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Heimkehrer

Jan-Hendrik Olbertz / Der Minister will Uni-Präsident in Berlin werden

Vom Politiker zum Uni-Präsidenten – das sei nicht unbedingt ein häufiger Werdegang, wurde angemerkt, als gestern der beabsichtigte Wechsel von Jan-Hendrik Olbertz aus dem Magdeburger Kultusministerium an die Spitze der Berliner Humboldt-Universität bekannt wurde: Am 20. April soll der 55-Jährige von deren Konzil zum Präsidenten gewählt werden.

In Magdeburg sorgt der Schritt dagegen für wenig Verblüffung. Er sei immer Wissenschaftler geblieben und habe in der Politik »gefremdelt«, heißt es dort über Olbertz, der 2002 auf CDU-Ticket ins Kabinett berufen wurde, in den acht Jahren seither aber nicht nur auf das CDU-Parteibuch verzichtete, sondern auch auf das Denken in parteipolitischen Schablonen. Olbertz gilt als eloquent und gebildet, jedoch auch als schwer zu fassen: Ein klares Feindbild, heißt es bei der Opposition, gab er nicht ab.

Was nicht heißt, dass der Minister nicht CDU-Bildungspolitik betriebe: Bestrebungen im 2006 von der CDU/SPD-Regierung berufenen Bildungskonvent zu längerem gemeinsamen Lernen widersetzte er sich. CDU-Positionen habe er allenfalls »gedehnt«, sagen Kritiker. Eine mit Kürzungen einhergehende Strukturreform an den Hochschulen ab 2002 setzte er straff durch.

Zugleich spricht sich Olbertz, der in Greifswald und Halle studierte, zum »Zusammenhang von Studienmoral und studentischer Selbsttätigkeit« promovierte und außer einem Intermezzo in Bielefeld Ostdeutschland nie den Rücken kehrte, gegen Studiengebühren aus und betont, die Hochschulen seien keine »Fertigungsstätte für die Befriedigung von Bedürfnislagen der Wirtschaft«; sie müssten sich vom »Prinzip Lehre und Forschung« leiten lassen und nicht vom Ruf nach Ertrag und Gewinn. Nach dem schlechten Abschneiden des Ostens bei der Exzellenzinitiative forderte er ein Förderprogramm des Bundes – mit einigem Erfolg.

An der Humboldt-Uni, deren Exzellenz-Bewerbung ebenfalls scheiterte, wird man dies wohlwollend zur Kenntnis nehmen, ebenso wie Olbertz' unprätentiöses Auftreten, das ihn von Vorgänger Christoph Markschies deutlich unterscheidet. In Magdeburg hingegen wird nun erwartet, dass Staatssekretär Wilfried Willems neuer Minister wird – ein knochenharter CDU-Mann und, für die Opposition, ein klares Feindbild.

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