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Still, hell

Inge Jens erhält den Max-Herrmann-Preis 2010 der Freunde der Staatsbibliothek Berlin

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: 2 Min.

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Sie verhalf einem Wort zu Adel, das im schnellen Zeitungsgeschäft eher ein Dienstbotendasein führt: dem Kommentar. Sie gab Briefe der Geschwister Scholl heraus, Briefe und Tagebücher von Thomas Mann; das Kommentarwerk der Editionen las sich spannend wie der Haupttext. Golo Mann hatte ihr die Richtung gegeben: Es gelte, Historie zu kommentieren, nicht Teebesuche. Geboren war die exzellent erzählende Kommentatorin Inge Jens.

Die Mutter zweier Söhne hat jüngst ihre Erinnerungen herausgegeben, und sie schrieb mit ihrem Mann die Katia-Mann-Biografie »Frau Thomas Mann«. Mit den Jahren wurde die Stimme dieser still souveränen Quellenforscherin vernehmlicher, ist die gütige, helle Frau herausgetreten aus selbstbewusster Bescheidung in öffentlichen Dingen. Und dies nicht erst seit dem Verstummen von Walter Jens, führend markantem Rhetoriker der Alt-Bundesrepublik, in der Altersdemenz. Jahrelang war sie ihrem Mann (beide ein berühmtes Tübinger Duo) kluge Helferin, bei Büchern bis hin zur Trilogie über die Familie Pringsheim – die prononciert auch als ihr Werk benannt werden musste.

Inge Jens, geboren 1927, ist Hanseatin. Ihre Kindheit in Hamburg ist ein Leben in dunkler Staatsnähe. Der Vater: bei der SS (Techniker, kein Waffenträger), die Mutter bekommt das Mutterkreuz, Tochter Inge schreibt flammend über Hitler. Es wird in diesem Leben eine Linie führen von sehr aufklärerisch wirkenden Bomben-Schreckensnächten einer jungen Flakhelferin bis hin zu jenem Gericht der achtziger Jahre, da Inge und Walter Jens sich wegen Nötigung zu rechtfertigen haben: Sitzblockaden vorm Raketenstützpunkt Mutlangen. Friedens-Dienst. Das »Nie wieder!« als geradezu vegetativ pochender Impuls. Später wird das Ehepaar Jens US-Soldaten aufnehmen, die nicht in den Irak-Krieg ziehen wollen.

Gern wäre sie Ärztin geworden, promovierte aber über die expressionistische Novelle. Eine Gelehrtenrepubilkanerin. Sie glaubt an den Sinn des Lebens, seit jeher die Humanitas ihrer Arbeit. Aber nicht erst seit dem Schicksal ihres Mannes, dem sie Sorgende, Anvertraute ist, nach langer langer Zeit Liebe, widerspricht sie einem Sinn des Lebens – um jeden Schmerzenspreis.

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