken.

Sie würdigten die engen Beziehungen. Wo gibt es Probleme in der Partnerschaft?
Natürlich gibt es auch Probleme. In jüngsten Presseberichten ging es um Probleme zwischen einer deutschen Institution und der namibischen Regierung bzw. Regierungspartei, nicht um zwischenstaatliche Beziehungen, auch wenn die politische Stiftung (die Konrad-Adenauer-Stiftung – d. Red.) Verbindungen zur deutschen Regierung hat. Dort wurde vielleicht die Komplexität der namibischen Geschichte nicht voll verstanden. Das Wahlverhalten vieler Namibier erklärt sich daraus, dass sie in der Regierungspartei die politische Kraft sehen, die Frieden und Unabhängigkeit brachte. Es ist ihre Wahl, und das ist ja wohl – so mein Verständnis – Demokratie. Doch diese Frage reflektiert in keiner Weise unsere bilateralen Beziehungen.

Wie sehen Sie Ihre bisherige Tätigkeit als namibischer Botschafter in Deutschland?
Ich habe scherzhaft gesagt: Ein Jahr Deutschland ist vergleichbar mit vier Jahren auf einem anderen diplomatischen Posten – was Ausmaß der Arbeit und Intensität der Beziehungen betrifft. In 20 Jahren ist in den Beziehungen eine solide Basis entstanden, auf die wir aufbauen können. Es gibt hier so viele Partner, die daran mitwirken. Dafür bin ich dankbar.

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