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Streit um den 9. Mai in Moskau

Russlands KP gegen NATO-Truppen auf der Parade zum Tag des Sieges

  • Von Irina Wolkowa, Moskau
  • Lesedauer: 2 Min.
Russlands KP will sich bei Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow über die Vorbereitungen zum 65. Jahrestag des Sieges am 9. Mai beschweren. Ein Schreiben sei bereits in Vorbereitung, erklärte der stellvertretende KPRF-Vorsitzende Iwan Melnikow.

Stein des Anstoßes ist die Militärparade auf dem Roten Platz. An der sollen erstmals auch Einheiten der ehemaligen westlichen Alliierten teilnehmen: Truppen aus den USA, Großbritannien und Frankreich. Deren Regierungen hätten sich selbst mit einer derartigen Initiative an Moskau gewandt, teilte Wladimir Koschin, Vizechef der Präsidialverwaltung, russischen Medien bereits Anfang Februar mit. Für die Kommunisten ist das eine Zumutung, und nicht nur für sie. Auch Veteranenorganisationen und Offiziersverbände haben mit Protest gedroht. Moskaus neue, Anfang Februar von Präsident Dmitri Medwedjew per Unterschrift in Kraft gesetzte Militärdoktrin habe die NATO zum Hauptgegner erklärt, erläuterte Generaloberst Leonid Iwaschow. Soldaten eben dieses Hauptgegners könnten schon deshalb nicht zusammen mit Einheiten der russischen Armee über den geschichtsträchtigsten Platz des Landes marschieren. Ähnlich äußerte sich eine Delegiertenkonferenz von Offiziersverbänden, die am 20. Februar in Moskau stattfand.

Statt NATO-Soldaten an der Parade zu beteiligen, kritisierte Alexander Prochanow, Chefredakteur der nationalpatriotischen Zeitung »Sawtra«, in einem Rundfunkinterview, solle man lieber Truppen aus den UdSSR-Nachfolgestaaten einladen, auch aus den baltischen Staaten und aus Georgien. Dass erstere bereits NATO-Mitglieder sind und Georgien es gern werden würde, focht Prochanow nicht an. Auch nicht, dass die Staatschefs Litauens, Lettlands und Estlands eine Einladung Medwedjews zur Teilnahme an den Feierlichkeiten bereits abgelehnt haben.

Seit die Vorbereitungen für den 65. Jahrestag des Sieges laufen, wird in Moskau auch über die Rolle Stalins erbitterter denn je gestritten. Immerhin will die Stadtregierung dort, wo Kriegsteilnehmer traditionell gemeinsam feiern – im Park des Sieges oder vor dem Bolschoi-Theater – historische Plakate und Informationstafeln anbringen lassen, die Leben und Wirken Stalins und der wichtigsten sowjetischen Schlachtenlenker würdigen. Angeblich folgt die Stadtregierung dem Wunsch von Veteranenverbänden. Bürgerrechtler dagegen sind empört – und inzwischen offenbar auch Medwedjew und Premier Wladimir Putin. Was wohl die Welt von Russland denken werde, wenn Stalins Konterfei an den Häuserwänden prange, fragte rhetorisch das Staatsfernsehen. Beobachter fragen sich derweil, ob Medwedjew für eine differenziertere Betrachtung der sowjetischen Geschichte eintritt oder ob Kreml und Regierung lediglich einen neuen Versuch unternehmen, Moskaus Oberbürgermeister Juri Lushkow vom Thron zu stoßen.

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