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Eine vernachlässigte Krankheit

Zum Welttuberkulosetag: 1,6 Millionen Opfer in Entwicklungsländern / Zu wenig Forschung

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Noch immer sterben jährlich Millionen Menschen in Entwicklungsländern aufgrund von Armut, fehlenden Tests und Medikamenten an Tuberkulose.

Am 24. März 1882 gab Robert Koch in Berlin die Entdeckung der Tuberkel-Bakterien (Mycobacterium tuberkulosis) bekannt. Auf dieses Datum bezieht sich der heutige Welttuberkulosetag. Seit 1996 erinnert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) jedes Jahr im März daran, dass immer noch 1,6 Millionen Menschen jährlich an der Krankheit sterben – vor allem in Entwicklungsländern.

Bekannt ist die Infektionskrankheit schon seit 6000 Jahren. Hippokrates nannte sie Schwindsucht. Den Namen Tuberkulose (Tb) gab ihr 1832 der Arzt Johann Lucas Schönlein – wegen der typischen knotigen Schwellungen, der »Tuberkel«, im Lungengewebe. Im 19. Jahrhundert raffte die »romantische Krankheit« nicht nur Boheme-Künstler dahin, sondern sie wurde auch zur Krankheit des Proletariats und häufigste Todesursache. Robert Kochs Entdeckung führte dann zur Entwicklung von Antibiotika. Zugleich konnte durch bessere Lebensbedingungen zumindest in Europa die Todesrate gesenkt werden.

Jedoch führte neben Armut auch der unsachgemäße Antibiotika-Einsatz dazu, dass die Krankheit in Teilen Europas oder der ehemaligen Sowjetunion wieder aufflammte und zusätzlich resistente Formen entstanden. Vor wenigen Tagen gab die WHO bekannt, dass 28 Prozent aller neu diagnostizierten Fälle in einer Region im Nordwesten Russland eine Form angenommen haben, gegen die mehrere Antibiotika unwirksam sind. Diese Häufigkeit war bisher noch nicht beobachtet worden. Ein Drittel der insgesamt an dieser schweren Tb-Form erkrankten Menschen starb 2008.

Weltweit die Hälfte aller Fälle wird in China und Indien registriert. In Afrika schätzt man jährlich 69 000 Neuerkrankungen, wobei die große Mehrzahl wohl undiagnostiziert bleibt. Insgesamt werden weltweit nur sieben Prozent der hochresistenten Tuberkulose-Erkrankungen erkannt. Um so dringender ist die Verbesserung der Laborkapazitäten, der Zugang zu schnellen Tests und die Behandlung mit effektiven Medikamenten und Therapien, die kürzer sind als die heute notwendigen zwei Jahre.

Zwar ist das sechste Millennium-Entwicklungsziel der Vereinten Nationen dem Stopp der Ausbreitung von HIV/Aids, Malaria, Tuberkulose und anderen Erkrankungen bis zum Jahr 2015 gewidmet. Jedoch zählen Nichtregierungsorganisationen die Tuberkulose zu den vernachlässigten Krankeiten, für deren nachhaltige Behandlung sich Staaten und Pharma-Forschung eindeutig zu wenig engagieren. Von den mehr als 1500 Wirkstoffen, die zwischen 1975 und 2004 entwickelt wurden, waren nur 21 für Leiden dieser Gruppe wie Malaria und Tb bestimmt. Die WHO kritisierte am Dienstag, dass allein in diesem Jahr fast 1,8 Milliarden Euro unter anderem für Behandlung und Forschung von Tuberkulose fehlen.

Auch Deutschland beteiligt sich im internationalen Vergleich nur unterdurchschnittlich an den Tb-Forschungskosten. 2007 investierte die Bundesrepublik hier 7,5 Millionen Euro, während insgesamt 1,5 Milliarden Euro benötigt werden. Deshalb sollen nun mit Forschungsprämien und Entwicklungspartnerschaften Mittel für die Suche nach neuen Medikamenten aufgetrieben werden. So schlugen die Regierungen von Bangladesch, Barbados, Bolivien und Surinam schon vor einem Jahr vor, mit einer Prämie von 100 Millionen US-Dollar einen einfach zu nutzenden und günstigen diagnostischen Test für Tuberkulose auszuloben. Über den Online-Marktplatz »InnoCentive« gelang es dem Bündnis »TB-Alliance«, einen neuen Syntheseweg für einen potenziellen Tb-Wirkstoff zu finden. Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen und der Evangelische Entwicklungsdienst fordern die Bundesregierung auf, sich an derartigen innovativen Forschungsfinanzierungen zu beteiligen.

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