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Gerd Rapior - der beurlaubte NDR-TV-Redakteur coachte im Nebenjob CDU-Spitzenleute

Der Berater

  • Von Velten Schäfer
  • Lesedauer: 2 Min.

Zum Image von Peter Harry Carstensen als liebenswerter Teddybär gehört unbedingt das »Bauchgefühl«. Dem vertraut der Kieler CDU-Ministerpräsident immer dann, wenn es »brenzlig wird«. Zum Beispiel vor dem TV-Duell gegen seine Vorgängerin Heide Simonis, das er 2005 klar gewann; die entsprechenden Äußerungen lassen sich nachlesen.

Seit einigen Tagen wissen wir allerdings, dass sich Carstensen seinerzeit auf mehr verlassen konnte als auf seinen Verdauungstrakt. Carstensen ließ sich auf das Interview von Gerd Rapior vorbereiten, einem der wichtigsten Fernsehredakteure des NDR in Kiel. Zwar beeilte sich der Sender mit der Klarstellung, dass Rapior an dem »Duell« selbst nicht beteiligt gewesen sei, das in Hamburg und nicht in Kiel aufgenommen wurde. Doch einer wie Rapior muss gewusst haben, wer die Fragen stellt und in welche Richtung sie gehen könnten. Eine Genehmigung für sein CDU-Coaching hätte Rapior nie bekommen, heißt es beim NDR.

Offenbar war Carstensen nicht der einzige, dem der ARD-Mann Tipps gab. Auch der jetzige Innenminister Klaus Schlie und Finanzminister Rainer Wiegard (beide CDU) wurden 2006 von Rapior geschult, wobei sie wenigstens selbst bezahlt haben sollen. Das letzte »Training«, das bisher bekannt ist, bekam 2008 der CDU-Fraktionssprecher Dirk Hundertmark. Insgesamt soll die CDU für Rapiors Dienste 12 000 Euro bezahlt haben. Nach letzten Meldungen war auch ein SPD-Kommunalpolitiker unter Rapiors Klienten.

Ein Jahr bevor Rapior parteipolitisch aktiv wurde, hatte er eine kommerzielle »Beratertätigkeit« aufgenommen: Für die Damp-Gruppe, die Kliniken betreibt und im Tourismus mitmischt. Ermittelt wird wegen Bestechlichkeit: Carl Hermann Schleifer, selbstredend CDU-Mitglied, bis 2005 Vorstandschef bei Damp und dann eine Weile Staatssekretär im Kieler Finanzministerium, könnte Sendezeit gekauft haben – so der Verdacht.

In der Summe gibt all das inzwischen nicht nur dem NDR, der Rapior beurlaubt hat und eine fristlose Kündigung prüft, ein gewisses »Bauchgefühl«. Sondern auch der Kieler Landespressekonferenz, deren Vorsitzender Rapior ist. Im Internet war gestern schon jeder Hinweis auf seine Person verschwunden.

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