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»Warum sollen sie nicht hier bleiben?«

Niedersächsische Gemeinde nimmt Roma-Familie ins Kirchenasyl / Hoffen auf Folgeantrag

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Die evangelische Gemeinde der Liebfrauenkirche im niedersächsischen Moringen gewährt einer von Abschiebung bedrohten Roma-Familie aus Kosovo Kirchenasyl. Der Pastor ist sich sicher, dass die Familie in Kosovo keine menschenwürdige Zukunft hätte.

Drei Matratzen, ein paar Stühle, ein Tisch und ein Regal für Lebensmittel und ein paar Spielsachen. Mehr Möbelstücke passen nicht in die Sakristei der Moringer Liebfrauenkirche hinein. In dem 16 Quadratmeter großen Raum, in dem sich sonst die Pastoren zum Gottesdienst umziehen, lebt seit zehn Tagen die fünfköpfige Roma-Familie Asimi. Die evangelische Gemeinde gewährt den von Abschiebung bedrohten Flüchtlingen aus Kosovo Kirchenasyl.

Nach dreieinhalbjährigem Aufenthalt in Deutschland und einem gescheiterten Asylverfahren durfte die Familie nicht mehr in Deutschland bleiben. Der Kreis Göttingen hatte für vergangenen Mittwoch bereits Plätze in einem Abschiebeflugzeug nach Pristina gebucht. »Wir hatten schreckliche Angst«, sagt der 16-jährige Asim Asimi. Ein Haus oder wenigstens Verwandte, bei denen sie unterkommen könnten, hat die Familie in Kosovo nach eigenen Angaben nicht. »Wir hätten dann auf der Straße schlafen müssen«.

Als die Flüchtlinge am Abend vor der drohenden Abschiebung an die Kirchentür klopften, »hat das Pfarramt entschieden, die sind jetzt erst mal hier«, sagt Pastor Friedrich Schwenger. Aus der Gemeinde komme Zuspruch. In der Vergangenheit taten sich die Moringer mit der Unterstützung Verfolgter schwerer. Mitten in der Stadt betrieben die Nationalsozialisten Konzentrationslager für Frauen, Männer und Jugendliche.

Der Kirchenvorstand hat angekündigt, dass das Kirchenasyl vorerst bis Gründonnerstag befristet ist. Bis dahin, hoffen die Familie und ihre Unterstützer, hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge über die Annahme eines Asylfolgeantrags entschieden. Grundlage dafür ist ein neues medizinisches Gutachten über den schlechten Gesundheitszustand von Ehemann und Vater Adrijan Asimi.

Die Familie wurde nach eigenen Angaben 2006 gewaltsam aus Kosovo vertrieben. Sie sei mit dem Tod bedroht, der Vater mehrfach überfallen und verprügelt worden. Der 34-Jährige verlor bei den Angriffen seine Zähne. Ärzte haben bei ihm auch eine Schmerzstörung, eine schwere Depression und eine Angsterkrankung festgestellt.

Am vergangenen Wochenende ist auch die kleine Medina erkrankt. Sie hat Husten, Fieber und »die ganze letzte Nacht überhaupt nicht geschlafen und nur geweint«, berichtet Mutter Merfidana Asimi. Die Eltern und Geschwister bekamen ebenfalls kein Auge zu. Für Asim und die 13-jährige Mirveta sind die beengten Verhältnisse in der Sakristei ohnehin nur schwer auszuhalten. »Wir möchten am liebsten ganz schnell zurück nach Bösinghausen«, sagt Asim. In dem kleinen Dorf bei Göttingen habe die Familie eine eigene Wohnung und nette Nachbarn gehabt. »Und in der Schule, da hatten wir viele Freunde«.

Anne Berghoff vom Arbeitskreis Asyl, der die Flüchtlinge betreut und Kontakt zu Behörden und Rechtsvertretern hält, hat gerade mit einem Anwalt telefoniert. Sie sieht »gute Chancen«, dass dem neuen Asylantrag stattgegeben wird. Bis zu einer endgültigen Entscheidung wäre die Familie vor Abschiebung geschützt. Für die Asimis und andere Roma gebe es keine menschenwürdige Zukunft in Kosovo, meint Pastor Schwenger. Und Superintendent Heinz Behrends fragt: »Die Kinder gehen zur Schule, die Mutter spricht Deutsch – warum sollen sie nicht hier bleiben?«

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