Verbraucherschützer feiern nicht

Weil Sachsen die Zuschüsse kürzt, fällt ein Fest zum 20. Geburtstag aus

  • Von Hendrik Lasch, Dresden
  • Lesedauer: 2 Min.
Die Verbraucherzentrale Sachsen wird 20 Jahre alt, spart sich aber eine offizielle Feier, nachdem der Freistaat die Zuschüsse um 16 Prozent gekürzt hat.

Am Ostermontag war das Jubiläum, heute wollte man mit 200 Gästen feiern, doch die Stimmung war den Mitarbeitern der vor 20 Jahren gegründeten Verbraucherzentrale Sachsen gründlich verdorben: 30 Prozent ihrer Landeszuschüsse in Höhe von drei Millionen Euro, so hatte die Beratungseinrichtung im Januar erfahren, sollten gestrichen werden. Jetzt ist aus dem Sozialministerium zu hören, dass nur 16 Prozent der Gelder entfallen – immer noch ein herber Einschnitt. Die Feier, zu der CDU-Ministerin Christine Clauß hatte kommen wollen, wurde kurzfristig abgesagt.

Trotz der Kürzungen ausgerechnet im Festjahr ist die Lage nicht so schlimm wie bei der Verbraucherzentrale in Mecklenburg-Vorpommern, die 2004 pleite ging, betont Geschäftsführer Joachim Betz. Die Kunden sollten von den Einschnitten sogar kaum etwas spüren: »Wir wollen die Auswirkungen so gering wie möglich halten.« Wer freilich eine Hotline zur Energieberatung wählt, muss seit April zahlen; für Beratungen etwa zu Baufinanzierung oder Heizkostenabrechnung stiegen die Gebühren um fünf bis zehn Euro. Rechtsberatungen, wie sie sozial Schwache häufig nutzten, würden nicht teurer, betont Betz, der indes seinen 80 Mitarbeitern auch kürzere Arbeitszeiten verordnen musste.

Die Opposition kritisiert die Kürzungen, die Folge einer Haushaltssperre sind. Das Land spare »beim Anwalt der Verbraucher«, wettert SPD-Mann Thomas Jurk, der früher als Wirtschaftsminister für die Verbraucherzentrale verantwortlich war: Derlei Streichungen »hätte es mit uns nicht gegeben«. Die Festabsage »blamiert die Staatsregierung bis auf die Knochen«, sagt der LINKE Dietmar Pellmann. Dem wachsenden Beratungsbedarf bei Verbrauchern dürfe nicht mit Kürzungen begegnet werden.

Die Gründe, aus denen Kunden zur Verbraucherzentrale kommen, haben sich stark gewandelt. 1990 sei es oft um die auf einer Werbefahrt erstandene Lamadecke oder Lebensversicherungen gegangen, bei denen die gutgläubigen DDR-Bürger »über den Tisch gezogen wurden«, so Betz. Bei den 191 000 Beratungskontakten im Jahr 2009 drehten sich die Fragen um Abofallen im Internet oder um Telefonwerbung ebenso wie um Kapitalanlagen oder Energiepreise. Daran wird sich nichts ändern. Auf Termine müssen die Kunden aber wegen der Kürzungen wohl künftig etwas länger warten.

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