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Der Reiz des Angedeuteten

»Fence Romance« zeigt in der Galerie Buchholz Arbeiten von Thomas Eggerer

  • Von Volkmar Draeger
  • Lesedauer: 3 Min.

»Fence Romance« nennt Thomas Eggerer seine elfte Soloausstellung, zu sehen in der Galerie Daniel Buchholz, wo er schon einige Male vertreten war. In München wurde er 1963 geboren, studierte dort an der Kunstakademie sowie in den USA, pendelte zwischen Europa und Amerika, lebt seit 2007 erneut in New York. Ein gerader Weg für jemanden, über den viel publiziert wurde und der, wie seine Bibliografie ebenso ausweist, sich auch selbst rege schreibend mitteilt. Was seine Bilder mitteilen, überlässt er dem Auge des Betrachters.

Alle 15 gezeigten Werke stammen aus 2009, sind im Format extrem unterschiedlich. Zu den größeren gehört ein fast quadratisches Farbmuster, »Untitled«, das in Acryl auf Leinwand außermittig zwei parallele, einander überlappende Farbwinkel zeigt. Breite weiße Pinselstriche überlagern sie, als sollten die Winkel den Blicken verborgen, ihre Intensität abgeschwächt werden. Doch auch die scheinbar klar konfigurierten Arbeiten sind vielfältig deutbar.

Zu den bestechendsten und mit 177 x 204 Zentimetern auch formal gewichtigsten zählt »Fence Romance«, Acryl und Öl auf Leinwand, das der Exposition den Titel lieh. In einer kühl sachlichen Tunnelarchitektur, deren zwei Seiten ungemein dynamisch in der Perspektive zusammenlaufen, stehen umarmt und schattenlos zwei junge Männer in Shorts; ein dritter sitzt abwesend entfernt. Abschüssig ist der Grund, ihr Blick scheint der Perspektive zu folgen. Wahrscheinlich aber nehmen sie von ihrer Umgebung kaum Notiz: dem Kanal, der beide Seiten trennt, mit seinem grünlichen, nach ihren Füßen züngelnden Wasser; dem Lichtnetz, das die Peitschenleuchten hinter ihnen aufspannen; dem düster grünen Stück Himmel.

Zwei Mal noch taucht ein ähnliches Motiv auf. »Downward« zeigt die Umarmten auf dem Weg abwärts in eine helle Schraffur hinein, den Oberkörper gegen eine giftgrüne Fläche abgesetzt, hinter sich das Grau eines nicht näher definierbaren, schmuddeligen Untergrunds. Auf der zugehörigen Zeichnung, Acryl und Bleistift auf Papier in Form eines stehenden Rechtecks, sind nur die Gestalten auszumachen, ihre Köpfe schluckt dunkelbrauner Fond, als Farbregen laufen Schlieren auf den diagonal angeordneten Boden zu.

Auch »Friday’s Child«, Acryl auf Leinwand von langen 117 x 235 Zentimetern, wirkt mysteriös. Vor einer Art Schaufensterfront stehen, hocken acht uniformierte Kinder, als würden sie durchs Glas sehen wollen. Was die Menschenschemen sehen, verdeckt lila Farbe und regt so den Zuschauer zu eigener Interpretation an. Ebenso absurd scheint »Regatta«: Ein Boot voller skizzierter Gestalten unter starren, seltsam ungeblähten Segeln und mit einem heftig kämpfenden Steuermann liegt schräg im Bild, ohne dass Wellen auszumachen wären. Ob der Grund, in dem das Boot steckt, Wasser ist oder ob es in Sand gestrandet ist, bleibt offen. Violetttöne vor gelber Atmosphäre geben mehr die Vision einer Regatta, als sie selbst darzustellen.

Eine der filigransten Arbeiten: »Thirsis«, der anakreontische Inbegriff des Liebesklagenden, lässt den Flötenspieler auf tief grünem Fond licht, ernst und frei schwebend wie von einer Wolke herunter sein Lied anstimmen. Verspielt und sexy zugleich sind die kleinen Collagen mit Fotos smarter Boys.

Bis 17.4., Galerie Buchholz, Fasanenstr. 30, Telefon 88 62 40 56

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