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Talent zur Ermutigung

Gisela Karau ist tot

  • Von Irmtraud Gutschke
  • Lesedauer: 3 Min.

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ND-Foto: Ulli Winkler
ND-Foto: Ulli Winkler

In meiner Artikelmappe liegt noch ein Text aus ihrer Feder: Die Rezension zu einem Krimi von Hans-Ulrich Lüdemann wird nun erst nach ihrem Tod erscheinen. In einer Berliner Klinik ist Gisela Karau in der Nacht zum Freitag gestorben. Völlig unfassbar, die genaue Ursache sei noch nicht bekannt, so ihr Mann, Hans-Jürgen Dörry. Und ich – hatte ich nicht vor kurzem noch ihre Stimme am Telefon gehört. Freundlich, hilfsbereit.

Sie war eine kraftvolle Frau. Auch dann, wenn sie es mal schwer hatte, wenn sie krank war, holte sie immer wieder Lebenslust aus sich heraus. Das praktisch Zupackende mochte sie aus ihrem Elternhaus haben: Am 28. März 1932 wurde sie in Berlin-Treptow in einer Arbeiterfamilie geboren. Ihre Schulzeit wurde mehrfach durch Evakuierung unterbrochen, 1950 machte sie das Abitur. Jung in der jungen DDR, schlug sie die journalistische Laufbahn ein, war Reporterin bei der Zeitung »BZ am Abend«. Das Journalistische sollte ihr auch als Schriftstellerin zugute kommen. Weniger der Wunsch nach Selbsterkundung war für sie Antrieb zum Schreiben als das interessante Thema, für das sie sich begeisterte, vor allem auch weil sie es für gesellschaftlich wichtig hielt. Gisela Karau wollte mit Büchern etwas bewegen und fühlte sich darin durch Leser bestärkt.

Ihr erstes Buch, »Der gute Stern des Janusz K.« (1972) über das Schicksal polnischer Kinder im KZ Buchenwald sollte gleich eines ihrer erfolgreichsten werden, erlebte auch nach 1990 mehrere Neuauflagen. Populär wurde sie in der DDR auch mit »Dann werde ich ein Kranich sein« (1976) über Ernst Thälmann, »Darf ich Wilhelm zu dir sagen« (1979) über das Leben Wilhelm Piecks und mit »Loni« (1982) über ein Mädchen im besetzten Berlin der Nachkriegszeit. Sie arbeitete für die DEFA, verfasste Drehbücher, auch Romane für Erwachsene wie »Berliner Liebe« (1984) und »Familienkrach« (1988). Sie stand bei aller Kritik zu dem Staat, in dem sie ihren Weg gemacht hatte. Und nach dem Untergang der DDR wollte sie sich mitnichten unterkriegen lassen.

Als Autorin produktiv, suchte sie selbstbewusst nach neuen Möglichkeiten. Dabei bewegte sie auch der Wunsch, kleinen, neu entstehenden Verlagen mit ihren Beiträgen zu helfen. Die sollten unterhaltsam sein, dem Publikum Freude machen – wie »Bolle, der freundliche Hund« (1994). Weiterhin blieb es ihr Anliegen, Themen der Zeit einzubeziehen: Umtriebe junger Neonazis (»Küsse auf Eis«, 1997), die Probleme, die es gibt, wenn Eltern sich scheiden lassen wollen (»Das kommt in der besten Familie vor«, 2003) oder wenn ein Berliner Mädchen sich in einen Araber verliebt (»Toni und Ali«, 2007). Überhaupt die Liebe: Wenn sie Mädchen begegnet (»Lola spinnt«, 2004; »Franzi, ganz cool«, 2005; »Cosima. Verliebt in Sanssouci«, 2007) oder Frauen (»Der jüngere Mann«, 2001; »Die selbstlose Freundin«, 2004) – auf heitere Weise hat Gisela Karau ermutigen wollen, Gefühle zu leben. Sie war – in der Literatur wie im Leben – eine Frau, die ermutigen konnte. »Schreib weiter, Kollege« heißt der letzte Satz in ihrem Text zu Hans-Ulrich Lüdemann.

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