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Antikörper gegen Krebs (3)

  • Von Reinhard Renneberg, Hongkong
  • Lesedauer: 3 Min.
Vignette: Chow Ming
Vignette: Chow Ming

Der Krieg gegen den Krebs ist, ähnlich dem »gegen den Terror«, noch längst nicht gewonnen ... Neue Strategien müssen her!

Eine Idee: Antikörper sind mit Hilfe des Schlüssel-Schloss-Prinzips in der Lage, »ihre« Antigene zu erkennen und sich an ihnen festzuheften. Auch die Antigene von Krebszellen könnten also Andockstellen für Antikörper sein und damit Fresszellen (Makrophagen) als Markierung dienen: »Ziel erkannt! Feuer frei!«

In der Diagnostik von Krebs spielen Antikörper schon jetzt eine wichtige Rolle. Beispielsweise werden bei der sogenannten Immunszintigrafie monoklonale Antikörper mit schwach radioaktiven Substanzen markiert. Findet man dann ihre Anreicherung in bestimmten Organgeweben, kann dies ein Hinweis auf eine Krebsmetastase sein.

Ein anderer Anwendungsfall sind sogenannte »bewaffnete Antikörper«. Hier dienen Antikörper als Transportvehikel, um einen Wirkstoff möglichst gezielt zu Tumorzellen zu bringen, um diese abzutöten. So kann gesundes Gewebe geschont werden, was die Nebenwirkungen reduziert.

Als »Waffe« kommen Radionuclide oder Gifte in Frage, beispielsweise das Rizinus-Toxin. Rituximab war mit seiner Zulassung 1997 in den USA weltweit der erste therapeutische monoklonale Antikörper; er wird eingesetzt gegen das sogenannte B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom (eine bösartige Erkrankung des Lymphgewebes). Ein Jahr später folgte Trastuzumab gegen metastasierten Brustkrebs. Weitere Antikörper für die Krebstherapie folgten.

Die Wirkung der Antikörper kann indirekt oder direkt sein. Die indirekte als Zielmarkierung wurde schon dargestellt, sie vermeidet im Körper das, was von den Regierungen heutzutage verharmlosend »Kollateralschaden« genannt wird. Auch die Transportdienste, wofür der »Fuß« der Y-förmigen Antikörper genutzt wird, sind indirekt. Direkt können z. B. beim Rituximab die Antikörper mit ihren Y-»Händen« eine Kreuzvernetzung des Tumorantigens erzeugen. Dies löst eine Signalkaskade in der Krebszelle aus, die ihren Tod (Apoptose) zur Folge hat.

Der Wermutstropfen: Für die Therapie größerer solider Tumoren sind monoklonale Antikörper weitgehend ungeeignet. Mehreres kommt zusammen: Gut zugänglich sind nur die äußeren Schichten. Und die verfügbaren Zellen der Immunabwehr sind der Übermacht der Krebszellen nicht gewachsen.

Einige Krebstypen, beispielsweise Leukämien oder Non-Hodgkin-Lymphome, bilden keine soliden Tumoren. Deshalb werden bei ihnen mit monoklonalen Antikörpern die besten Therapieerfolge erzielt. Im Fall von soliden Tumoren wird die Therapie mit den entsprechenden Antikörpern meist nach operativer Tumorentfernung, Chemotherapie oder Bestrahlung durchgeführt, um einzelne freie Tumorzellen im Körper zu vernichten und dadurch die Bildung von Metastasen zu verhindern.

Doch genug von Kriegsgeschrei, Mord und Totschlag! Denn wie üblich hat auch diese Biolumne eine ironische Stelle – diesmal ist es quasi das Biolumnen-Team selbst: Unser genialer Hongkonger Cartoonist Ming Fai Chow zeichnete Stefan Dübel nach all meinen Erklärungen als Kommandeur, der Antikörper stramm stehen lässt im Krieg gegen den Krebs. Allerdings sieht er mit seinem langen Haar, dem Bart und dem fröhlichen Gemüt nicht gerade sehr militärisch aus … Was wir zuvor nicht wussten: »General« Stefan ist überzeugter Pazifist und hat in jungen Jahren den Dienst mit der Waffe verweigert. Nun kämpft er friedlich gegen den Krebs; »Schwerter zu Pflugscharen« nennt das die Bibel.

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