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Spatenstich fürs Landtagsschloss

Neues Parlamentsgebäude auf dem Potsdamer Alten Markt soll in drei oder vier Jahren fertig sein

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 3 Min.

Unter heftigem Für und Wider wurde gestern für den neuen Potsdamer Landtag im Schlossformat der erste Spatenstich gesetzt. Die Reden waren selbstermutigend, das Unternehmen selbst bleibt nicht nur wegen der verzweifelten Finanzlage Brandenburgs umstritten.

Die kulturelle Umrahmung des Festaktes auf dem Alten Markt war passend und unpassend zugleich. Das Lied »Heut ist ein wunderschöner Tag« entsprach dem Wetter und der Stimmung vieler Anwesender. Doch das in der DDR so beliebte Kinderlied erklang bei einer Gelegenheit, die als Gegenpol zur DDR und ihrer Baupolitik verstanden werden muss. Denn auf dem Platz, an dem vom gestrigen Tag an das neubarocke Landtagsgebäude entsteht, war in den 60er Jahren die Kriegsruine des historischen Potsdamer Stadtschlosses abgerissen worden.

Und vor dem Hintergrund eines 20-jährigen Tauziehens um den Bau mutete es ebenfalls seltsam an, dass mit dem zuständigen Finanzminister Helmuth Markov (LINKE) nun ausgerechnet ein Sozialist den Startschuss gab und als Bauherr auftrat. Denn die PDS hatte sich noch am heftigsten und längsten dagegen gewehrt, dass das Stadtschloss – und sei es nur als architektonisches Zitat – an dieser Stelle wieder aufersteht.

Aber was tatsächlich vor 15 Jahren noch praktisch Konsens in Potsdam war – also dass das Schloss nicht kopiert wird –, das entspricht der heutigen Stimmung nicht mehr. Die kleine linke Jugendgruppe, die beim gestrigen Festakt »Nie wieder Preußen« rief, stand recht einsam da. Allerdings auch die andere Gruppe von Demonstranten, die am Rande des Festaktes gegen die Regierungsbeteiligung der Linkspartei protestierte.

Die preußischen Schlösser und Gärten ziehen Millionen Besucher in die Stadt. Mit dem Landtagsschloss werde »der schönste Platz Europas« wiedererstehen, sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). »Wo einst absolutistische Herrscher ihre Macht ausübten«, solle heute eine Stätte der Demokratie sein.

Eine »enorm großzügige Spende« erwähnte Minister Markov und meinte die 20 Millionen Euro, die der Softwaremilliardär Hasso Plattner unter der Bedingung zur Verfügung stellte, dass die Fassade dem historischen Original angeglichen wird. Danach wurden die Pläne geändert. Auf dem Reißbrett entstand das alte Schloss – zumindest in der Außenansicht. Dies aber reicht den Traditionalisten nicht. Es flammte der Streit darüber wieder auf, ob nicht noch viel zu viele Abweichungen vom Knobelsdorffschen Vorbild vorliegen.

Platzeck stellte sich entschieden hinter den Entwurf des Architekten Peter Kulka. »Professor Kulka ist alles andere als ein Barbar.« Auch Markov wandte sich gegen besinnungslosen Antimodernismus und warb für Augenmaß: Anerkannte Intellektuelle und Künstler hätten sich seinerzeit heftig gegen den Eiffelturm gewandt – heute sei er als Wahrzeichen von Paris nicht mehr wegzudenken. Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) erinnerte an die Kuppel des Reichstages, die nicht originalgetreu sei, aber von Berlinern und Besuchern angenommen werde. Die Redner waren sich nicht einig, ob der Bau nun drei oder vier Jahre dauern werde. Eine Schaustelle mit Terrasse erlaubt es, die Fortschritte in Augenschein zu nehmen.

Beim Landtagsneubau haben sich Landtag und Landesregierung auf das Modell einer öffentlich-privaten Partnerschaft geeinigt. Das hat für den Staat den Vorteil, dass er zunächst kein Geld ausgeben muss, aber dennoch das gewünschte Gebäude bekommt. Das Land wird das Parlament 30 Jahre lang abstottern. Das schmeckt Politikern wie Umweltministerin Anita Tack (LINKE) gar nicht. Architekten hatten im Vorfeld eingewendet, dass dieses in Großbritannien entwickelte Modell im Ursprungsland längst zu den Akten gelegt worden sei. Weder Qualität noch Funktionalität seien bei den betreffenden Gebäuden befriedigend gewesen.

Hinter einer Fassade, die den majestätischen dreietagigen Seitenflügel vortäuscht, werden sich fünf Büroetagen mit der Raumhöhe einer Plattenbauwohnung verbergen. Während die Nordfront mit dem heute schon errichteten Fortunaportal weitestgehend dem historischen Vorbild entsprechen soll, wird das Gebäude auf der anderen Seite mit dem kreisrunden Plenarsaal funktionaler.

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